24.07.2014
Bilanzregeln

Neue Bilanzierungsvorgaben für Finanzinstrumente bringen Verbesserungen für Versicherer

Nach mehrjährigen Beratungen hat das International Accounting Standards Board (IASB) heute die künftigen Bilanzierungsvorgaben für Finanzinstrumente vorgelegt. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) begrüßt die darin enthaltene erfolgsneutrale Bewertung für festverzinsliche Wertpapiere. „Damit passt das IASB das Regelwerk in einem entscheidenden Punkt an das Geschäftsmodell der Versicherungen an“, sagt Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung. An anderen Stellen gebe es aber noch Änderungsbedarf.

Der neu geschaffene International Financial Reporting Standard (IFRS 9) „Finanzinstrumente“ erlaubt es Unternehmen, Marktwertveränderungen von Anleihen erfolgsneutral in der Bilanz abzubilden. Damit wird der Ausweis von Scheingewinnen während der Haltedauer vermieden. Versicherer halten die Papiere in der Regel bis zur Fälligkeit, und zum Laufzeitende nähert sich der Kurs dem Ausgabepreis an. „Eine reine Marktpreisbewertung hätte eine verzerrte Darstellung der Ertragslage zur Folge gehabt“, sagt von Fürstenwerth. Die gefundene Lösung sei für die Versicherer sehr wichtig, da ein Großteil ihrer Kapitalanlagen auf festverzinsliche Werte entfalle.

Überarbeitung der Bilanzierungsregeln als Reaktion auf Finanzkrise

Das IASB setzt als unabhängiges Gremium die internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) fest, die vor allem von börsennotierten Unternehmen angewendet werden. Als Reaktion auf die Finanzkrise hatte der globale Standardsetzer eine Überarbeitung der Bilanzierungsregeln für Finanzinstrumente angekündigt. Die Arbeit ist mit der heutigen Veröffentlichung formal abgeschlossen. IFRS 9 soll ab dem 1. Januar 2018 zur Anwendung kommen, zuvor jedoch müssen in der Europäischen Union die Vorgaben des IASB noch in einem formalen Übernahmeverfahren angenommen werden.

Aus Sicht des GDV besteht allerdings noch die Notwendigkeit, innerhalb des künftigen Standards für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen die Regelungen für Finanzinstrumente zu ergänzen. Dies gilt etwa für die Behandlung von Aktieninvestments beim Verkauf. Unter strikten Voraussetzungen dürfen Unternehmen die Wertschwankungen während der Haltedauer zwar erfolgsneutral in der Bilanz abbilden. Nutzen sie diese Option aus, müssen Gewinne aus dem Verkauf der Wertpapiere anschließend ebenfalls erfolgsneutral verbucht werden (Verbot des sog. Recyclings, d.h. der erfolgswirksamen Erfassung). Dadurch kommt es bei Versicherern zu Verzerrungen in der Gewinn- und Verlustrechnung. Denn während die Beteiligung der Versicherungsnehmer am Verkaufsgewinn ergebniswirksam als Aufwand verbucht wird, stehen diesem keine entsprechenden Gewinne gegenüber. „Die Regel führt effektiv zu einer Benachteiligung der Versicherer bei langfristigen Aktieninvestments“, betont von Fürstenwerth.

Erfolgsneutrale Zeitwertbewertung auch für Infrastrukturdarlehen

Der GDV plädiert zudem dafür, die Möglichkeit der erfolgsneutralen Zeitwertbewertung auch für Infrastrukturdarlehen zu schaffen, deren Erträge ebenfalls der Erfüllung von langfristigen Verpflichtungen dienen. Bislang fehlt diese explizite Option im Regelwerk. Unternehmen wären gegebenenfalls verpflichtet, Infrastrukturdarlehen zu fortgeführten Anschaffungskosten zu bilanzieren. Dies widerspräche der geplanten Bewertung von Versicherungsverträgen nach IFRS 4 Phase II. Bei ihnen sollen Wertschwankungen, die sich aus Zinsänderungen ergeben, erfolgsneutral in der Bilanz abgebildet werden. Die Ungleichbehandlung hätte starke Schwankungen im Eigenkapital der Unternehmen zur Folge und würde ihre Möglichkeiten für Investitionen in Infrastrukturprojekte stark einschränken.