10.10.2014
Sturm-Bilanz 2013

Rasante Reise der Verwüstung

Solche Stürme kommen alle drei Jahre in Deutschland vor, einzeln. 2013 kommen sie im Doppelpack, richten Sachschäden von ca. 500 Millionen Euro an. Die beiden Orkane Christian und Xaver rasen über Deutschland, in verheerenden Streifzügen von drei Tagen.

„Man konnte nicht mehr ums Haus laufen, so stark war der Wind. Jeder auf der Hallig hat ein Loch im Dach.“ Der sturmerprobte Nordseeschiffer Fiede Nissen hat bei Orkan Christian auch Strandkörbe durch die Luft fliegen sehen. Am 28. Oktober reißt Christian nicht nur Löcher in die Dächer der Inselbewohner. Er tobt sich mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 172 Kilometern pro Stunde über Nord- und Mitteldeutschland aus. Knapp sechs Wochen später, auf den Nordseeinseln reparieren sie noch ihre Dächer, kommt Orkan Xaver und zerstört sie erneut. Während Christian als „Schnellläufer“ (Deutscher Wetterdienst) in den Nachmittagsund Abendstunden des 28. Oktober über Deutschland wütet, tobt Xaver zwei Tage lang, schiebt starke und breite Windfronten vor sich her. Er rast, vom Atlantik kommend, über Deutschland hinweg, wütet zunächst im Norden, rückt dann weiter nach Süden vor, bis er schließlich das ganze Land im Griff hat, mit Sturmböen von bis zu 158 Kilometern pro Stunde, mit Regen, Eis und Schnee. Doch der Reihe nach.


 
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Christian, als Tief über dem Westatlantik entstanden, ist in seinem Ausmaß der zerstörerischere der beiden Orkane. 300 bis 400 Millionen Euro Schäden an Wohngebäuden, Hausrat und Gewerbe hinterlässt das Oktober-Unwetter insgesamt. Damit erreicht Christian die Kategorie schlimmer Herbst- und Winterstürme wie etwa Emma, die 2008 über Deutschland hinwegfegte, oder Xynthia, die im Jahr 2010 Millionenschäden hinterließ. Der weitaus stärkste Wintersturm in der Statistik der Versicherer bleibt Kyrill aus dem Jahr 2007 mit über 2 Milliarden Euro Sachschäden. Orkan Xaver vom 5. und 6. Dezember 2013 richtet deutschlandweit 100 bis 200 Millionen Euro Schäden an Wohngebäuden, Hausrat und Gewerbe an. Damit zerstört ein einziger Orkan solche Werte wie die beiden Winterstürme des Vorjahres, Ulli und Andrea, gemeinsam.


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Es hagelt Stromausfälle

Bis zu 50 Prozent könnten die Sturmschäden bis zum Jahr 2100 steigen, zeigen die gemeinsamen Klimaprojektionen führender Klimaforscher und des GDV. Christian und Xaver schädigen Wohngebäude vor allem an Dächern, reißen einzelne Ziegel heraus oder decken die Dächer komplett ab. Sie lassen Bäume auf Häuser und Bahngleise stürzen. Es hagelt Stromausfälle. Auch das öffentliche Leben ist in den Orkan-Tagen des Jahres 2013 stark eingeschränkt. Autobahnen, Bahnstrecken und Flughäfen sind gesperrt, Schulen und Universitäten bleiben geschlossen.

Beide Stürme türmen zudem die Küstengewässer zu Sturmfluten auf. Die Nordseeinseln müssen zeitweise evakuiert werden. Xaver peitscht das Wasser am Morgen des 6. Dezember in Hamburg zum zweithöchsten Pegelstand von 6,09 Meter über Normalmaß. „Das Wasser kocht“, beschreiben Katastrophenschützer diesen Zustand. Doch: Sie schaffen es, Hamburg vor schlimmeren Schäden zu bewahren.

Beide Stürme bringen zudem Zerstörung durch eindringendes Wasser – die Sturmfluten an den Küsten überschwemmen Keller und Erdgeschosse; durch die zerstörten Dächer im Binnenland dringen Regen, Graupel und Schnee in die Häuser und schädigen Wohnräume und Hausrat. Christian und Xaver stehen damit am Ende eines verheerenden Jahres 2013. Millionenschäden durch die beiden Orkane des Herbstes, Milliardenschäden durch die Hagelunwetter des Sommers – insgesamt verzeichnet die Jahresstatistik der Versicherer für Sturm- und Hagelschäden an Wohngebäuden 2,34 Milliarden Euro. Ein Ausnahmejahr.

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Naturgefahrenreport 2014
Die Schaden-Chronik der Versicherer

Der Naturgefahrenreport fasst die wichtigsten Unwetterereignisse eines Jahres zusammen. Er bündelt Statistiken und Grafiken zu Schäden durch Naturgefahren an Gebäuden und Kraftfahrzeugen.

Themen des Naturgefahrenreports 2014

  • Hagel: Die Gefahr die aus Gewitterwolken droht
  • Das Jahr der Naturkatastrophen
  • Verlust und Zerstörung an Fahrzeugen
  • Partner, Manager, Forscher: Die deutschen Versicherer

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