10.01.2014
Faktencheck Edda Castelló

Verbraucherschützerin führt Fernsehpublikum in die Irre Teil 2

Im heutigen ZDF „Morgenmagazin“ hat Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg Zuschauerfragen zum Thema Lebensversicherung beantwortet. Ihre Antworten beschränkten sich auf pauschale Aussagen wie „auf eine Versorgungslücke soll man nicht so gucken“, Tagesgelder seien die beste Altersvorsorge. Die Frage, ob man Lebensversicherungen mit einem Garantiezins von 4 Prozent kündigen sollte, beantwortete sie gar nicht.

Hintergrund der Fragerunde war die Empfehlung, den Garantiezins von Lebensversicherungen ab 2015 um 0,5 Prozentpunkte zu senken. Bereits im November 2013 hatte sich Frau Castelló in der Sendung „hart aber fair“ irreführend zu einem Versicherungsprodukt geäußert, so auch im ZDF-Morgenmagazin.


Ein Zuschauer fragt, wieviel man denn sparen sollte, um die Versorgungslücke im Alter zu schließen. Diese Frage bezeichnet Edda Castelló als falsch, „auf die Versorgungslücke soll man nicht so gucken“, man müsse auf die jetzige Situation gucken.

Quelle: ZDF Morgenmagazin

Der Gesamt­verband der Deutschen Ver­sicher­ungs­wirt­schaft dazu

 
Diese Aussage lädt zu einer Sorglosigkeit ein, die Verbrauchern auf lange Sicht schaden kann. Richtig ist, dass die Menschen fürs Alter nur einen Beitrag sparen sollten, den sie mit ihrem monatlichen Einkommen gut tragen können. Doch als verantwortungsbewusste Verbraucherschützerin kann die Empfehlung zur Altersvorsorge nicht nur lauten, dass das Konto auf Guthabenbasis zu führen ist.

Eine umsichtige Vorsorgeanalyse besteht aus beidem: die aktuellen Einnahmen- und Ausgaben aufzulisten, in die Zukunft zu schauen und die Versorgungslücke zu ermitteln. Dabei sollten nicht nur die finanziellen, sondern auch die familiären und beruflichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.


Nächste Zuschauerfrage: Kann bei einem Tagesgeld eine monatliche Auszahlung im Alter vereinbart werden? Edda Castelló bezeichnet einen Entnahme- oder Auszahlungsplan als „deutlich besser und billiger und günstiger und transparenter und flexibler als eine Rentenversicherung“.

Der Gesamt­verband der Deutschen Ver­sicher­ungs­wirt­schaft dazu

 
Diese Aussage lässt das Thema Lebenserwartung komplett außen vor. Was sollen Verbraucher tun, wenn das Tagesgeld aufgebraucht ist und sie gerade erst angefangen haben, das Rentnerdasein zu genießen?

Rechenbeispiel Tagesgeld

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Es ist richtig, dass Tagesgelder sehr gut geeignet sind, um eine Reserve für Notfälle oder die Rücklagen für einen bestimmten Zeitraum verzinst anzulegen. Tagesgelder sind jedoch nicht die erste Wahl, wenn es darum geht, über viele Jahrzehnte Kapital anzusparen, das im Alter als regelmäßige Renteneinnahme dienen soll. Allgemein Tagesgelder mit Rentenversicherungen zu vergleichen ist der berühmte Fall von Äpfeln und Birnen.

Für das Ziel, ein zusätzliches Einkommen im Alter zu haben, ist das Leistungsprofil von Rentenversicherungen unschlagbar:

  • attraktive Verzinsung, die in der Regel etwas oberhalb von langfristigen Zinsen liegt
  • Garantie über die Mindesthöhe der späteren Rentenzahlung
  • Sicherheit des gebildeten Kapitals
  • Planbarkeit der zusätzlichen Einnahmen

Zum Thema Kosten:

Rentenversicherungen sind für lange Laufzeiten maßgeschneidert – der ganze Ansparvorgang ist auf Jahrzehnte ausgelegt, genau wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Sollen die Kosten von Rentenversicherungen mit anderen Produkten verglichen werden ist es wichtig, die gesamte Laufzeit zu betrachten. Dabei weisen Rentenversicherungen ein günstiges Preis-Leistungsverhältnis auf.

Besonderheit: Die Abschluss- und Vertriebskosten werden über die ersten fünf Jahre verteilt, diese Hürde ist am Anfang zu nehmen. Für die Verbraucher wirkt sich besonders vorteilhaft aus, dass die Kosten auf die Beiträge berechnet werden und nicht – wie bei vielen anderen Finanzprodukten – auf das gebildete Kapital.


Auf die Frage, ob Rentenversicherungen mit einem Garantiezins von 4 Prozent gekündigt werden sollten, geht Edda Castelló mit der Aussage ein, der „Garantiezins ist ein irreführender Wert“ bzw. der „Garantiezins ist nicht maßgeblich für das, was am Ende rauskommt“

Der Gesamt­verband der Deutschen Ver­sicher­ungs­wirt­schaft dazu

 
Für Verbraucher ist der Garantiezins sehr wohl ein maßgeblicher Indikator um zu wissen, was er am Ende MINDESTENS ausgezahlt bekommt.

Die eigentliche Zuschauerfrage, nämlich ob es sinnvoll ist eine Lebensversicherung mit 4 Prozent Garantiezins zu kündigen, beantwortet Edda Castelló nicht. Das grenzt an eine Fehlberatung.

Einerseits kritisiert die Verbraucherschützerin regelmäßig, dass zu viele Verträge nicht durchgehalten würden. Andererseits rät sie in der ZDF-Sendung nicht von Kündigungen ab – eine paradoxe Situation angesichts der Diskussion um den Garantiezins. Gerade in dieser Situation, in der Verbraucher verunsichert sind, ist es umso wichtiger, sachlich zu bleiben.