15.04.2014
Studie "Zukunft der Altersvorsorge"

Rentenpaket ignoriert demografische Herausforderung – Plädoyer für rentenpolitischen Realismus

Durch die Rentenpolitik der großen Koalition werden die Beitragssätze in der gesetzlichen Rentenversicherung in den nächsten Jahrzehnten steigen. Gleichzeitig geht das Rentenniveau noch stärker als bislang erwartet zurück. Ohne eine stärkere Verbreitung der betrieblichen und privaten Altersversorgung kann eine lebensstandardsichernde Altersversorgung für das Gros der Bevölkerung nicht sichergestellt werden.

Zu diesem Schluss kommt die Studie „Die Zukunft der Altersvorsorge vor dem Hintergrund von Bevölkerungsalterung und Kapitalmarktentwicklungen“ des Handelsblatt Research Institute (HRI) und der Prognos AG im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), die heute in Berlin vorgestellt wird. Sie spannt den Bogen in der gesetzlichen Rentenversicherung bis 2050 und reicht damit deutlich weiter als viele andere Untersuchungen, die bereits 2030 enden.

„Als Folge der beschlossenen Mütterrente und der abschlagsfreien Rente ab 63 dürfte der Rentenbeitrag bis 2030 auf 22,7 Prozent von derzeit 18,9 Prozent steigen, während das Sicherungsniveau um bis zu 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfällt als ohne diese Maßnahmen“, sagt Prognos-Chefökonom Michael Böhmer. Nach Überzeugung der Verfasser setzt die Bundesregierung mit diesem rentenpolitischen Kurs ein falsches Signal: Das derzeitige demografische Zwischenhoch werde für langfristige Leistungsausweitungen missbraucht.

Entwicklung des Beitragssatzes zur Rentenversicherung bis 2050
Entwicklung des Beitragssatzes zur Rentenversicherung bis 2050

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Entwicklung des Sicherungsniveaus vor Steuern bis 2050
Bewertungsreserven sind Scheinreserven

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„Deutschland steht an einem Wendepunkt. Denn die Anzahl der Beschäftigten und das Arbeitsvolumen werden bald von Jahr zu Jahr zurückgehen. Das aktuelle Rentenpaket der großen Koalition missachtet die daraus resultierenden Herausforderungen: Eine im Trend ansteigende Rentenbezugsdauer für eine wachsende Anzahl von Rentnern lässt sich bei einer rückläufigen Erwerbstätigenzahl nur mit einem schrittweisen Anheben der Lebensarbeitszeit finanzieren – es sei denn, man ist bereit, Wachstumseinbußen und deutliche Beitragssatzanhebungen hinzunehmen“, so Bert Rürup, Präsident des HRI.

Als notwendig und richtig bezeichnet das HRI/Prognos-Gutachten die seit 2001 umgesetzten Rentenreformen. Ein Zurückdrehen dieser Maßnahmen wäre aus Sicht der Verfasser grundlegend falsch. „Dadurch würden Versorgungsillusionen genährt, die sich in den kritischen Jahren ab 2030 als trügerisch erweisen würden“, erklärt Rürup. Ohne diese Reformen würde der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung bis 2050 auf fast 30 Prozent steigen. „Außerdem müsste der Bundeszuschuss aus Steuermitteln deutlich angehoben werden“, sagt Rürup.

Mehr-Säulen-Modell war und bleibt richtig
Vor diesem Hintergrund lautet die zentrale Erkenntnis der Studie: Der Umbau der Alterssicherung in Deutschland zu einem Mehr-Säulen-Modell aus umlage- und kapitalfinanzierter Vorsorge war und bleibt richtig. „Denn nur bei dieser Mischung wird auf alle Quellen des Volkseinkommens zugegriffen“, macht Böhmer deutlich. An diesem Befund ändere auch die Niedrigzinsphase nichts.

GDV-Präsident Alexander Erdland plädiert dafür, die Chancen und Risiken der unterschiedlichen Säulen nüchtern abzuwägen: „Für jede gute Kapitalanlage wird empfohlen, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Dasselbe gilt für das Rentensystem insgesamt: Ein Mischsystem aus Umlagefinanzierung und Kapitaldeckung erhöht die Stabilität und das Renditepotential.“

Ihre Gesprächspartner

GDV

Dr. Alexander Erdland
Präsident des GDV
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Prof. Dr. Dr. h.c. Bert Rürup, Präsident
Handelsblatt Research Institute
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GDV

Dr. Michael Böhmer, Chefökonom
Prognos AG

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Download der Studie

Die Zukunft der Altersvorsorge vor dem Hintergrund der Bevölkerungsalterung und Kapitalmarktentwicklung

Eine gemeinsame Studie von Handelsblatt Research Institute (HRI) und Prognos im Auftrag des GDV

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