13.06.2014
Interview

Die psychischen Folgen eines Einbruches

Neben den materiellen Schäden nach einem Einbruch, haben Einbruchsopfer häufig mit psychischen Problemen zu kämpfen, wenn jemand Fremdes in ihre Privatsphäre eingedrungen ist. Peter Liebermann, Spezialist für die Psychotraumatherapie hat mit GDV.DE über die psychischen Folgen eines Einbruchs gesprochen.

Herr Liebermann, mit welchen Problemen haben Einbruchsopfer häufig zu kämpfen?
Peter Liebermann: Es kommt erstmal zum Schockzustand, da der Wohnungseinbruch natürlich auch einen Einbruch in die Privatsphäre darstellt. Der Gedanke, dass man eigentlich geschützt ist und nichts passieren kann, löst sich durch die Realität auf. Durch das Durchwühlen des Privaten fühlen sich Menschen häufig auch beschmutzt, empfinden Ekel. Die Betroffenen werden ängstlicher, unsicher und schämen sich gleichzeitig auch für das, was da passiert ist. Sie denken, sie hätten den Einbruch durch Maßnahmen verhindern können. Leider werden sie darin auch durch unzureichend informierte Menschen aus dem sozialen Umfeld noch drin bestärkt. Aus meiner Erfahrung heraus: Wer reinkommen will, kommt auch rein. Bei mir ist selbst zweimal eingebrochen worden.

Ist es eher die Ausnahme oder die Regel, dass Opfer eines Einbruchs psychische Probleme haben?
Liebermann: Häufig entsteht zunächst ein Schockzustand, der nach kurzer Zeit wieder abklingen kann. Hilfreich zur Verarbeitung ist die Erfahrung von Unterstützung, sich beruhigen können und die Einsicht, dass man nichts hat machen können, um den Einbruch zu verhindern. Dann kann man recht schnell zur Tagesordnung übergehen. Genauso können Menschen aber, die merken, sie können sich objektiv nicht schützen, sich in ihren Ängsten bestätigt sehen und diese dadurch intensiviert werden. Wir wissen aus Untersuchungen, dass lediglich 15-20 Prozent der Betroffenen längerfristig Beschwerden entwickeln.

Wie lange können die Folgen eines Einbruchs spürbar sein?
Liebermann: Das kann natürlich Wochen oder auch Monate anhalten. Menschen neigen dazu, zu hoffen, dass es von alleine besser wird. Manchmal erledigt sich das aber nicht von allein und dann gibt es eine Grenze spätestens nach einer Woche, an der es gut ist, wenn man sich Hilfe sucht.

GDV

Bilanz: 150.000 versicherte Wohnungseinbrüche gab es 2013

alle Zahlen auf einen Blick

Woran merke ich, dass ich alleine nicht mit der Einbruchsbewältigung fertig werde?
Liebermann: Wenn Betroffene nach einer Woche immer noch schlecht schlafen, Alpträume anhalten oder sich ständig Sorgen machen oder Ängste intensiver werden. Wenn keine Verbesserung bei sich wahrzunehmen ist, wäre das für mich ein Grund professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hierbei muss es nicht direkt um Therapie gehen, aber eine diagnostische Einschätzung ist sinnvoll.

Haben Sie Ratschläge und Tipps, wie Betroffene das Geschehene verarbeiten können?
Liebermann: Betroffene sollten im privaten Umfeld aktive Unterstützung suchen und über das Erlebte und ihre Ängste sprechen. Darüber hinaus sollte man alles, was einem gut tut, machen: Hobbys pflegen oder Sport. Hilfreich sind auch Atemübungen, in denen darauf geachtet wird, dass die Ausatemphase genauso lange ist wie die Einatemphase. Dies aktiviert unser Selbstberuhigungssystem. Genauso kann helfen, sich an Momente zu erinnern, an denen es einem gut gegangen ist, z.B. der letzte Urlaub.

Zur Person

Peter Liebermann
Peter Liebermann, geboren 1955, ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und EMDR-Therapeut in Leverkusen. Sein Spezialgebiet ist die Psychotraumatherapie. Als stellvertretender Leiter der AG Akuttrauma der „Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie” (DeGPT) beschäftigt er sich mit den frühen Reaktionen auf traumatische Lebensereignisse und mit therapeutischen Interventionen.