11.12.2013
Lebensversicherung

Bewertungsreserven – Worum geht es in der aktuellen Diskussion?

Viele Lebensversicherungskunden fragen sich, worum es bei der Beteiligung an den sogenannten Bewertungsreserven in der aktuellen Diskussion geht. GDV.DE erklärt, was Bewertungsreserven sind, wie sie zustandekommen und warum eine gesetzliche Neuregelung erforderlich ist.
 

Was sind Bewertungsreserven?

Bewertungsreserven sind Buchgewinne, die entstehen, wenn der aktuelle Marktwert eines Wertpapiers oberhalb des ursprünglichen Kaufpreises liegt. Der Zinsrückgang an den Kapitalmärkten hat dazu geführt, dass die Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere deutlich gestiegen sind. Ältere, höherverzinsliche Papiere im Bestand der Anleger sind heute am Kapitalmarkt deutlich mehr wert als zum Zeitpunkt ihrer Emission.

Der Wertzuwachs jedes festverzinslichen Papiers ist jedoch vorübergehend – anders als bei Aktien oder Immobilien, wo er von Dauer sein kann. Je näher der Zeitpunkt rückt, zu dem ein festverzinsliches Papier fällig wird, desto stärker geht sein Wert auf das Ausgangsniveau zurück: Die Bewertungsreserven sind am Ende der Laufzeit immer gleich Null. Wenn Versicherer solche Papiere also wie üblich bis zum Ende der Laufzeit halten, bekommen sie aus Bewertungsreserven keine zusätzlichen Erträge. Auch Zinsanstiege lassen Bewertungsreserven schmelzen.

Wie entstehen Bewertungsreserven?

Wie entstehen Bewertungsreserven?

Bewertungsreserven sind Scheinreserven

Bewertungsreserven sind Scheinreserven

 

Worum geht es in der aktuellen Diskussion?

Es geht um die Korrektur einer fehlerhaften Regulierung aus dem Jahr 2008. Damals wurden die Lebensversicherer im Zuge der VVG-Reform verpflichtet, auslaufende und gekündigte Verträge hälftig an vorhandenen Bewertungsreserven zu beteiligen. Motivation für das Gesetz waren die seinerzeit hohen Bewertungsreserven auf Aktieninvestments; festverzinsliche Papiere wurden aber – obwohl nicht im Fokus – in die Regelung mit einbezogen.

Mit paradoxen Folgen: Heute führt die pauschale Vorgabe dazu, dass Lebensversicherer in Zeiten historisch niedriger Zinsen und insgesamt sinkender Kapitalerträge hohe Sonderausschüttungen an abgehende Verträge auskehren müssen. Der Versichertengemeinschaft gehen so für die Zukunft fest eingeplante Mittel verloren.

Warum muss die Beteiligung an den Bewertungsreserven neu geregelt werden?

Eine Neuregelung ist unter zwei Aspekten notwendig: Zum einen hat sich die bestehende Regelung im aktuellen Marktumfeld als ökonomisch unsinnig erwiesen. Durch die hohen Sonderausschüttungen verlieren die Lebensversicherer Monat für Monat Substanz, die gebraucht wird, um alle Versicherten gut durch die Niedrigzinsphase zu bringen.

Zum anderen bevorzugt die bestehende Regelung einseitig die Versicherungskunden, deren Verträge zufällig in der aktuellen Niedrigzinsphase enden, und benachteiligt die Kunden, deren Verträge noch einige Jahre laufen. Bei einer Neuregelung muss es deshalb um eine faire Verteilung der vorhandenen Überschüsse zwischen den Kunden gehen.

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