30.10.2013
Vorsorge

Stabile Häuser, mobile Systeme – baulicher Schutz vor Hochwasser

Wenn die Flut kommt, kommt sie durch die Öffnungen des Hauses: Tore, Türen, Fenster. Drängt zuerst in die Keller und überschwemmt sie. Kann höher steigen, Mobiliar und Inneneinrichtung zerstören. Kann das ganze Haus in seiner Substanz erschüttern. Mit Ein- und Umbauten lässt sich dem vorbeugen. Ein Überblick.

In Gebieten, die häufig von Hochwasser betroffen sind, entwickeln die Menschen inzwischen ganz besondere Strategien gegen das Wasser. So kommen sogar Schiffstüren zum Einsatz, um Hauseingänge zu schützen. Die Idee ist so einfach wie effektiv, schließlich verriegeln diese Türen tatsächlich wasserdicht und halten hohem Druck stand. Hausbesitzer sind nicht nur sich selbst verpflichtet, ihr Hab und Gut vor Hochwasser und Starkregen zu schützen. Auch das Wasserhaushaltsgesetz nimmt sie in die Pflicht. Schadenprävention besteht aus drei Strategien: Ausweichen, Abwehren, Nachgeben.

PfeilAusweichen
Ausweichen gilt dem Standort. Entweder wird das Haus erst gar nicht in Überschwemmungsgebieten gebaut oder es wird auf Pfähle gesetzt. Solche Häuser, die über dem bei Überschwemmung zu erwartenden Wasserspiegel stehen, gibt es beispielsweise in Köln. Damit ist eine praktische und ästhetische Lösung gefunden, denn im Alltag lässt sich der Raum zwischen den Pfählen als Garage nutzen.

PfeilAbwehren
Abwehren meint: Der Flut den Weg versperren oder zumindest erschweren. Durch Abdichten der Gebäudeöffnungen – u. a. Türen, Tore, Fenster – mit entsprechenden Materialien oder Schutzsystemen. Das können stabile stationäre oder mobile Barrieren sein. Erdschutzwälle, wasserdichte Sockel und wasserdichte Mauern wie Wände aus Beton gehören zu den stabilen stationären Systemen, Dammbalken oder Sandsäcke zu den mobilen. Den klaren Vorteil bieten feste Systeme, denn mobile Systeme brauchen höheren Aufwand. Der Umgang mit ihnen muss für den Notfall geübt werden, oft gestaltet sich die Lagerung schwierig oder die Systeme können nur einmal benutzt werden.

So können Häuser vor dem Hochwasser geschützt werden
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Zum Schutz des Kellers gibt es zwei bauliche Varianten: Die Weiße und die Schwarze Wanne. Bei der Weißen Wanne sind Wand und Sohle aus wasserdichtem Beton. Bei der Schwarzen Wanne ist der Keller von außen mit einer vollständigen Flächenabdichtung aus Bitumenbahnen „geteert“.

Wichtig ist es, die Abwasserleitungen gegen Rückstau zu sichern. Der entsteht, wenn die Kanalisation überlastet ist und Wasser nicht mehr abfließen kann. Der Rückstau drückt das Wasser von unten in den Keller und kann das ganze Haus überfluten.

PfeilNachgeben
Nachgeben ist die dritte Strategie, um das Haus durch den Wasserdruck von außen nicht in seiner Standfestigkeit zu gefährden. Das Wasser wird in den Keller gelassen, um den Druck auszugleichen. Ob und wie weit ein Gebäude geflutet werden sollte, muss ein Statiker entscheiden. Auch der Versicherer sollte über das Vorhaben informiert werden, vorausgesetzt, es ist keine sofortige Notmaßnahme. Der Versicherer hilft zudem, die weitere Präventionsstrategie festzulegen.

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