04.11.2014
R. Köcher im Videointerview

„Generation Mitte befürchtet negative Begleiterscheinungen des Internets“

An ihnen führt kein Weg vorbei. Sie machen Karriere, erziehen Kinder, konsumieren und zahlen Steuern: die „Generation Mitte“. Das sind die 30- bis 59-Jährigen Menschen in Deutschland – die Leistungsträger unserer Gesellschaft. Eine Studie im Auftrag des Versicherungsverbandes GDV hat die Generation Mitte jetzt nach ihren Wünschen, Plänen und Ängsten gefragt. Renate Köcher hat die Umfrage durchgeführt, als Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach ordnet sie die Umfrageergebnisse ein.

Frau Köcher, wie geht es der Generation Mitte?
Renate Köcher: Die Generation Mitte ist weit überwiegend mit ihrem Leben zufrieden, sowohl mit der finanziellen Situation als auch mit der beruflichen Situation. Gleichzeitig ist die Generation Mitte aber sehr stark von dem Gefühl bestimmt, dass das Veränderungstempo außerordentlich hoch ist. Sie hat manchmal Sorge, mit diesem hohen Veränderungstempo der Gesellschaft nicht mitzukommen.

Was macht der Generation Mitte Angst?
Köcher: Die Generation Mitte weiß, dass ganz große Megatrends laufen, wie die demografische Entwicklung. Sie weiß, was die demografische Entwicklung für die Gesellschaft bedeutet, insbesondere im Hinblick auf die sozialen Sicherungssysteme.

Sie erlebt ein hohes Maß an Veränderungen, vorangetrieben durch die Digitalisierung. Das gesamte Kommunikationsverhalten verändert sich, die Art wie man sich informiert, die Art wie Arbeitsprozesse ablaufen. Technik spielt für die Generation im Alltag eine immer größere Rolle.

„Es gibt eine große Kluft zwischen Erwartung und Idealbild“

Kommt die Generation Mitte mit dem Internet klar? Sind Sie Wegbereiter oder eher passive Begleiter?
Köcher: Die Generation Mitte informiert sich im hohen Maße über das Internet und kauft zunehmend im Internet ein. Bemerkenswert ist, dass die Meisten gleichzeitig die negativen Begleiterscheinungen des Internets befürchten wie Datenschutz oder die generelle Überwachung. Hier gibt es viele Punkte, die die Generation Mitte beunruhigt.

Sie bezeichnen die Generation Mitte als skeptische Zukunftsmacher. Was meinen Sie damit?
Köcher: Mit den skeptischen Zukunftsmachern ist genau das gemeint, dass die Generation Mitte die Veränderung durch ihr Verhalten vorantreibt, indem sie die modernen Technologien annimmt, im Beruf wie im Privatleben. Auf der anderen Seite hat sie aber Zweifel, ob das Ganze zu einem guten Ende führt. Die überwältigende Mehrheit geht davon aus, dass die Technik im Alltag eine immer größere Rolle spielen wird. Aber nur vier Prozent wünschen sich das. Es gibt also eine große Kluft zwischen Erwartung und Idealbild.

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