19.12.2013
Rentenversicherungen

Was ist eine „Sterbetafel“?

Innerhalb der Versichertengemeinschaft ist der Ausgleich des Langlebigkeitsrisikos ein typisches Merkmal von Lebensversicherungen. Damit bieten Lebensversicherer eine Leistung, die weder Banken noch Fondsgesellschaften erbringen können: garantierte Rentenzahlungen, so lange eine Person lebt. Wie aber funktioniert die Kalkulation von Rentenversicherungen und warum arbeiten die Unternehmen mit sogenannten „Sterbetafeln“?

Sterbetafeln sind Tabellen, die zeigen mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Person eines bestimmten Alters vor Erreichen ihres nächsten Geburtstages voraussichtlich sterben wird. Aus ihnen kann abgeleitet werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein bestimmtes Alter erreicht wird. Zudem enthalten sie Sterbewahr- scheinlichkeiten für jedes mögliche Lebensalter.

Erstellt werden die Sterbetafeln von der berufsständischen Vereinigung deutscher Versicherungsmathematiker, die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV). Sie sind öffentlich und online abrufbar.

Ermittlung der Sterbewahrscheinlichkeiten
Zur Ermittlung der Sterbewahrscheinlichkeiten werden Jahr für Jahr die tatsächlich erreichten Lebensalter beobachtet und in Zeitreihen fortgeschrieben. Dazu werden herangezogen:

  • Daten der gesetzlichen Rentenversicherung,
  • Angaben des statistischen Bundesamtes und
  • Erfahrungswerte der Versicherungsunternehmen.

Die Angemessenheit der Sterbetafeln wird regelmäßig überprüft, sowohl von der DAV, als auch seitens der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die aktuell zur Reservierung von Rentenversicherung empfohlene Sterbetafel ist die „DAV 2004 R“ (PDF).

Einheitliche Standards für unternehmensindividuelle Sterbetafeln
Die von Versicherungsunternehmen zur Kalkulation der Prämien und Leistungen verwendeten Sterbetafeln werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geprüft. Dabei kontrolliert die BaFin, dass die Werte angemessen sind.

Spezialfall: Fondsgebundene Rentenversicherungen
Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen fließen die kompletten Sparbeiträge direkt in die gewünschten Investmentfonds. Dadurch wird in der Ansparphase – anders als bei klassischen Rentenversicherungen – kein Deckungskapital aufgebaut. Zusätzlich zu der allgemeinen Frage, wie lange eine Rente gezahlt werden muss, ist bei fondsgebundenen Produkten also auch noch unklar, wieviel Kapital für die Verrentung verfügbar sein wird.
 
Trotz dieser zusätzlichen Variablen müssen die Versicherer schon bei Vertragsbeginn eine Mindestrente garantieren, dazu sind sie aus steuerlichen Gründen verpflichtet. Dafür wird ein sogenannter Rentenfaktor ausgewiesen. Der Rentenfaktor gibt an, welche Monatsrente je 10.000 Euro aufgebautem Kapital mindestens gezahlt wird. Da die wesentliche Kalkulationsgröße „Höhe des Kapitals“ fehlt, werden bei fondsgebundenen Rentenversicherungen die zu Vertragsbeginn genannten Rentenfaktoren bewusst niedriger angesetzt als bei klassischen Rentenversicherungen.
 
Kalkulatorische Vorsicht nutzt Kunden
Es ist kein Nachteil für die Kunden, dass die Lebenserwartung aufgrund kalkulatorischer Vorsicht bei fondsgebundenen Produkten höher angesetzt wird. Typischerweise bevorzugen Anleger mit höherer Risikobereitschaft fondsgebundene Produkte und verfolgen das Ziel, eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften.
 
Der Vorwurf, Versicherer würden mit einer Lebenserwartung von 113 oder gar 130 Jahren kalkulieren, führt in die Irre. De facto spiegeln die Werte nicht die Einschätzung von Lebenserwartungen wider. Sie sind vielmehr Teil der Antwort auf die Frage, welche Garantien bei welchen Produkten über Jahrzehnte im Voraus finanztechnisch überhaupt darstellbar sind. Zum Vergleich: Im Ausland werden bei fondsgebundenen Rentenprodukten in der Ansparzeit meist gar keine Garantien gegeben.
 
Die finalen Rentengarantien legen die Versicherer häufig erst beim Übergang in die Rentenphase fest. Dabei werden die dann aktuellen Sterbetafeln und Zinssätze herangezogen. Die bei Abschluss im Vertrag genannten garantierten Rentenfaktoren stellen also in der Regel nicht den tatsächlich zur Verrentung kommenden Betrag dar, sondern sind als theoretische Untergrenze anzusehen, die in jedem Fall einzuhalten ist.