02.06.2014
Sparer nicht weiter bestrafen

Kreditinstitute und Versicherer fordern behutsame Wende in der Geldpolitik

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken, Sparkassen und Versicherer warnen mit Blick auf die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 5. Juni gemeinsam vor weiteren Zinssenkungen in Europa. Zusätzliche geldpolitische Lockerungen wären gefährlich für die Spar- und Stabilitätskultur, erklären die Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) und des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Der Patient Europa befindet sich nach Ansicht der Verbände inzwischen auf einem langsamen, aber fortschreitenden Kurs der Besserung. Die von vielen Ökonomen für dieses und nächstes Jahr erwartete wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum spreche klar gegen weitere geldpolitische Maßnahmen. Deflationsgefahren seien nicht erkennbar.

Fortsetzung der Reformen statt weiterer Zinsschritte

Statt weiterer Zinssenkungen sprechen sich die Verbände für die konsequente Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in Europa aus. Nur so komme die Kreditvergabe in wachstumsschwächeren Ländern wieder auf Touren. Die EZB solle sich nicht an Experimenten wie einem negativen Einlagenzins versuchen. „Ein in der EU noch nie dagewesener Strafzins würde die Kreditvergabe nicht beleben“, warnt BVR-Präsident Uwe Fröhlich. Er könne die Konditionen für Kreditnehmer sogar verschlechtern. „Die Medizin würde keine Wirkung zeigen. Die Risiken und Nebenwirkungen wären dagegen umso größer“, sagt Fröhlich. Eine Erleichterung der Refinanzierungsbedingungen für zu hoch verschuldete Staaten und Banken durch Niedrigzinsen sei nicht Aufgabe der EZB.

Unwägbare Risiken sehen die Genossenschaftsbanken, Sparkassen und Versicherer auch in dem Versuch, durch geldpolitische Maßnahmen den Wechselkurs zu beeinflussen. Das gehöre ohnehin nicht zu den Aufgaben der EZB.

Niedrigzinsen enteignen Sparer und reißen Lücken in die Altersvorsorge künftiger Rentner

Leidtragende der Politik der niedrigen Zinsen sind nach Auffassung der Verbandspräsidenten vor allem die Sparer. „Die anhaltende Niedrigzinspolitik beschädigt die dringend notwendige Altersvorsorge. Sie fördert Kapitalfehlleitungen, bepreist Risiken falsch und schafft gravierende Stabilitätsgefahren“, sagt DSGV-Präsident Georg Fahrenschon. Gerade die Menschen in Deutschland legten ihr Geld traditionell sicher an und litten daher besonders unter den Niedrigzinsen.

Die Verbände sehen mit Sorge, dass die Sparquote in Deutschland zurückgeht: „Die Menschen leben immer länger, doch die gesetzliche Rente leistet immer weniger. Deshalb muss gerade die junge und mittlere Generation vermehrt privat vorsorgen“, betont GDV-Präsident Alexander Erdland. Die lockere Geldpolitik setze gefährliche Fehlanreize: „Weniger Sparanstrengungen bei gleichzeitig niedrigen Zinsen reißen massive Lücken in der Altersversorgung künftiger Rentner“, warnt Erdland.

Rückkehr zum „geldpolitischen Normalmodus“ notwendig

Die drei Verbandspräsidenten fordern die EZB zu einer behutsamen Wende in der Geldpolitik auf – weg vom Krisen- und hin zum Normalmodus. Zwar sei es in Zeiten der Finanzkrise richtig gewesen, die geldpolitischen Schleusen zu öffnen. „Doch je weiter wir die akute Krise hinter uns lassen, desto dringender wird es, langsam die Weichen für die Rückkehr zu einem geldpolitischen Normalzustand zu stellen, statt die Geldpolitik weiter zu lockern“, erklären die Präsidenten.

GDV
 
Eine gemeinsame Pressemitteilung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) und des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
 

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Kreditinstitute und Versicherer fordern behutsame Wende in der Geldpolitik

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