13.11.2014
Faktencheck

DAV-Umfrage zur Schadenregulierung – Die Ergebnisse auf dem Prüfstand

Der Deutsche Anwaltverein (DAV) hat seine Mitglieder befragt, wie sie das Regulierungsverhalten der Versicherer einschätzen. Die Umfrage unter den 1.257 Anwälten kommt zu dem Ergebnis, dass Versicherer unter anderem langsamer regulieren würden. Der GDV stellt die DAV-Umfrageergebnisse auf den Prüfstand: Was ist dran an den Vorwürfen?

DAV-Umfrage

Gründe für Probleme bei der Schadenregulierung sind aus Sicht der Anwälte u. a. die Verzögerung oder Vereitelung von Ansprüchen durch den Versicherer, unterschiedliche Rechtsauffassungen oder unzureichende Vorstellungen des Kunden zu den Leistungen.

GDV-Einordnung

Es gibt keine bewusste Verzögerung oder gar Vereitelung von Ansprüchen. Dies bestätigen u.a. die nach wie vor niedrigen Beschwerdezahlen beim Versicherungsombudsmann. Laut Ombudsmann gibt es keine Anhaltspunkte für ein systematisches Verzögern oder Verschleppen bei der Regulierung.

Im Jahr 2013 bearbeiteten die Schaden- und Unfall-, sowie Berufsunfähigkeitsversicherer über 23 Millionen Schäden und Leistungsanträge. Dazu gab es beim Ombudsmann nur rund 8.200 zulässige Beschwerden.

DAV-Umfrage

Höchstes Konfliktpotential sehen die Anwälte in der Berufsunfähigkeits- und der Gebäudeversicherung, da es häufig um sehr hohe Entschädigungssummen gehe. In der Berufsunfähigkeitsversicherung käme es vor allem zu Auseinandersetzungen über die Verletzung der Auskunftspflicht, zum Beispiel zu Fragen des Gesundheitszustandes.

GDV-Einordnung

Konflikte zwischen Verbrauchern und Versicherern sind die Ausnahme, nur wenige Fälle landen vor Gericht: In der Berufsunfähigkeitsversicherung kommt es nur bei rund 2 Prozent der Leistungsentscheidungen zu Gerichtsverfahren. In der Sachversicherung sind es sogar nur 0,06 Prozent aller Schäden, die vor Gericht verhandelt werden. Ganz überwiegend urteilen Gerichte dabei entsprechend der Leistungsbeurteilung des Versicherers.

DAV-Umfrage

Die Mehrheit der Anwälte gab an, dass sich das Regulierungsverhalten in den letzten 5 Jahren verschlechtert habe.

GDV-Einordnung

Andere Umfragen zeichnen ein gegenteiliges Bild: Beispiel: Im aktuellen YouGov „Servicebarometer Assekuranz 2013“ bewerteten fast 90 Prozent der Befragten die Regulierung eines erlittenen Schadens als sehr positiv. 28 Prozent der Befragten gaben an, dass mit einem Kontakt fast alles erledigt war.
Beispiel Wohngebäudeversicherung: Kurz nach der Flut 2013 gaben in einer forsa-Umfrage 80 Prozent der befragten Versicherungskunden an, dass sich ihr Versicherer innerhalb von wenigen Tagen um den Schaden gekümmert hat. Bei zwei Drittel der Befragten hatte der Versicherer die Schäden bereits vollständig oder teilweise erstattet.

DAV-Umfrage

Ein Teil der Anwälte gab an, dass die Bearbeitungszeiten länger geworden seien.

GDV-Einordnung

Versicherer haben ein originäres unternehmerisches Interesse an einer zügigen und unkomplizierten Schadenbearbeitung. Aber zum Schutz der Versichertengemeinschaft müssen sie Schadenfälle genau prüfen, sie dürfen nur tatsächlich berechtigte Leistungen gewähren.
Wenn Personen zu Schaden gekommen sind, erstreckt sich die Regulierung naturgemäß über einen längeren Zeitraum: Grund dafür ist, dass in diesen Fällen rechtliche, medizinische und gegebenenfalls berufskundliche Einschätzungen nötig sind. Dies ist sehr komplex und deshalb deutlich zeitaufwendiger als die Regulierung eines reinen Sachschadens.

DAV-Umfrage

Aus Sicht der Anwälte diene das Schadenmanagement der Kfz-Versicherer unter anderem dazu, die Beauftragung einer Anwaltskanzlei zu verhindern.

GDV-Einordnung

Ein aktives Schaden- und Leistungsmanagement der Kfz-Versicherer folgt den Kundenbedürfnissen nach umfassender und rascher Schadenregulierung.
Die Versicherer nehmen dem Geschädigten auf Wunsch zeitraubende Formalitäten ab und unterstützen ihn von der Schadenaufnahme bis zur endgültigen Abwicklung des Schadens. Unter anderem beschleunigen die Versicherer die Abwicklung, indem sie Dienstleister (z.B. Abschleppunternehmen, Kfz-Schadengutachter, Autovermietungen, Reparaturwerkstätten) direkt beauftragen und für den unmittelbaren Ausgleich der angefallenen Kosten sorgen. Der Schaden kann somit schnell und unbürokratisch sowie wirtschaftlich günstig bearbeitet werden.