28.05.2014
Lebensversicherung

5 Fakten zum Höchstrechnungszins

Der Gesetzentwurf zur Absicherung stabiler und fairer Leistungen für Lebensversicherte sieht unter anderem vor, den Höchstrechnungszins zum 01.01.2015 für Neuverträge von derzeit 1,75 auf dann 1,25 Prozent zu senken. Was ist der Höchstrechnungszins? Und was würde eine Absenkung für die Kunden bedeuten?

1. Was ist der Höchstrechnungszins?

Der Höchstrechnungszins wird umgangssprachlich oft Garantiezins genannt. Er gilt bei klassischen Lebensversicherungsprodukten wie Kapitallebens- oder Rentenversicherungen, also nicht für Fondspolicen. Es handelt sich um den Zinssatz, den Versicherungsunternehmen ihren Kunden maximal auf den Sparanteil im Beitrag zusagen dürfen. Denn die Lebensversicherer garantieren ihren Kunden von Vertragsbeginn an eine bestimmte Verzinsung auf den Sparanteil („Höchstrechnungszins“ bzw. „Garantiezins“).

2. Für welche Verträge wirkt sich die Senkung aus?

Eine Absenkung des Garantiezinses betrifft nur die Lebensversicherungsverträge, die ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens neu abgeschlossen werden. Für Bestandskunden ändert sich nichts. Für sie gelten weiterhin die garantierten Leistungen ihres bestehenden Vertrages.

3. Was bedeutet das für Neukunden einer Lebensversicherung? Lohnt sich ein Abschluss noch?

Wird der Höchstrechnungszins gesenkt, fällt die garantierte Leistung für künftige Kunden niedriger aus. Allerdings ist der Höchstrechnungszins nur eine Komponente der Gesamtverzinsung einer Lebensversicherung: Hinzu kommen laufende Überschüsse (z.B. Direktgutschrift und laufende Zinsgutschrift) sowie Schlussüberschüsse.

Aufgrund des Gleichbehandlungsprinzips in der Lebensversicherung wird ein niedriger Garantiezins durch höhere Überschüsse ausgeglichen. Das heißt, auch Kunden mit einem niedrigeren Garantiezins haben die vollen Renditechancen. Laut Assekurata liegen die laufende Verzinsung aktuell bei 3,53 Prozent und die durchschnittliche Gesamtverzinsung der Lebensversicherung bei 4,04 Prozent.

Die Lebensversicherung bleibt auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.


4. Wer legt den Höchstrechnungszins fest und wie wird das gemacht?

Die Entscheidung, ob und wenn ja wie weit der Höchstrechnungszins abgesenkt wird, trifft das Bundesministerium der Finanzen (BMF) durch Änderung der Deckungsrückstellungsverordnung (DeckRV). Dazu geben die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) und die BaFin gegenüber dem BMF jährlich und unabhängig voneinander Empfehlungen zum Höchstrechnungszins ab. Das BMF entscheidet dann darüber, ob der aktuelle Höchstrechnungszins beibehalten wird oder nicht.

Die Datengrundlage für die Ermittlung eines neuen Höchstrechnungszinses bilden die Renditen 10-jähriger (europäischer) Anleihen der öffentlichen Hand. Der zulässige Höchstrechnungszins darf nach § 65 (1) VAG nicht höher sein als 60 Prozent davon.

5. Wie wirkt sich eine Absenkung des Höchstrechnungszinses auf die Risikotragfähigkeit der Unternehmen aus?

Eine Absenkung des Garantiezinses würde nur die Lebensversicherungsverträge betreffen, die ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens neu abgeschlossen werden. Die Zinsversprechen gegenüber Bestandskunden wären dagegen nicht betroffen.

Deshalb wirkt sich eine Absenkung des Höchstrechnungszinses nur langsam auf die Risikotragfähigkeit der Lebensversicherer aus. Der durchschnittliche Rechnungszins im Bestand lag 2013 bei 3,08 Prozent.