30.10.2013
Versicherungsschutz in Hochwassergebieten

„Wir lassen keinen im Regen stehen“

Das Juni-Hochwasser 2013 hat es auf dramatische Weise gezeigt: Überschwemmungsschäden können existenzgefährdend sein. Eine Elementarschadenversicherung schützt vor den finanziellen Folgen solcher Schäden. Damit sie eine solche Versicherung risikogerecht kalkulieren können, unterscheiden die Versicherer vier Gefährdungsklassen. Risiko-Experte Dr. Martin Creutz erklärt, wie sie sich bemessen.

Wie unterscheiden sich die Gefährdungsklassen für Hochwasser-Schäden?
Martin Creutz: Grundsätzlich gibt es überall, wo es Wasser gibt, auch die Gefahr, dass dieses Wasser außer Kontrolle gerät. Nicht nur Flüsse, sondern auch Seen und Teiche können über die Ufer treten. Mit dem Zonierungssystem ZÜRS Geo hat die Versicherungswirtschaft ein Informationssystem entwickelt, dass die Gefahr nach Jährlichkeit unterscheidet. Wie häufig kommen Hochwasser vor? Wie hoch steigt das Wasser? In der niedrigsten Klasse 1 gibt es, statistisch gesehen, seltener als alle 200 Jahre Hochwasser. In der höchsten Klasse 4 häufiger als alle zehn Jahre. Hier sind Hochwassersituationen quasi normal. Das sind sogenannte Hochwasser-Risikogebiete.

Walter Riester Dr. Martin Creutz

arbeitet bei der Provinzial Rheinland. Er ist Mitglied einer Projektsteuerungsgruppe des GDV, die Hochwasser und Starkregen erforscht.

 
In diesen Gebieten sind Häuser hochgradig gefährdet. Wie werden sie versichert?
Creutz: Wir prüfen das individuelle Risiko jedes Gebäudes. Dies geschieht zunächst durch eine Begutachtung vom Schreibtisch aus, mit Hilfe der umfangreichen Daten und Infos von ZÜRS Geo. Dann schaut man sich die örtlichen Gegebenheiten und zum Beispiel die Hochwasserschutz-Maßnahmen der Kommune an: Gibt es Deiche, in welchem Zustand sind die Deiche? Schließlich wird geprüft, inwieweit der Kunde baulichen Schutz vorgenommen hat bzw. vornehmen will. Das machen wir meistens mit dem Kunden gemeinsam vor Ort. Da gibt es auch Empfehlungen von uns: Sie können zum Beispiel mit transportablen Abdichtungen an Türen oder einem 20 cm hohen Betonsockel um die Kellerfenster herum schon sehr viel erreichen. Dann wird überlegt, zu welchen Konditionen ein Versicherungsschutz möglich ist.


 
Versicherungsschutz für alle
99 Prozent Gebäude und Haushalte in Deutschland sind problemlos gegen Hochwasser versicherbar. Auch für das restliche 1 Prozent der Gebäude kann in vielen Fällen eine individuelle Versicherungslösung angeboten werden.


 
Was können das für Konditionen sein?
Creutz: Dazu ein Beispiel aus Düsseldorf. In den Gefahrenzonen 1 und 2 kostet eine Elementarversicherung für ein Einfamilienhaus, Wert 250.000 Euro, zwischen 50 und 100 Euro jährlich. In den ZÜRS-Zonen 3 und 4 kostet das 200 bis 450 Euro. Je nach individueller Bewertung kalkulieren wir dann in der Zone 4 mit einem Selbstbehalt für Hochwasser von 10.000 bis 25.000 Euro. Damit ist man gut geschützt. Nicht vor jedem Schaden, aber vor einem, der die Existenz vernichtet.

Gibt es für jedes Haus in der Risikozone solch eine Versicherungslösung?
Creutz: Es gibt nur ganz wenige Häuser, bei denen kein Versicherungsschutz möglich oder wirtschaftlich sinnvoll ist. Grundsätzlich hat sich die Haltung der Versicherer in den letzten Jahren da auch geändert. Wir lassen die Menschen nicht im Regen stehen, sprichwörtlich.

ZÜRS Geo

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>> Schwerpunkt: Naturgefahrenreport 2013 – Die Schaden-Chronik der Versicherer