12.12.2013
Nachgefragt

Was versteht man unter Garantiezins, Überschüssen und Überschussbeteiligung?

Gegen Ende eines jeden Jahres legen die Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligung für das nächste Jahr fest. Was bedeuten aber Fachbegriffe wie Überschussbeteiligung, Garantie- und Gesamtverzinsung? Und wie werden Kunden an den Überschüssen beteiligt? Viele Fragen, wir bieten nachfolgend die Antworten.

Was ist die Gesamtverzinsung?

Die Gesamtverzinsung der Sparbeiträge einer Lebensversicherung setzt sich aus dem Höchstrechnungszins, dem sogenannten Garantiezins, und der Überschussbeteiligung zusammen. Die Überschussbeteiligung erhöht die zu Vertragsbeginn garantierte Versicherungssumme. Wie hoch die Überschussbeteiligung genau ausfallen wird, weiß man zu Beginn nicht. Aktuell liegt die Gesamtverzinsung des Deckungskapitals im Durchschnitt bei rund 4 Prozent.

Wer aktuell eine Lebensversicherung abschließt, erhält einen Garantiezins von 1,75 Prozent. Einmal pro Jahr erhalten die Versicherungskunden eine Übersicht über die bisherige Entwicklung ihrer Lebensversicherung inklusive der Angaben zur garantierten Leistung und den Prognosen.


 

So setzt sich die Gesamtverzinsung einer Lebensversicherung zusammen


 

Was sind Überschüsse und Überschussbeteiligungen?

Lebensversicherer sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Beiträge ihrer Kunden vorsichtig zu kalkulieren. Sie erzielen daher regelmäßig Überschüsse, zum Beispiel dann, wenn die Kapitalanlage höhere Erträge bringt, als für die garantierte Verzinsung der Sparanteile ihrer Kunden notwendig ist. Neben dem Kapitalanlageergebnis gibt es aber noch andere Quellen für Überschüsse, wie das Risiko- und das Kostenergebnis.

Die Höhe der Überschüsse eines Unternehmens hängen davon ab:

  • wie erfolgreich seine Kapitalanlagestrategie ist, also wie gut er die Beiträge der Kunden am Kapitalmarkt investieren kann
  • wie viele vorzeitige Versicherungsfälle eintreten, das heißt, wie viele Versicherte vor Ende der vereinbarten Laufzeit versterben und
  • wie sparsam in dem jeweiligen Unternehmen gewirtschaftet wird.

 

Wie werden die Kunden an den Überschüssen beteiligt?

An den erwirtschafteten und nach handelsrechtlichen Vorschriften ermittelten Überschüssen werden die Versicherten beteiligt. Das geschieht auf zwei Wegen:

  1. durch eine laufende Überschussbeteiligung und
  2. einen Schlussüberschuss.

Wie unterscheiden sich diese? Die laufende Überschussbeteiligung wird jedes Jahr vom Versicherer festgelegt („deklariert“) und dem jeweiligen Vertrag im folgenden Geschäftsjahr gutgeschrieben. Durch die Deklaration erwerben die Kunden einen unwiderruflichen Anspruch – das Geld ist ihnen somit Jahr für Jahr sicher. Der Anteil der Versicherungsnehmer am erzielten Überschuss eines Jahres muss aber nicht vollständig ausgeschüttet werden. Der Versicherer kann einen Teil erst einmal zurücklegen und zum Aufbau von Sicherheitspuffern und Ausgleichsmechanismen nutzen. An ihm werden die Kunden zu einem späteren Zeitpunkt beteiligt, in Form des Schlussüberschusses. Dieser wird ausgezahlt, wenn der Versicherungsvertrag regulär beendet wird.

„Die Leistungsfähigkeit einer Lebensversicherung nur über die Rendite zu messen, greift einfach zu kurz.”

Im Übrigen liegt es nicht ausschließlich im Ermessen der Unternehmen, in welchem Maße sie die Versicherten an den Überschüssen beteiligen. Die Überschussbeteiligung unterliegt – nicht zuletzt wegen ihrer Komplexität und dem kollektiven Charakter – strenger staatlicher Aufsicht. Der Gesetzgeber sieht vor, dass jeder Kunde verursachungsorientiert und angemessen beteiligt werden muss. Zusätzlich hat er klar geregelt, wie hoch die Beteiligung mindestens sein muss.

Warum sind die Überschussbeteiligungen in den letzten Jahren gesunken?

Derzeit sorgt das niedrige Zinsniveau dafür, dass Versicherer die laufende Überschussbeteiligung anpassen mussten. Dass die Überschüsse der Lebensversicherer in den letzten Jahren gesunken sind, verwundert Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), nicht. „Wir sind Akteure am Kapitalmarkt und bewegen uns nicht losgelöst davon“, erläutert Erdland. Derzeit herrsche nun einmal eine politisch gewollte Niedrigzinsphase, die auch die Lebensversicherer und ihre Kapitalerträge trifft.

„Auch wenn die Berichte von sinkenden Zinsen und einem niedrigen Zinsniveau verunsichern – die Lebensversicherer haben bisher alle ihre Kunden gut durch die Finanzmarkt- und Euroschuldenkrise gebracht“, betont Erdland. Mit der Gesamtverzinsung einer Lebensversicherung erzielt man keine spekulativ hohen Gewinne, eine sichere und attraktive Sparform und Altersvorsorge bleibt sie dennoch. Denn sie bietet vor allem Verlässlichkeit, Sicherheit und Planbarkeit, auf welche viele Menschen in der heutigen Zeit setzen.

Was macht die Gesamtleistung einer Lebensversicherung aus?

Bei der Gesamtleistung einer Lebensversicherung spielen nicht nur Garantieverzinsung und Überschüsse eine Rolle. Kein anderes Produkt kombiniert den Aufbau einer Altersvorsorge mit festen Garantiezusagen, durch den Einbau von Risikopuffern einem Höchstmaß an Sicherheit, der Absicherung von lebenslangen Renten und dem Schutz von Hinterbliebenen im Todesfall miteinander.

„Dass die Lebensversicherung mehr ist als ein individueller Sparplan kommt in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu kurz“, sagt Erdland. „Diesen Mehrwert müssen wir in Zukunft noch deutlicher machen. Die Leistungsfähigkeit einer Lebensversicherung nur über die Rendite zu messen, greift einfach zu kurz. Auch wenn wir uns hier nicht verstecken müssen“, betont Erdland.

Mathias Zunk
Versicherungsexperte beim Verbraucherservice des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft

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Una Großmann
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