10.10.2014
Hochwasser-Bilanz 2013

Ölverseuchtes Wasser, meterhoch

Die Flut hat Deutschland im Juni 2013 im Griff. Mit 140.000 versicherten Schäden im Wert von 1,8 Milliarden Euro erreicht das Hochwasser das Schadenausmaß der Elbe-Flut von 2002. „Die zweite Hochwasserkatastrophe mit Milliardenschäden innerhalb von elf Jahren. Es scheint, als müssten wir uns an Fluten mit diesen Schadendimensionen gewöhnen“, sagt GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland.

Wieder, wie bereits 2002, trifft es das Bundesland Sachsen am stärksten. Fast 900 Millionen Euro, die Hälfte der gesamten versicherten Schadensumme, betragen die Schäden an Wohngebäuden, Hausrat und Gewerbe im Land an der Elbe. Doch das Bundesland hat vorgesorgt: Mit staatlichen und individuellen Hochwasserschutzmaßnahmen konnten die Sachsen das Ausmaß der Schäden unter dem der Elbe-Flut halten. Auch Sachsen-Anhalt (310 Millionen Euro), Bayern (270 Millionen Euro) und Thüringen (140 Millionen Euro) sind stark von der Flut geschädigt. Insgesamt trifft das Hochwasser acht Bundesländer.


 
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In drei wesentlichen Punkten unterscheidet sich indes das Juni-Hochwasser 2013 von der Elbe-Flut 2002: Nicht die Sturzfluten sorgen für schwere Schäden, sondern die Überschwemmungen durch lang anhaltende Regenfälle in Regionen abseits der großen Flüsse. Dort wo ein Großteil der betroffenen Menschen, insgesamt 85 Prozent, wohnt. Mehr als die Hälfte der Schäden entstehen in Regionen, in denen die Wahrscheinlichkeit eintretenden Hochwassers in Zeitabständen von 200 Jahren liegt. Der Starkregen kann nicht mehr versickern, weil die Böden so wassergesättigt sind, wie seit 60 Jahren nicht mehr. Weil der Regen auch kleine Bäche und Flüsse anschwellen lässt, weil Deiche brechen und das Hinterland kilometerweit geflutet wird, stehen nun Landstriche und Häuser unter Wasser, deren Menschen auf Überschwemmungen nicht eingestellt sind, etwa durch baulichen Hochwasserschutz.


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Der zweite Unterschied: Ein hohes Maß an Schäden, vor allem im bayerischen Deggendorf, entsteht durch ausgelaufenes Öl aus zerborstenen und beschädigten Öltanks. Dringt Öl ins Mauerwerk ein, ist dieses komplett kontaminiert. Das Gebäude kann nur noch abgerissen werden. Das mit Öl verseuchte Wasser steht in den betroffenen Regionen teilweise wochenlang und fließt nicht ab. Es ist auch eine Katastrophe für die Umwelt. Deshalb setzen sich Experten wie Otto Schaaf, der Präsident der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, dafür ein, dass die gesetzlichen Bestimmungen, die Öltanks in Überschwemmungsgebieten verbieten, eingehalten werden und auf alternative Heizmethoden umgestellt wird. Der dritte Unterschied schließlich: Bewohner und Katastrophenschützer waren viel besser auf das Hochwasser vorbereitet als im Jahr 2002.

Dieses Hochwasser hinterlässt Milliardenschäden, deren Behebung noch Jahre andauern wird. Es gräbt sich ein in die Erinnerung und den Alltag der betroffenen Menschen, spürbar noch wie die Markierungen des Wassers an den Fassaden der Häuser sichtbar.

In den besonders stark betroffenen Regionen wie Fischbeck in Sachsen-Anhalt und Deggendorf in Bayern bauen die Menschen auch über ein Jahr nach der Flut ihre Häuser noch auf. Der Wiederaufbau der öffentlichen Infrastruktur wird wohl noch Jahre dauern.

Mehrere Einzelschäden an Ein- und Zweifamilienhäusern von über 400.000 Euro zeugen von der vernichtenden Kraft des Wassers und der schädigenden Wirkung von Öl. Viele der gefluteten Häuser können nur noch abgerissen werden, andere werden komplett entkernt. Das feuchte Mauerwerk muss wochenlang trocknen.

Die durchschnittliche Schadenhöhe an Wohngebäuden bei der Juni-Flut liegt bei 12.300 Euro. Insgesamt entstehen 2013 an Wohngebäuden Elementarschäden im Wert von 660 Millionen Euro.

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Naturgefahrenreport 2014
Die Schaden-Chronik der Versicherer

Der Naturgefahrenreport fasst die wichtigsten Unwetterereignisse eines Jahres zusammen. Er bündelt Statistiken und Grafiken zu Schäden durch Naturgefahren an Gebäuden und Kraftfahrzeugen.

Themen des Naturgefahrenreports 2014

  • Hagel: Die Gefahr die aus Gewitterwolken droht
  • Das Jahr der Naturkatastrophen
  • Verlust und Zerstörung an Fahrzeugen
  • Partner, Manager, Forscher: Die deutschen Versicherer

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