14.08.2014
Absicherung eines Mammutprojekts

Tiefer, Breiter, Teurer – 100 Jahre Panamakanal

Eine der wichtigsten Seeverbindungen der Welt feiert Jubiläum: Am 15. August 1914 fuhr das erste Schiff durch den Panamakanal. Derzeit wird der Kanal ausgebaut: Die alte Wasserstraße mitsamt den Schleusen ist für Containerschiffe heutigen Maßstabs nicht mehr groß genug. Der Kanal soll künftig auch für noch größere Containerschiffe befahrbar sein. Der Ausbau des Kanals, ein tropisches Mammutprojekt, ist auch für Versicherer eine Herausforderung – das zeigen unsere Bildergalerie und unser Experteninterview.

Bildergalerie: 100 Jahre Panamakanal (Klicken zum Vergrößern)

„Versicherer minimieren die Blackbox“

 
Herr Minet, welche Rolle spielen Versicherungen bei Großprojekten wie den Panamakanal?
Ralf Minet: Ohne Versicherer können Großprojekte in der Regel nicht realisiert werden. Nur über eine fundierte Risikoanalyse werden die wirtschaftlichen und technischen Risiken eines Bauvorhabens identifiziert und idealer Weise im Vorfeld minimiert oder sogar ausgeschlossen. Bei Großprojekten wie dem Ausbau des Panamakanals trägt ein Versicherer das Risiko in der Regel nicht allein. Es ist nicht unüblich, dass bis zu 30 oder 40 Versicherer an Bord sind.

Wie kalkuliert man bei Großprojekten „unberechenbare“ Risiken wie Unwetter oder Streiks?
Minet: Bei Großprojekten lassen sich nicht alle Gefahren 100-prozentig voraussagen. Das wichtigste ist, dass dem Versicherer alle technischen Informationen vorliegen, damit ein schlüssiges Versicherungskonzept entwickelt werden kann. Es geht darum, die Blackbox zu minimieren. Jeder Versicherer im Konsortium muss sein maximales wirtschaftliches Risiko festlegen, bis zu dem er ein Projekt zeichnen will. Dabei helfen ihm internationale Datenbanken.

Unwetter sind zum Beispiel über Wetterdatenbanken sehr gut kalkulierbar, seismologische Informationen machen Erdbebenrisiken berechenbarer. Um zum Beispiel Streiks oder sonstige politische Risiken besser einschätzen zu können, helfen internationale Risikokarten.

Zur Person

Ralf Minet, 44, ist Versicherungsexperte bei AON, einem der führenden technischen Versicherungsmakler und Berater für Risikomanagement und Rückversicherungsmakler in Deutschland. Als Head of Aon Construction ermöglicht er den Versicherungsschutz für große Bauvorhaben. Eines seiner aktuellen Projekte: Der Fehmarn-Dänemark-Tunnel.

Wie kommt es zum Vertragsabschluss, bei dem es nicht selten um Milliarden-Risiken geht?
Minet: Es gibt 2 Wege, über die der Investor mit dem Versicherer zusammenkommt: Entweder kauft der Investor den Versicherungsschutz für sein Bauprojekt selbst ein, indem er es öffentlich ausschreibt. Oder er überträgt das Versicherungsrisiko auf die Baufirmen. In diesem Fall schließen sich die Baukonzerne selbst mit Versicherern oder Maklern zusammen.

Unabhängig davon, für welchen Weg sich der Auftraggeber entscheidet, alle technischen, kaufmännischen und juristischen Fragen müssen geklärt und vertraglich fixiert werden. Das ist nicht immer eine leichte Aufgabe.

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