26.11.2013
Faktencheck "Hart aber fair"

Verbraucherschützerin führt Fernsehpublikum in die Irre

In der ARD-Sendung „Hart aber fair“ vom 25.11.2013 wurde anhand eines exemplarischen Falls über die rückläufigen Ablaufleistungen von Lebensversicherungen diskutiert. Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg kam zu dem Schluss, dass dies an den hohen Kosten liege, nicht aber am seit Jahren sinkenden Zinsniveau.

Der Kunde hatte 1987 eine Lebensversicherung bei der Allianz abgeschlossen, mit dynamischem Zuwachs von Leistung und Beitrag für zwei Partner mit Kapitalzahlung im Todes- und Erlebensfall. Die monatliche Prämie betrug 80 Euro. Der Vertrag lief im Mai 2013 aus. 1992 wurde eine Ablaufleistung von rund 55.000 Euro prognostiziert. Tatsächlich ausgezahlt wurden am Ende knapp 43.000 Euro.

Edda Castello behauptete in der Sendung, der Kunde hätte besser in Bundeswertpapiere investieren sollen, dann hätte er heute mehr Geld herausbekommen.

Quelle: „Hart aber fair”, 25.11.2013

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft dazu:

Diese Aussage ist falsch. In dem Beispielfall ist die Ablaufrendite zwar gefallen – von ursprünglich hochgerechneten 5,5 auf 3,9 Prozent. Um eine Lebensversicherung mit Bundeswertpapieren vergleichen zu können, muss die Rendite aber um den – in diesem Fall umfangreichen und damit auch teuren – Risikoschutz bereinigt werden. Die bereinigte Rendite der o.g. Police liegt bei 5,0 Prozent. Bundesschatzbriefe haben dagegen im Zeitraum 1987 bis 2013 nur eine Rendite von 4,4 Prozent erwirtschaftet.

Nicht Kosten, sondern niedrige Zinsen schmälern Rendite
Edda Castello behauptete in der Sendung weiter, es liege ausschließlich an den Kosten, nicht aber an den Leitzinsen nahe Null, dass die Ablaufrenditen von Lebensversicherungen gesunken sind.

Dazu stellt der GDV fest:
Richtig ist, dass die Ablaufrenditen in den vergangenen Jahren wegen des seit vielen Jahren gefallenen Zinsniveaus zurückgegangen sind. Aber es ist falsch, dass das an den Kosten der Lebensversicherung liegt. Denn die Verwaltungskostenquote ist im gleichen Zeitraum nicht gestiegen, sondern stark gesunken, von 4,15 auf 2,42 Prozent. Gleichzeitig ist aber auch das Zinsniveau deutlich zurückgegangen.

Zentral dazu beigetragen hat, dass der Leitzins der Europäischen Zentralbank von 4,75 Prozent im Jahr 2000 auf heute 0,25 Prozent nach unten geschraubt wurde. Auch sind etwa die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen in den vergangenen Jahren von 8,0 auf heute 1,3 Prozent gesunken. Lebensversicherer schreiben ihren Kunden dagegen selbst 2013 eine durchschnittliche Gesamtverzinsung von 4,24 Prozent gut.

Rendite von Bundesanleihen | Quelle: Bundesbank
Quelle: Bundesbank

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Christian Ponzel
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