08.01.2014
Lebensversicherung

Was ist der Höchstrechnungszins?

In ihrer Pressemitteilung vom 8. Januar 2014 hat die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) vorgeschlagen, den Höchstrechnungszins von Lebensversicherungen zum 01.01.2015 auf 1,25 Prozent abzusenken. Sie kündigt jedoch an, diese Empfehlung im Laufe des Jahres nochmals zu überprüfen.

Die Empfehlung der DAV, den Höchstrechnungszins abzusenken, überrascht mit Blick auf die Niedrigzinspolitik in Europa nicht. Den sogenannten Garantiezins bereits zum 01.01.2015 um 0,5 Prozentpunkte zu reduzieren wäre jedoch übereilt:

  • Richtig ist, dass die Zinsentwicklung ausgesprochen volatil ist. Zudem kommen aus den USA vermehrt Signale, dass die lockere Geldpolitik in absehbarer Zeit beendet werden könnte.
  • Ein niedrigerer Garantiezins würde den Anreiz, zusätzlich vorzusorgen, deutlich mindern. Das kann aus sozialpolitischen Gesichtspunkten nicht gewünscht sein.
  • Die regulatorischen Rahmenbedingungen sollten bei einer Entscheidung über den Garantiezins berücksichtigt werden. Beispielsweise fordert Solvency II ab 2016 eine neue Form der Eigenmittelunterlegung für langfristige Garantien bei Lebensversicherungen.

Daher sollte eine vorschnelle Festlegung beim Höchstrechnungszins vermieden werden.

GDVWie wird der Höchstrechnungszins festgelegt?
Die Entscheidung, ob und wenn ja wie weit der Höchstrechnungszins abgesenkt wird, trifft das Bundesministerium der Finanzen (BMF). In der Vergangenheit folgte das BMF nicht immer der Empfehlung der DAV.


Es ist Aufgabe der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gegenüber dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) regelmäßig eine Empfehlung zum höchstmöglichen Rechnungszins (umgangssprachlich Garantiezins) auszusprechen. Der Höchstrechnungszins wird für alle Lebensversicherungen verbindlich vom BMF festgelegt. Grundlage dafür ist die Entwicklung der Umlaufrendite von Staatsanleihen mit Spitzenrating im Euro-Raum in den vergangenen zehn Jahren.

Der in einer (klassischen) Lebens- und Rentenversicherung gebildete Kapitalstock wird vom Versicherungsunternehmen mindestens mit dem Garantiezins verzinst. Dieser bleibt während der gesamten Vertragslaufzeit gleich und liegt seit dem 01.01.2012 bei 1,75 Prozent


 
Historie des Höchstrechnungszinses (Garantiezinses)

Datum Garantiezins
vor Juli 1986 3,00 %
ab Juli 1986 3,50 %
ab Juli 1994 4,00 %
ab Juli 2000 3,25 %
ab Januar 2004 2,75 %
ab Januar 2007 2,25 %

 
GDVÄnderungen des Garantiezinses haben keine Auswirkung auf bestehende Verträge

Für bestehende Lebensversicherungsverträge ändert sich nichts. Für sie gelten weiterhin die garantierten Leistungen ihres bestehenden Vertrages. Auch wenn das BMF der Empfehlung der DAV folgen sollte, würde ein niedriger Höchstrechnungszins nur Verträge betreffen, die ab dem 1. Januar 2015 neu abgeschlossen werden.

Rentenversicherungen leisten mehr als nur den Garantiezins
Rentenversicherungen sind anhand ihrer Gesamtleistungen zu bewerten. Die Garantieverzinsung spielt dabei vor allem im Hinblick die Herstellung eines hohen Maßes an Sicherheit eine Rolle. Um ein vollständiges Bild der Qualität von Produkt und Anbieter zu erhalten, sollte das Gesamtpaket betrachtet werden.

Zusätzlich zum Garantiezins erhalten die Versicherten:

  • eine laufende Überschussbeteiligung,
  • einen Schlussüberschuss und
  • zusätzliche Versicherungsleistungen. Die Leistung von Rentenversicherungen geht über die Rendite hinaus: Hinzu kommt der Wert lebenslanger Rentenzahlungen, denn auch wenn die eingezahlten Beiträge verbraucht sind, wird weiterhin die vereinbarte Rente ausgezahlt (Ausgleich in der Gemeinschaft). Darüber hinaus können Hinterbliebene ebenfalls abgesichert werden.