06.02.2014
AssekuranzAgenda

Vertriebsregulierung – One size does not fit all

Die EU stellt aktuell die Weichen für die Zukunft des Versicherungsvertriebs. Mit der Novellierung der Richtlinie über Versicherungsvermittlung (IMD2), der Finanzmarkt-Richtlinie (MiFID2) und der Verordnung über Basisinformationsblätter (PRIPs) werden in gleich drei unterschiedlichen Regelwerken parallel Anforderungen für die Vermittlung von Versicherungsprodukten aufgestellt.

Die IMD2 enthält umfangreiche Transparenzvorschriften sowie neue Regeln zur Vermeidung und zum Umgang mit Interessenskonflikten für Versicherungsunternehmen und -vermittler. Sie stellt ferner hohe Anforderungen an die Qualifikation von selbständigen und angestellten Versicherungsvermittlern.

In kontroversen Beratungen hat der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments (ECON) Kompromisse erarbeitet und angenommen. Ausdrücklich begrüßt die Branche den Verzicht auf ein generelles Provisionsannahmeverbot, weil damit das Nebeneinander von Provisionsvertrieb und Honorarberatung weiterhin gesichert ist. Die Mitgliedstaaten sollen stattdessen weitergehende Regelungen treffen oder solche beibehalten können. Der Ausschuss übernimmt damit das Konzept „Mitgliedstaaten-Option“, das für Versicherungsanlageprodukte in der MiFID2 vereinbart worden ist.

AssekuranzAgenda

Der Artikel erschien in der aktuellen Ausgabe der AssekuranzAgenda (Heft 37/ Dez. 2013 – Jan. 2014), dem Magazin des GDV mit aktuellen Meldungen aus der EU-Versicherungspolitik.

Weitere Meldungen der aktuellen Ausgabe:

  • PRIPs-Verordnung: EP-Plenum stellt Weichen für Trilogstart
  • EFRAG-Neuaufstellung
  • Solvency II: Eigenmittelanforderungen
  • Beginn des PRIPs-Trilogs
  • EbAV: Risiken absichern
  • Mobilitäts-RL: Trilog-Einigung
  • SEPA: Fristverlängerung
  • eCall: Anhaltende Diskussionen
  • Wohnimmobilienkreditvermittlung
  • Klin. Prüfungen: Trilog-Einigung
  • Pauschalreisen
  • Griechische Ratspräsidentschaft
  • GDV: Broschüre Europawahl 2014

 
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„Quantitative Elemente” würden Rechtsunsicherheit schaffen
Als kritisch bewertet der GDV hingegen den Vorschlag, die Informationspflichten der Vermittler über deren Vergütung um „quantitative Elemente“ zu erweitern. Denn welche das sein sollen, bleibt offen, was für die Unternehmen und die Vermittler mit erheblicher Rechtsunsicherheit verbunden wäre.

Die europäische Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA soll zur Konkretisierung dieses unbestimmten Begriffs Leitlinien erarbeiten und regelmäßig weiterentwickeln. Rat und Parlament dürfen sich hier jedoch nicht ihrer Verantwortung als Gesetzgeber entziehen, indem sie die Exekutive damit beauftragen, politisch umstrittene Konkretisierungen vorzunehmen.

Offenlegung der Gesamtkostenquote ist beste Lösung
Aus Sicht der deutschen Versicherungswirtschaft ist die Offenlegung der Gesamtkostenquote weiterhin die beste Lösung. Denn um Versicherungsprodukte miteinander vergleichen zu können, müssen Kunden die gesamten Kosten kennen, nicht nur die Abschlusskosten. Letztere weisen die Lebens- und Krankenversicherer in Deutschland bereits seit 2008 in Euro und Cent aus. Die Provision macht jedoch nur einen Teil davon aus, weshalb ein seriöser Produktvergleich nur auf Basis der Vermittlervergütung nicht möglich ist.

Vielmehr könnte dies auch zu dem Fehlschluss verleiten, die Qualität von Versicherungsprodukt und Beratung sei allein von der Provisionshöhe abhängig. Daher ist eine Gesamtkostenquote deutlich besser geeignet, Produkte zu vergleichen, da sie alle eingerechneten Kosten einbezieht, d. h. neben den laufenden Kosten auch die Abschlusskosten sowie bei fondsgebundenen Produkten auch die Fondskosten.

Weiterhin im Raum steht ein Abgleich der gefundenen IMD2-Kompromisse zum Vertrieb von Versicherungsanlage-Produkten mit den entsprechenden Regelungen für Bankprodukte in der MiFID2. Ein „level playing field“ kann die deutsche Versicherungswirtschaft nur unterstützen. Allerdings müssen die Vertriebsvorschriften die Besonderheiten der Produkte und der Vertriebswege berücksichtigen.

Dopplungen vermeiden
Weiterhin sind Doppelungen zu vermeiden. Eine solche Doppelung droht z. B. bei der Prüfung der Eignung des Produkts: Im Rahmen der Beratung wird geprüft, inwiefern ein Produkt für den Kunden geeignet ist (Art. 18 IMD2). Darüber hinaus eine Produktvorab-Kontrolle nach Maßgabe der MiFID2 in der IMD2 einzuführen, wäre nicht sachgerecht.

Im Herbst haben die Kommission und der Rat intensiv an Antworten auf diese Fragen gearbeitet. In vielen Arbeitsgängen im Trilog und mehrfacher Konsultation der Mitgliedstaaten wurden diese Ansätze geprüft und im Trilogergebnis als neues Kapitel 3 in der MIFID2 zusammengefasst. An diese Arbeit sollte jetzt angeknüpft werden. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie ernst der EU-Gesetzgeber seine Aufgabe nimmt. Jetzt wieder bei Null zu beginnen wäre ineffizient und würde den Wunsch, zeitnah ein neues IMD2-Regime aus der Taufe zu heben, konterkarieren.

Mehr zum Thema:
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