19.02.2014
Studie

Die Versicherungswirtschaft – Wachstumsgarant für Deutschland

Eine Prognos-Studie beweist: Die Versicherungswirtschaft trägt maßgeblich zum deutschen Wirtschaftsleben bei. Das Beratungsinstitut Prognos spricht ihr eine Schlüsselrolle zu.

Das ist die Zahl, die aus den 130 Seiten heraussticht: 0,2 Prozentpunkte. Denn um 0,2 Prozentpunkte ist das durchschnittliche Wirtschaftswachstum Deutschlands in den Jahren 1995 bis 2008 höher ausgefallen dank der Versicherungsbranche. Das sind bei 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum rund ein Achtel des Gesamtbetrags – ein überproportional hoher Anteil. Die Zahl findet sich in einer neuen Studie, die das Wirtschafts- und Beratungsinstitut Prognos im Auftrag des GDV verfasst hat. Titel: „Die Bedeutung der Versicherungswirtschaft für den Wirtschaftsstandort Deutschland“.

GDV POSITION
Die Prognos-Studie macht erstmals deutlich, dass die Versicherungsbranche für die deutsche Wirtschaft eine Schlüsselrolle spielt und überdurchschnittlich zum Wachstum beiträgt.

Es handelt sich um den ersten Versuch, die Rolle der Versicherungsbranche für den Standort Deutschland vollständig zu erfassen. „Es war überfällig, dass jemand ihre Schlüsselstellung beleuchtet“, sagt Christian Böllhoff, geschäftsführender Gesellschafter des Instituts.

Böllhoff sagt das auch deswegen, weil in der Exportnation normalerweise eher Branchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau im Fokus der Öffentlichkeit stehen – Branchen, die etwas herstellen, das man anfassen kann. Versicherungen sind dagegen etwas Immaterielles, deren Wert sich viele nicht wirklich vorstellen können. Dabei ist der direkte und indirekte Beitrag der Versicherungsbranche zur deutschen Wirtschaft eindrucksvoll: 1,3 Millionen Beschäftigte, 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, rund 26 Milliarden Euro Steuern jährlich. Die deutschen Rückversicherer: Weltmarktführer.

Versicherungswirtschaft mit „Enabler”-Funktion
Für Böllhoff gehört die Versicherungswirtschaft zudem zu einem kleinen Kreis von Branchen, ohne die eine moderne Volkswirtschaft nicht funktionieren könnte. Auf Neudeutsch: Branchen mit „Enabler“-Funktion. Dazu gehören Energie-Firmen, Wasserversorger, Telekommunikationsdienstleister. Und eben: die Versicherer. Sie alle versorgen andere Unternehmen mit etwas, ohne das diese Unternehmen nicht wirtschaften können: Strom, Wasser, Telefon und Risikoschutz. Denn das genau ist die Aufgabe von Versicherern. Sie entlasten von Risiken und machen dadurch unternehmerisches Handeln möglich.

Deswegen arbeiten Versicherer für Kunden aus allen Branchen. Bauträger lassen sich versichern, um Häuser zu bauen. Transportunternehmen versichern ihre Containerschiffe, um Autos nach Asien zu transportieren. Deutsche Maschinenbauer sichern ihre Exportaufträge mit Kreditversicherungen gegen Zahlungsausfälle ab. Die Beispiele zeigen: Ohne Versicherungen wäre die globalisierte Wirtschaft nicht denkbar. Versicherer erkennen Risiken, berechnen ihre Kosten und nehmen anderen diese Risiken ab. Durch diese Schlüsselrolle eröffnen sie unternehmerische Spielräume und ermöglichen Innovation und Wachstum.

Wie die Versicherungswirtschaft das Bruttoinlandsprodukt steigert
Diese Schlüsselrolle schlägt sich auch in Zahlen nieder. So hat Prognos mithilfe komplexer Modelle ausgerechnet, dass jeder Euro Umsatz in der Versicherungsbranche zu einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 1,30 Euro führt. Nur zum Vergleich: Im Branchendurchschnitt steigt bei einem Euro Umsatzerhöhung das BIP nur um 24 Cent. „Dass diese Zahl so hoch ist, hat auch mich überrascht, aber das liegt daran, dass die Versicherer Vorleistungen für alle anderen Branchen erbringen“, sagt Böllhoff.

Erst da, wo Versicherer an ihre Grenzen stoßen, tritt der Wert ihres Risikomanagements offen zutage. Das ist heute zum Beispiel bei neuen Technologien der Fall, deren Gefahren so komplex und wenig erforscht sind, dass Versicherer sie nur schwer berechnen und versichern können. Gleichzeitig verändert sich die Risikolandschaft derzeit rasant: Wenn Kriminelle beispielsweise das Netzwerk eines Konzerns mit Viren oder Trojanern attackieren, kann der Schaden enorm sein.

In dem Maße, in dem die Technologie den Alltag verändert, müssen Versicherer sich darauf einstellen und ihre Versicherungsprodukte anpassen. „Es ist die Aufgabe der Versicherungswirtschaft, hier Lösungen zu finden“, sagt Böllhoff, „und das tut sie ja auch.“

Serge Debrebant ist freier Journalist in München.