17.04.2014
Zahlen und Fakten

Gute Gründe für eine zügige Neuregelung

Die Beteiligung auslaufender und gekündigter Versicherungsverträge an Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere muss nach der Regierungsbildung zügig neu geregelt werden. Es geht darum, die fehlerhafte Regulierung der VVG-Reform aus dem Jahr 2008 zu korrigieren. Dafür gibt es gute Gründe:

  1. Die aktuelle Rechtslage erweist sich im aktuellen Marktumfeld als ökonomisch unsinnig:
    Die aktuelle Rechtslage führt dazu, dass Versicherer in Zeiten historisch niedriger Zinsen und insgesamt sinkender Kapitalerträge Sonderausschüttungen in nie dagewesener Höhe tätigen müssen. Die Lebensversicherer haben 2013 jeden Monat geschätzt knapp 300 Millionen Euro an Bewertungsreserven ausgeschüttet – rund 80 Prozent mehr als noch 2011. Den Löwenanteil der ausgeschütteten Mittel (über 80 Prozent) machten die Bewertungsreserven auf festverzinsliche Papiere aus. Dadurch verlieren sie Monat für Monat Substanz, die gebraucht wird, um alle Versicherten gut durch die Niedrigzinsphase zu bringen.
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    Lebensversicherer schütteten 2013 jeden Monat knapp 300 Millionen Euro an Bewertungsreserven aus

  3. Von einer Änderung der Bewertungsreservenbeteiligung würden die Kunden großer und kleiner Versicherer gleichermaßen profitieren:
    Eine repräsentative Erhebung des GDV zeigt zwar, dass die befragten Lebensversicherer, die rund 97 Prozent aller Kapitalanlagen halten, auch über weit mehr als 90 Prozent der absoluten Bewertungsreserven verfügen (Stand: 31.12.2013). Die Schlussfolgerung, dass Unternehmen mit hohen absoluten Bewertungsreserven auch am meisten von einer Änderung der aktuellen gesetzlichen Regelung profitieren würden, ist jedoch falsch.

    Hat ein Versicherer viel Geld vorwiegend in festverzinslichen Papieren angelegt, entstehen auf diese Kapitalanlagen im aktuellen Zinstief natürlich auch hohe absolute Bewertungsreserven. Die Bewertungsreservenquote, also die absolute Bewertungsreserve in Relation zu den jeweiligen Kapitalanlagen, bewegt sich aber bei allen Unternehmen in einer ähnlichen Größenordnung. Die Faustformel „je größer das Unternehmen, desto höher die Bewertungsreservenquote“ gilt nicht. Ebenso wenig lässt sich anhand der GDV-Zahlen belegen, dass kleine Unternehmen nur wenige oder keine Bewertungsreserven hätten. Stattdessen gilt: Kleinere Unternehmen und ihre Kunden sind von der aktuellen Bewertungsreserven-Problematik genauso betroffen wie große.

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  5. Bei der Realisierung von Bewertungsreserven werden Zinsen vorgezogen, die der Versichertengemeinschaft in Zukunft fehlen:
    2013 sind die Kapitalanlageergebnisse der Lebensversicherer trotz sinkender Zinsen paradoxerweise weiter gestiegen (2013 = ca. 4,7 Prozent, 2012 = 4,6 Prozent, 2011 = 4,1 Prozent). Das wäre nicht möglich gewesen ohne den Verkauf höherverzinslicher Papiere, deren Erträge der Versichertengemeinschaft in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen. Nebenwirkung: Die 5 Prozent jährlich abgehenden Kunden haben 2013 mehr an Bewertungsreserven bekommen als das, was die 95 Prozent verbleibenden Kunden an laufenden Überschüssen erhielten.
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  7. Die bisherige Regelung führt bei den Kunden zu völlig willkürlichen Ergebnissen.
    Grund für die willkürlichen Ergebnisse sind die extremen Schwankungen der Bewertungsreserven. Von Anfang 2011 bis Ende 2012 sind die Bewertungsreserven auf festverzinsliche Papiere auf das 30-fache angestiegen. Durch eine kurzzeitige Renditeerholung haben sich zwischen Ende des ersten und zweiten Quartals 2013 Bewertungsreserven in Höhe von rund 15 Milliarden Euro „verflüchtigt“ – ohne dass sich an der Substanz der Kapitalanlage Wesentliches geändert hätte.

 

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