12.05.2014
Fußball WM in Brasilien

WM-Verschiebung kann Fifa-Versicherer Millionen kosten

Am 12. Juni startet die Fußball-WM in Brasilien mit dem Auftaktspiel Brasilien gegen Kroatien. Die Organisatoren rechnen auch diesmal mit neuen Zuschauerrekorden. Die letzte WM 2010 in Südafrika haben immerhin mehr als 3,2 Milliarden Menschen – das entspricht rechnerisch fast der Hälfte der Weltbevölkerung – verfolgt, durchschnittlich hatte jedes Spiel rund 188 Millionen Zuschauer.

Was für die Fans Unterhaltung pur ist, ist für die Veranstalter eine knallharte wirtschaftliche Unternehmung – mit den entsprechenden Risiken. Brasilien hat insgesamt umgerechnet rund 10,5 Euro Milliarden in die WM investiert: Für den Um- beziehungsweise Neubau der zwölf Stadien, der Flughäfen, der innerstädtischen Infrastruktur, der Telekommunikation, für Hotels und den Sicherheitsbereich. Allein die Stadionbauten haben mindestens 2,53 Milliarden Euro verschlungen. Mehr als die Hälfte der Kosten trug das Land, die restlichen Aufwendungen teilten sich die WM-Städte und private Investoren. Natürlich haben sich öffentliche und private Investoren geschützt – ohne umfassende Bau-, Haftpflicht- und andere Versicherungen wäre wohl keines der Projekte zustande gekommen.

Versicherungsbedarf von rund 5 Milliarden Euro

Ein sportliches Großereignis wie ein WM würde heutzutage ohne Versicherungen nicht mehr stattfinden können: Für Brasilien liegen zwar noch keine Zahlen vor, doch ein Blick auf die WM in WM 2010 in Südafrika verdeutlicht die Größenordnung: Damals hatten beispielsweise rund 130 Fernsehsender schätzungsweise rund 3 Milliarden Dollar für die Übertragungsrechte gezahlt. Der Wegfall der werbeträchtigen Fernsehübertragungen stellt das größte Risiko für den Veranstalter dar. Um mögliche Verluste beispielsweise durch Stromausfall, Satelliten- oder Übertragungsfehler bezahlen zu können, werden solche Risiken versichert. Auch Sponsoren, Reiseveranstalter, Fluggesellschaften oder Fanartikelhersteller wollen sich gegen das Risiko versichern, dass die WM ausfällt. Für die WM in Südafrika lag der Versicherungsbedarf damals bei rund 5 Milliarden Euro. So hoch wäre der finanzielle Schaden gewesen, wenn die WM komplett ausgefallen wäre.


 


 

Auch Verschiebungen gehen ins Geld

Um auch 2014 das Risiko zumindest finanziell in den Griff zu bekommen, hat sich die Fifa für den Fall einer zeitlichen oder örtlichen Verlegung der WM mit 900 Millionen Dollar versichert. Gezahlt wird, wenn Spiele etwa wegen Terroranschlägen, Epidemien oder Naturkatastrophen abgesagt oder verschoben werden müssten. Bei einer Fußball-WM ist dies glücklicherweise noch nicht passiert. Doch bei der Rugby-WM 2011 in Neuseeland gab es das verheerende Erdbeben in Christchurch. Die Versicherer übernahmen damals die zusätzlichen Kosten, die bei der Durchführung des Wettbewerbs in anderen Städten entstanden ist.

Was die Tickets kosten

Rund drei Millionen Tickets hat die Fifa verkauft. In der Platzkategorie 1 kostet ein Einzelticket 495 US-Dollar für das Eröffnungsspiel, für das Finale muss man 990 US-Dollar hinblättern. Die „Teilnahme“ an einem Gruppenspiel kostete 175 US-Dollar. Diese Preise gelten für internationale Gäste. Für Einwohner Brasiliens standen die günstigsten Tickets als Sonderkontingente zur Verfügung, Studenten, Senioren und Bolsa-Familia-Mitglieder bekamen weitere 50 Prozent Rabatt.

Als „Brutto-Stadion-Kapazität“ hat die Fifa 3.720.225 Plätze angegeben, knapp 90 Prozent davon sind Sitzplätze. Verkäuflich waren etwa 3 Millionen Tickets. Unverkäuflich hingegen waren beispielsweise die rund 42.000 VIP-Tickets, etwa 72.000 Karten für Medienvertreter sowie cirka 232.000 unentgeltliche Tickets zum Beispiel für Begleitpersonen körperbehinderter Stadionbesucher, Team-Delegationen, für medizinisches oder technisches Personal und andere.

Preisgelder

Der Weltmeister 2014 bekommt ein Preisgeld von 35 Millionen US-Dollar, der Vizeweltmeister 25 Millionen. Die WM-Dritten und –Vierten erhalten 22 beziehungsweise 20 Millionen US-Dollar. Den Verlierern des Viertel- bzw. Achtelfinals werden je 14 bzw. 9 Millionen überwiesen. Mannschaften, die nach den Gruppenspielen bereits fertig sind, bekommen je 8 Millionen. Unabhängig davon haben die 32 qualifizierten Teams je 1,5 Millionen US-Dollar für die Vorbereitung erhalten. An die Klubs, die Nationalspieler für die WM abstellen, flossen zusätzliche 70 Millionen US-Dollar.