05.11.2014
Altersarmut

Deutlich mehr Rentner sind auf Grundsicherung angewiesen

Die Zahl der Empfänger von Grundsicherung im Alter ist im vergangenen Jahr erneut angestiegen. Insgesamt bezogen laut Statistischem Bundesamt über 499.000 Menschen, die über 65 Jahre alt sind, Grundsicherung im Alter. Noch nie zuvor waren so viele ältere Menschen auf die Unterstützung durch den Staat angewiesen. Eine Umkehr dieses Trends ist momentan nicht in Sicht.

Die Grundsicherung wurde im Jahr 2013 von rund 34.500 Menschen mehr als im Vorjahreszeitraum in Anspruch genommen. Das entspricht einem Plus von 7,4 Prozent. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, beziehen damit drei Prozent aller Menschen über 65 Jahren die staatliche Unterstützung im Alter – so viele wie noch nie. Die Zahl der Menschen, die im Alter auf Sozialleistungen angewiesen sind, ist in den vergangenen 10 Jahren kontinuierlich angestiegen und hat sich beinahe verdoppelt. Bezogen im Jahr 2003 noch 258.000 Menschen die Grundsicherung, so sind es 2013 beinahe eine halbe Million Leistungsberechtigte.

Mehr West- als Ostdeutsche Frauen beziehen Grundsicherung

Vor allem bei Frauen aus Westdeutschland reichen ihre Rentenansprüche häufig nicht aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Von 1000 Frauen in Westdeutschland beziehen 36 die Grundsicherung, im Osten sind es nur 22. Grund dafür sind die historisch bedingt höheren Renten der ostdeutschen Frauen. Die westdeutschen Rentnerinnen haben sich bei der Altersvorsorge häufiger auf ihre Männer verlassen. Dieses Schema ist auch bei nachfolgenden Generation zu beobachten, wie im vergangenen Jahr eine GDV-Studie herausgefunden hat. Bei den Männern zeichnet sich die gleiche Verteilung zwischen Ost und West ab: 2013 bezogen in Westdeutschland von 1.000 Einwohnern 27 eine Grundsicherung. In Ostdeutschland waren es hingegen mit 20 deutlich weniger.

In Sachsen und in Thüringen ist der Anteil der Empfänger von Grundsicherung am niedrigsten. Hier kommen auf 1000 Einwohner jeweils 11 Menschen, die diese Leistung in Anspruch nehmen müssen. Das andere Extrem der Statistik sind die hanseatischen Stadtstaaten. Im Ranking der Bundesländer mit dem höchsten Anteil an Empfängern von Grundsicherung liegen sie vorne:

  1. Hamburg (68 je 1.000 Einwohner)
  2. Bremen (59 je 1.000 Einwohner)
  3. Berlin (58 je 1.000 Einwohner)
  4. Nordrhein-Westfalen (38 je 1.000 Einwohner)
  5. Hessen (36 je 1.000 Einwohner)

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Generation Mitte befürchtet Altersarmut

Die nachfolgende Generation, die noch im Erwerbsleben steht, sieht die anwachsende Altersarmut mit Sorge. Laut einer neuen Allensbach-Studie für den GDV fürchten sich knapp zwei Drittel der 30- bis 59-Jährigen vor einer Zunahme der Altersarmut. „Diese Sorge muss Ansporn zu mehr privater Vorsorge sein“, so GDV-Präsident Alexander Erdland. „Wichtig ist, dass die Politik die Ängste der Jüngeren ernst nimmt und gleichzeitig gegen die zunehmende Resignation beim Thema Altersvorsorge mobil macht“.

Darüber hinaus besteht auch politischer Handlungsbedarf, um eine drohende Altersarmut der heutigen Geringverdiener abzuwenden. Für viele Menschen führt die persönliche Altersvorsorge zu spürbaren Einschnitten im Alltag. Diese Anstrengungen sollten nicht nachträglich zunichte gemacht werden, indem Ansprüche aus eigener Vorsorge mit Sozialleistungen verrechnet werden. Daher fordert der GDV schon seit Längerem, dass es einen Freibetrag für alle Einnahmen aus eigener Vorsorge geben soll. Konkret sollten Leistungen aus Riester- und Basisrenten sowie aus betrieblicher Altersversorgung nicht mit der Grundsicherung verrechnet werden.

Die bisherige Gesetzeslage sieht dagegen vor, dass sämtliche angesparten Vorsorgeleistungen dem Staat zugutekommen, wenn die in diesen Fällen höhere Grundsicherung beantragt wird. Diese Praxis schafft gerade für Geringverdiener wenig Anreize in ihre private Altersvorsorge zu investieren.

Gut zu wissen

Die Grundsicherung im Alter liegt derzeit bei 391 Euro zuzüglich der Miet- und Heizkosten. Damit entspricht die Grundsicherung Hartz IV.

Mehr zum Thema:
>> Altersarmut: Wachsende Sorge, weniger Vorsorge
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