31.03.2014
Fragen & Antworten

Bewertungsreserven – was Kunden von Lebensversicherungen jetzt wissen sollten

Die Bundesregierung sucht aktuell nach Lösungen, wie zukünftig Kunden von Lebensversicherungen an den Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere beteiligt werden sollen. Was diese Kunden jetzt beachten sollten und warum die meisten von einer Neuregelung der Beteiligung profitieren würden: Das klären die fünf wichtigsten Fragen und Antworten.

1. Was sind Bewertungsreserven eigentlich?
Bewertungsreserven entstehen, wenn der Marktwert eines Wertpapiers über dem ursprünglichen Kaufpreis liegt. Das ist bei festverzinslichen Papieren – zum Beispiel Staatsanleihen – der Fall, wenn die Zinsen sinken. Papiere mit höherem Zins, die die Versicherer schon vor ein paar Jahren gekauft haben, steigen dann im Wert.

Seitdem die Zinsen auf historische Tiefstwerte gefallen sind, haben sich auf die festverzinslichen Wertpapiere der Lebensversicherer hohe Bewertungsreserven gebildet. Der Wertzuwachs jedes festverzinslichen Papiers ist jedoch vorübergehend – anders als bei Aktien oder Immobilien, wo er von Dauer sein kann. Je näher der Zeitpunkt rückt, zu dem ein festverzinsliches Papier fällig wird, desto stärker geht sein Wert auf das Ausgangsniveau zurück: Die Bewertungsreserven sind am Ende der Laufzeit immer gleich Null. Wenn Versicherer solche Papiere also wie üblich bis zum Ende der Laufzeit halten, bekommen sie aus Bewertungsreserven keine zusätzlichen Erträge.

2. Was bedeutet eine Neuregelung der Bewertungsreservenbeteiligung für die einzelnen Kunden?
Konkret würden 95 Prozent der Kunden, die eine noch länger laufende Lebensversicherung haben, von einer Neuregelung profitieren. Denn die Lebensversicherer wären nicht mehr gezwungen, hoch verzinste Papiere vorzeitig zu verkaufen – um nur auf dem Papier bestehende Buchgewinne an die jetzt ausscheidenden Lebensversicherungskunden hälftig auszuzahlen. Der Versichertengemeinschaft gingen so keine für die Zukunft eingeplanten Mittel verloren.

Die heutige Regelung hingegen ist für die Mehrheit der Versicherten ungerecht. Die hohen Sonderausschüttungen, die an die jetzt abgehenden Verträge ausgeschüttet werden müssen, schwächen die Substanz für die Kunden, deren Verträge noch weiterlaufen. Sie zahlen dafür in den kommenden Jahren den Preis einer niedrigeren Verzinsung.

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Mathias Zunk
Versicherungsexperte beim Verbraucherservice des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft

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Kommt kein neues Gesetz, nützt das nur wenigen Kunden. Das Nachsehen hat die große Mehrheit der Versicherten, die in der Zukunft weniger Leistungen aus ihrer Lebensversicherung erhalten werden.

Bei der Neuregelung geht es aber nicht darum, die Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven insgesamt abzuschaffen, sondern ausschließlich um eine Änderung bei festverzinslichen Papieren. Die veränderte Regelung soll nur so lange gelten, wie das künstliche Niedrigzinsumfeld anhält. Nicht in der Diskussion sind Änderungen bei Bewertungsreserven aus Aktien und Immobilien.

3. Macht die Kündigung eines Vertrages jetzt Sinn?
Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Denn eine Kündigung ist immer auch mit Nachteilen verbunden. Dem Versicherten entgehen beispielsweise die Schlussüberschüsse, die Versicherer nur an Verträge ausschütten, die bis zum Ende laufen. Auch die Frage, ob das Geld im aktuellen Marktumfeld zu ähnlich attraktiven Konditionen wieder neu angelegt werden kann, sollte in die Entscheidung einfließen. Die im Moment sehr niedrigen Zinsen dürften eine attraktive Wiederanlage eher erschweren. Außerdem ist die Höhe der Bewertungsreserven in den Unternehmen unterschiedlich hoch, je nach Ausrichtung der Anlagepolitik.


 
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4. Wo bekomme ich Auskunft über den Stand meiner Versicherung?
Wer sich an seinen Versicherer wendet, kann sich sagen lassen, wie viel Geld bei einer Kündigung fließt und wie hoch die Bewertungsreserven sind. Der Versicherer kann aber nur sagen, wie der aktuelle Stand der Bewertungsreserven ist. Die tatsächliche Höhe bei Vertragsende kann davon abweichen, da die Höhe der Bewertungsreserven volatil ist; sie hängt unter anderem von den Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) ab.

5. Kommt eine Änderung der Bewertungsreservenbeteiligung den Unternehmen und Aktionären zu Gute?
Von einer Anpassung der Bewertungsreservenbeteiligung profitiert ausschließlich die Versichertengemeinschaft. Mit anderen Worten: Die durch eine Modifikation der Regelung bewahrten Mittel stehen ausschließlich der Gesamtheit der Versicherten zur Verfügung. Den Versicherungsunternehmen bzw. Aktionären selbst käme aus den Neuregelungen kein Euro zugute.

Ziel einer Anpassung der aktuellen Regelung ist ein fairer Interessenausgleich zwischen den ausscheidenden und im Bestand verbleibenden Versicherungsnehmern. Sie soll die langfristige Erfüllbarkeit der Garantiezusagen sicherstellen.

Bewertungsreserven in Zahlen

Fast 300 Millionen Euro an Bewertungsreserven haben die Versicherer im Jahr 2013 pro Monat ausgeschüttet – rund 80 Prozent mehr als 2011.

Davon entfiel der Löwenanteil (über 80 Prozent) auf festverzinsliche Wertpapiere.

Von den aktuell hohen Bewertungsreserven profitieren jährlich die 5 Prozent der Kunden, deren Verträge enden; 95 Prozent der Kunden gehen leer aus.

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