13.11.2014
DAV-Umfrage zur Schadenregulierung

„Nur die unzufriedenen Kunden landen bei Anwälten”

Der Deutsche Anwaltverein hat die Ergebnisse seiner Forsa-Umfrage zum Regulierungsverhalten der Versicherer vorgelegt. Anwälte der Fachgebiete Verkehrs- und Versicherungsrecht wurden zur ihren Erfahrungen mit dem Regulierungsverhalten von Versicherern befragt. Auf Fakten im Sinne von konkret ausgewerteten Fällen oder Statistiken, wie sie der GDV im vergangenen Jahr vorgelegt hatte, basiert die Untersuchung nicht. Zu den Einschätzungen der Anwaltschaft zum Regulierungsverhalten nimmt Norbert Rollinger, Vorsitzender des GDV-Hauptausschusses Schaden- und Unfallversicherung, im Interview mit GDV.DE Stellung.

Hr. Rollinger, was sagen Sie zu den Ergebnissen der Forsa-Umfrage?
Norbert Rollinger: Bei Anwälten landen ja nur die Fälle, in denen ein Kunde oder Geschädigter unzufrieden war mit seinem Versicherer. Angesichts von rund 23 Millionen Schadenfällen in der Schaden- und Unfallversicherung im Jahr bleibt aber doch die ganz große Masse der problemlos regulierten Fälle bei der Betrachtung der Anwälte außen vor.

Besonders hervorgehoben wird die Rolle des Anwalts bei Konflikten mit Versicherern…
Rollinger: Es überrascht mich nicht, dass eine Umfrage unter Anwälten zu dem Ergebnis kommt, dass es sinnvoll ist, im Schadenfall einen kompetenten Fachanwalt zu Rate zu ziehen. Hier sind wir gar nicht weit auseinander, denn auch wir begrüßen es, wenn sich Kunden bei komplexen Schäden fachanwaltlich vertreten lassen. Das hilft allen Beteiligten.


Die Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass die Schadenregulierung der Versicherer zu lange dauert und zu kompliziert ist, was sagen Sie dazu?
Rollinger: Nicht jeder Fall ist einfach. Gerade wenn Menschen schwer verletzt werden, kann die Klärung der Frage, ob und wieviel Schadenersatz zu leisten ist, sehr kompliziert sein. Das kostet leider Zeit. Zuweilen kann diese Frage auch erst ein Gericht klären. Hinzu kommt, dass bei einem Personenschaden viel mehr Experten und Fachleute in die Schadenregulierung eingebunden sind. Oft hat der Versicherer dann kaum Einfluss auf die Dauer bzw. Geschwindigkeit des Verfahrens.

Gibt es noch weitere Faktoren, die bei der Schadenregulierung eine Rolle spielen?
Rollinger: Entscheidend ist, dass sich der Gesundheitszustand des Geschädigten im Laufe der Zeit verändern kann – mal zum Guten aber auch zum Schlechten. Je nach Verlauf zahlt ein Versicherer mehr oder weniger Schadenersatz, voraussehen lässt sich das aber nicht immer. Wie schwierig die Bearbeitung solcher Fälle im Vergleich zu reinen Sachschäden ist, das ist der Öffentlichkeit leider oft nur schwer zu vermitteln.

Bei der Schadenbearbeitung gibt es laut Umfrage Verbesserungsbedarf. Die Anwaltschaft sucht hier gezielt den Dialog mit der Assekuranz.
Rollinger: Eine Umfrage des Bundesjustizministeriums zum Regulierungsverhalten der Versicherer bei den Landesjustizverwaltungen im vergangenen Jahr kam zu dem Schluss, dass die Gerichte ganz überwiegend keine Rechtsänderungen für erforderlich halten. Auch die Anwälte äußern hier keinen Handlungsbedarf. Gerne kommen wir mit den Anwälten ins Gespräch. Wir nehmen die Kritik ernst. Es spornt uns an, immer noch besser zu werden.

Zur Person

Dr. Norbert Rollinger ist der Vorsitzende des GDV-Hauptausschusses Schaden- und Unfallversicherung und Mitglied im GDV-Präsidium. Seit 2009 sitzt er im Vorstand der R+V Versicherung. Davor arbeitete er unter anderem für die DBV-Winterthur Gruppe und bei den Generali Versicherungen.

Der Luxemburger hat Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaft in München studiert und in Gießen promoviert.