19.02.2014
Interview Reinhard Vogt

„Der Hochwasserpass ist die beste Risikovorsorge für Hausbesitzer“

Information und Aufklärung über Naturgewalten sind der wichtigste Weg zum Schutz der Menschen vor Katastrophen. Mit dem Hochwasserpass fürs Haus geht heute ein bundesweites Vorsorgeangebot für Hausbesitzer online. Wie der Pass ausgestellt wird und wie man ihn nutzen kann, erklärt Reinhard Vogt, einer der Entwickler und Geschäftsführer des Hochwasser Kompetenz Centrums in Köln.

Zur Person

Reinhard Vogt, Leiter der Hochwasserschutzzentrale Köln
Reinhard Vogt

leitet seit 1995 die Hochwasserschutzzentrale in Köln. Er gilt als der „Hochwasser-Papst”: In den 80er Jahren hat er sich auf das Thema Hochwasserschutz spezialisiert. Damals hat er zusammen mit einem Kollegen mobile Hochwasserschutzwände entwickelt, die auch bei der Flut 2013 in vielen Gebieten zum Einsatz gekommen sind.

Vogt wurde 1949 in Hildesheim geboren und hat an der Rheinischen Akademie in Köln Tiefbau studiert.


Herr Vogt, Sie beschäftigen sich seit über 35 Jahren mit Hochwasserschutz. Welche Idee steckt hinter dem Hochwasserpass?
Reinhard Vogt: Ausgangspunkt für das Projekt, das wir vor vier Jahren gemeinsam mit der Universität Kaiserslautern, Experten der Versicherungswirtschaft und Ingenieuren der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft begonnen haben, war die Frage: Kann man ein Haus objektspezifisch auf seine Hochwassergefährdung beurteilen? Nach dem Vorbild des Energiepasses, der die Energieverluste am Haus aufzeigt, entstand die Idee zum Hochwasserpass. Der Hausbesitzer beschäftigt sich mit den Schwachstellen an seinem Haus und erkennt mögliche Gefahren und erfährt, wie er sich vor ihnen schützen kann. Und zwar nicht nur vor der Gefahr des Flusshochwassers, sondern auch der durch Starkregen oder auch Kanalrückstau. Die Überschwemmungsgefahr geht nicht immer von der unmittelbaren Flusslage aus, sondern entsteht oft genug abseits der Gewässer.

Wie funktioniert der Hochwasserpass?
Vogt: Der Hochwasserpass beinhaltet zwei Teile: Eine automatisierte Selbstauskunft und deren Bestätigung durch einen Sachkundigen. Am Anfang füllt der Hausbesitzer online den Fragebogen zu Haus und Grundstück aus. Für die Beantwortung steht ihm ein ausführlicher Wissensbereich zur Verfügung, der die Hintergründe der Fragen näher erläutert. Damit wird der Hausbesitzer bereits für Gefahren an seinem Haus sensibilisiert. Auf Basis dieser Selbstauskunft erhält er eine automatisierte Gefährdungsanalyse. Davon kann man schon erste Maßnahmen ableiten, um das Haus vor Hochwasser, Starkregen und Kanalrückstau zu schützen. Der zweite Teil ist die Bestätigung und Prüfung der Angaben durch den Sachkundigen vor Ort.

So sieht der Hochwasserpass aus

So sieht der Hochwasserpass aus

Wie findet man den Sachkundigen, der sich mit Hochwasser und Überschwemmung auskennt?
Vogt: Unter hochwasser-pass.de sind speziell zugelassene Sachkundige aufgelistet. Der Hausbesitzer kann sich hier ein Angebot vom Sachkundigen seiner Wahl erstellen lassen. Diese Sachkundigen wurden von unseren Experten geschult und geprüft. Zudem haben sie sich zur regelmäßigen Weiterbildung verpflichtet. Damit ist gewährleistet, dass sie immer auf dem neuesten Stand der Hochwasserprävention sind und vernünftig beraten können.

Wie kann man den Hochwasserpass nutzen? Wozu braucht man ihn?
Vogt: Der Hochwasserpass ist das beste Mittel zur Risikovorsorge und nutzt dem Besitzer dreifach: Erstens, um sein Haus hochwassersicher zu machen, weil die notwendigen Schutzmaßnahmen aufgezeigt werden. Zweitens, um die Versicherbarkeit zu verbessern, weil der Pass qualifiziert das individuelle Objektrisiko ausweist. Drittens, um den Grundstückswert zu steigern, weil das Hochwasserrisiko ausgewertet vorliegt.

Und was kostet den Hausbesitzer die Ausstellung des Hochwasserpasses?
Vogt: Es fallen nur Kosten für den Sachverständigen an. Diese können je nach Aufwand sehr unterschiedlich sein. Ich gehe davon aus, dass man für die qualifizierte Beratung und Prüfung im Schnitt 200 Euro bezahlen wird.

Was versprechen Sie sich von dem bundesweiten Angebot?
Vogt: Die Passbesitzer werden mit Verhaltensvorsorge und mit Bauvorsorge besser auf Hochwassergefahren vorbereitet sein und damit zukünftige Schäden deutlich verringern. Der Erfolg des Hochwasserpasses wird sich beim nächsten Hochwasser zeigen. Nach unserer Prognose werden die Passbesitzer bis zu 80 Prozent weniger Schäden hinnehmen als Hausbesitzer ohne Pass.