02.06.2014
Ein Jahr nach der Flut

Naturgefahrenkonferenz der deutschen Versicherungswirtschaft 2014

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe ziehen hochrangige Experten aus Politik, Verbraucherschutz, Wasser- und Versicherungswirtschaft am 3. Juni 2014 in Berlin eine Zwischenbilanz. Im engen Austausch diskutieren sie, wie die Bevölkerung vor künftigen Katastrophen geschützt und abgesichert werden kann. Die Veranstaltung sei ein wichtiger Meilenstein im gesellschaftlichen Dialog über Naturgefahren, so das Fazit der Teilnehmer.

„Es ist fatal, sich in Sicherheit zu wiegen”, sagte Dr. Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Er verwies darauf, dass 85 Prozent der versicherten Hochwasserschäden des vergangenen Jahres in Gebieten weitab von Flüssen entstanden sind. Naturkatastrophen können jeden treffen. Und sie nehmen zu. Erdland forderte ein bundesweites Naturgefahrenportal mit flankierender Informationskampagne: „Nur wer das Risiko kennt, schützt sich.” Zu einer angemessenen Aufklärung gehöre auch, bewusst zu machen, dass sich die Menschen im Schadenfall nicht auf staatliche Leistungen verlassen können. Ebenso forderte der GDV-Präsident weitere Investitionen in einen länderübergreifenden Hochwasserschutz.

GDV

Pressemitteilung: Versicherungswirtschaft fordert breite Information der Bevölkerung

Bevölkerung aktiv über individuelles Naturgefahrenrisiko informieren
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GDV

Hochwasser 2013: Alle Zahlen im Überblick

Höhe und Verteilung der Schäden nach Bundesländern
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GDV

Schwerpunkt: Das Juni-Hochwasser 2013 – Ein Jahr danach

Einschätzungen und Hintergründe rund um das Hochwasser 2013
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„Staatliche Gelder sind in der Prävention besser angelegt als in Hilfsfonds”, betonte auch Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Er gab einen Zwischenstand zu den nach der Elbe-Flut 2002 gestarteten nationalen Hochwasser-Schutzmaßnahmen: Viele der beschlossenen Vorhaben seien noch nicht umgesetzt. So sind erst fünf Prozent der vorgesehenen Überflutungsflächen eingerichtet. Insbesondere mit der Landwirtschaft müsse der Dialog über eine duale Nutzung von Flächen als Polder und Ackerland intensiviert werden. Die Bundesregierung verstehe sich als Koordinator dieser Länderaufgaben und wolle vor allem eine schnellere Umsetzung des Hochwasserschutzes vorantreiben. Pronold sprach sich zudem für ein Verbot von Neubauten in den gefährdeten Überschwemmungsgebieten aus.

„Wir können nicht alle 4 bis 6 Jahre einen neuen Hilfsfonds errichten”

Wie sinnvoller Hochwasserschutz aussehen kann, zeigt das Beispiel Sachsen. Das Land hat nach der Elbeflut 2002 den Bau von Poldern und Deichen vorangetrieben und damit die Schäden des 2013er Hochwasser deutlich minimiert. „So konnten wir durch eine neue Hochwasserschutzmauer beispielsweise die Innenstadt von Dresden vor einer erneuten Flut bewahren”, so Dr. Fritz Jaeckel, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Auch Jaeckel sprach sich angesichts steigender Naturgefahren für ein stärkeres Risiko-Bewusstsein aus: „Wir können nicht alle vier bis sechs Jahre einen neuen staatlichen Hilfsfonds errichten”.

Einig sind sich Versicherungswirtschaft und Politik darin, dass die Folgen von Naturgefahren auch künftig versicherbar sein müssen. So werde die Versicherungswirtschaft den Vorschlag aus Sachsen zu einer sogenannten kombinierten Versicherung diskutieren: eine Gebäudeversicherung, die den Schutz vor allen Naturgefahren wie Hochwasser, Hagel, Sturm und Blitz enthält. Indes sprach sich GDV-Präsident Erdland gegen eine Pflichtversicherung aus, wie sie etwa Staatssekretär Pronold forderte. Diese entspräche nicht dem Solidarprinzip, sie verführe auch dazu, keinerlei Vorsorge mehr zu treffen.

Verbraucherschützer: Schutz vor Elementarschäden gehört zum Basisbedarf

„Damit kommen wir schnell in die Spirale, dass sich die Schäden erhöhen und damit die Versicherungsbeiträge steigen”. „Wer eine Pflichtversicherung fordert, muss dies auch an Bedingungen knüpfen”, stimmte ihm Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen zu. Eine Absicherung vor Elementarschäden sei aus Sicht der Verbraucherschützer ein Basisbedarf für jeden. Hilfsprogramme dürfe es dann nur noch für diejenigen geben, die keine eigene Prävention betreiben.
 

Auf dem Podium der Naturgefahrenkonferenz:

 

Dr. Alexander Erdland Dr. Alexander Erdland
Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft

„Wir müssen es schaffen, dass sich die Menschen mit der Gefahr von Überschwemmungen beschäftigen. Das Risiko ist nicht genügend bekannt, die eigene Betroffenheit wird unterschätzt. Nur jeder dritte Haushalt ist gegen Hochwasser versichert, dabei mangelt es nicht an Angeboten. Da Versicherungsschutz allein aber keine Schäden verhindert, gehören Versicherung und Prävention zum besten Schutz.“

Florian Pronold Florian Pronold
Parlamentarischer Staatssekretär Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

„Flüsse haben in der Vergangenheit zu viel Raum eingebüßt. Heute spüren wir deutlich die Konsequenzen. Um mit den Hochwasserrisiken umgehen zu können, müssen wir den Flüssen mehr Raum geben.“

Dr. Fritz Jaeckel Dr. Fritz Jaeckel
Staatssekretär Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

„Leider können Unwetterereignisse, wie Hochwasser, Starkregen oder ein Tornado, jederzeit wiederkehren und erheblichen Schaden verursachen. Umso wichtiger ist es, eine eigene, umfassende Vorsorge zu treffen. Das gilt für Bürger, Unternehmen und Kommunen gleichermaßen. Der Staat kann dagegen nur in Ausnahmefällen – bei nicht Versicherbaren – einspringen, so dass keiner in seiner Existenz bedroht wird.“

Weitere Referenten der Naturgefahrenkonferenz 2014:

GDV

Lars Gatschke
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
GDV
Lothar Nordmeyer
Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA)
GDV

Reinhard Vogt
HochwasserKompetenzCentrum Köln (HKC)
GDV

Dr. Paul Becker
Vizepräsident Deutscher Wetterdienst (DWD)

Downloads

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Programm

Naturgefahrenkonferenz 2014

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Präsentation von Dr. Paul Becker

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Präsentation von Reinhard Vogt

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Präsentation von Lothar Nordmeyer

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Naturgefahrenkonferenz 2014

Positionen, Ansätze, Erkenntnisse

Zusammenfassung

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