27.04.2014
Europawahl 2014

Solvency II zügig und mit Augenmaß umsetzen

Das Solvency II-Projekt wird die Versicherungslandschaft mehr verändern als jedes andere der jüngsten Reformvorhaben. Das Solvency II-Rahmenwerk steht nun fest. Jetzt gilt es, die konkrete Ausgestaltung des Regelwerks voranzutreiben. Eine zügige Finalisierung ist wichtig. Dies würde bestehende Unsicherheiten beseitigen und die effiziente und fristgerechte Umsetzung für die Unternehmen ermöglichen. Das geplante Inkrafttreten für das Jahr 2016 bleibt ambitioniert. Die Ausgestaltung der weiteren Spezifikationen muss sich am Aufsichtszweck orientieren.

Dazu vertritt der GDV folgende Positionen:

GDVAuf eine Kredit- und Basis-Risikoadjustierung der Zinsstrukturkurve verzichten
Die Zinsstrukturkurve basiert auf Marktdaten (Swaps). Sie wird durch einen Faktor angepasst, der das Kredit- und Basis-Risiko abbilden soll. Diese Anpassung ist arbiträr und führt zu Abweichungen der bilanziellen Darstellung zwischen Aktiv- und Passivseite. Zudem wird auch das Basiskonzept der Kurve weniger nachvollziehbar. Auf diese Anpassung sollte verzichtet werden.

GDVEntscheidungen zu langfristigen Garantien bestätigen
Die Maßnahmen zur Sicherung langfristiger Garantien wurden kontrovers diskutiert. In der weiteren Ausgestaltung der delegierten Rechtsakte sollte der schließlich gefundene Omnibus II-Kompromiss konsequent abgebildet werden. Dies betrifft insbesondere eine konkrete Formel für das Volatility Adjustment. So sollten z. B. für die Fortschreibung (Extrapolation) der Zinsstrukturkurve lediglich Marktdaten bis zum zwanzigsten Jahr verwendet werden.


 
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GDVProportionalität mit Leben füllen
Um zu verhindern, dass kleine und mittlere Unternehmen sowie Versicherer mit einfachem Risikoprofil durch das neue Regelwerk unangemessen belastet werden, bedarf es einer konsequenten Umsetzung der Prinzipien der Proportionalität und Materialität. Dies betrifft insbesondere die Berichtsanforderungen, die Governance-Anforderungen und die unternehmenseigene Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung (ORS A). Hier bedarf es gravierender Vereinfachung auf Level 2.

GDVAngemessene Bestimmung der Eigenkapitalanforderungen
Für die Bestimmung der Eigenkapitalanforderungen sind die Risikomodule der Standardformel entscheidend. Es ist daher wichtig, dass diese angemessen ausgestaltet werden. Die finanzielle Situation und die Risiken der Versicherer sollen richtig abgebildet und Fehlsteuerungen in der Anlagepolitik vermieden werden. Aktuell ist dies nicht der Fall. Eine Überarbeitung der Risikomodule ist zwingend notwendig. Das gilt insbesondere für das Marktrisikomodul und die Kalibrierung des Katastrophenrisikomoduls.

GDVOrganisation der Governance-Funktionen praktikabel gestalten
Im Sinne der Organisationsfreiheit sollte es allen Unternehmen gleichermaßen möglich sein, die Governance-Funktionen zu koppeln, soweit dies dem Risikoprofil des Unternehmens angemessen ist und die ordnungsgemäße Aufgabenerfüllung nicht beeinträchtigt wird. Auch die Übertragung von Funktionen auf den Vorstand sollte möglich sein.

GDVInteressierte Kreise weiterhin lückenlos konsultieren
Die noch zu finalisierenden delegierten Rechtsakte und Durchführungsrechtsakte beinhalten viele technische Details, die eine große Relevanz für die praktische Umsetzung des Regelwerks haben. Um eine dem Versicherungsgeschäft adäquate Ausgestaltung sicherzustellen, sind weiterhin die relevanten Stakeholder zu konsultieren.

GDVBefugnisse der Aufsichtsbehörden müssen klarer definiert werden
Bei der Ausgestaltung der nachgelagerten Rechtsakte ist es wichtig, dass die Europäische Aufsichtsbehörde für Versicherungen (EIOPA) als unabhängige Expertenbehörde effektiv und transparent in den Gesetzgebungsprozess eingebunden wird. Deshalb ist es wichtig, dass die Befugnisse der Aufsichtsbehörden noch klarer definiert und abgegrenzt werden.

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