09.10.2014
Herbstgutachten

Investitionen in Infrastruktur als Konjunkturimpuls

Angesichts der schlechteren Wirtschaftsaussichten hat sich Alexander Erdland für neue Wachstumsimpulse in Deutschland ausgesprochen. „Wir brauchen wirksame Antworten auf die Eintrübung der Konjunktur. Investitionen in die öffentliche Infrastruktur sind ein gutes Rezept, um das Binnenwachstum anzukurbeln“, sagte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Mit seinem Appell reagiert Erdland auf das Ergebnis des Herbstgutachtens, das die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute heute in Berlin vorgelegt haben. Darin rechnen sie aufgrund der gesunkenen Nachfrage aus dem In- und Ausland für dieses Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent in Deutschland. Im kommenden Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt gar nur um 1,2 Prozent steigen. Vor einem halben Jahr hatten die Experten noch 1,9 Prozent für 2014 und 2,0 Prozent Wachstum für 2015 vorausgesagt. Die Forscher empfehlen der Bundesregierung, die Wachstumskräfte zu stärken: mit einer Senkung der Abgabenbelastung und höheren Investitionen.

Unterstützung für seinen Vorstoß erhält Erdland auch vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Die öffentliche Infrastruktur muss ausgebaut werden“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Volker Treier im ARD-Morgenmagazin. Seit Jahren seien die Investitionen in Deutschland zu gering, bei den öffentlichen Investitionen sei die Lücke noch größer als bei den privaten Unternehmen. Eine von der Verkehrsministerkonferenz eingesetzte Kommission beziffert die Investitionslücke im Bereich der Verkehrsinfrastruktur auf jährlich rund 7,2 Milliarden Euro.

STATEMENT

Alexander Erdland, Präsident des GDV:

„Wenn die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen stimmen, kann die Versicherungswirtschaft einen signifikanten Beitrag leisten. Die Politik sollte daher im Dialog mit der Wirtschaft einen verbindlichen Investitionsfahrplan aufstellen, der die wichtigsten Infrastrukturprojekte umfasst.“

Zum Thema Infrastrukturinvestments: Dr. Alexander Erdland im Interview


Treier rief die Bundesregierung jedoch dazu auf, den soliden Haushaltspfad nicht zu verlassen. Es gehe darum, ein gutes Beispiel für die Länder der Euro-Zone zu sein und die Märkte nicht zu verunsichern. „Insofern brauchen wir Reformen, die nichts kosten.“ Eine Möglichkeit sei die stärkere Einbindung privater Investoren. „Wir müssen über Projekte nachdenken, wie wir privates Kapital auch in die öffentliche Infrastruktur bringen können“, sagte Treier. Dazu zählten öffentlich-private Partnerschaften.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte als Reaktion auf das Herbstgutachten neue Initiativen an. Mit Anreizen für zusätzliche private Investitionen wolle sie gegen die drohende Schwächephase der deutschen Wirtschaft angehen, sagte sie. Bereits beim Koalitionsausschuss am Dienstag habe man sich damit beschäftigt, wie zusätzliche Investitionen etwa im digitalen Bereich oder im Zusammenhang mit der Energiewende möglich gemacht werden könnten. „Diesen Kurs werden wir sehr entschieden jetzt weitergehen.“

GDV-Präsident Erdland unterstrich erneut die Bereitschaft der Versicherungswirtschaft, sich an der Finanzierung der Infrastruktur zu beteiligen. „Wenn die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen stimmen, kann die Versicherungswirtschaft einen signifikanten Beitrag leisten. Die Politik sollte daher im Dialog mit der Wirtschaft einen verbindlichen Investitionsfahrplan aufstellen, der die wichtigsten Infrastrukturprojekte umfasst“, so Erdland.

Text: Karsten Röbisch