15.10.2013
Versicherungspolitik in Europa

AssekuranzAgenda – Ausgabe 35, Aug/Sep 2013

Mehrere europäische Initiativen zielen derzeit darauf ab, die künftige Produktlandschaft im Bereich der privaten Altersvorsorge zu vereinheitlichen. Sowohl die Europäische Kommission als auch die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) versuchen, einen Regulierungsrahmen für ein europaweit einheitliches einfaches Produkt für die Altersvorsorge zu entwickeln. Erklärtes Ziel der Initiativen ist es, den Binnenmarkt zu vertiefen und den Verbraucherschutz zu verbessern.

Die Annahme, dass hier bislang Defizite bestehen, ist allerdings fraglich. Außerdem ist zu befürchten, dass im Ergebnis sozialpolitisch zentrale nationale Standards, wie lebenslange Versorgung bis ins hohe Alter oder Kapitalgarantien, verdrängt werden. Unter dem Vorwand von Einfachheit und Transparenz würden standardisierte Sparprodukte fälschlicherweise zu Altersversorgungsprodukten deklariert und das passgenaue Zusammenspiel der drei Säulen der Alterssicherung gefährden.

Fakt ist: Die nationalen Rentensysteme und deren sozialpolitische Traditionen sind höchst verschieden und damit auch der Sinn und Zweck privater Altersvorsorge. Dass es in den einzelnen Ländern unterschiedliche Produkte zur Vorsorge für den Ruhestand gibt und ihre steuerliche Behandlung sozialpolitische Lenkungswirkung entfalten soll, hat also seine Berechtigung. Ein Einheitsprodukt kann diesen Besonderheiten nicht Rechnung tragen. Bislang hat noch niemand den Nachweis erbracht, dass Produktvielfalt auf einen mangelhaften Binnenmarkt schließen lässt oder dass umgekehrt ein europaweit einheitliches Produktkorsett zu einer höheren Effizienz führen würde.

Den vollständigen Artikel zum Titelthema “Braucht Europa ein einheitliches Europäisches Altersvorsorgeprodukt?” finden Sie in der AssekuranzAgenda im Download-Bereich.

Weitere Themen dieser Ausgabe:

  • Was sind Schattenbanken?: Europäische Kommission legt konkrete Definition vor
  • Abwicklung von Nichtbanken: Trennscharfe Unterscheidung zu Versicherungen nötig
  • Europäisches Finanzaufsichtssystem: EU-Kommission startet Überprüfung
  • Europäisches Versicherungsvertragsrecht: Expertengruppe untersucht Bedarf
  • PRIPs-Verordnungsvorschlag: Europäisches Parlament vertagt Abstimmung
  • IMD2, MiFID2 und PRIPs: Schnittstellen sollten pragmatisch gelöst werden
  • De-minimis-Bekanntmachung: Konsultation zu neuem Entwurf
  • Finanztransaktionssteuer: Aktuelle Positionierungen von Kommission und Rat
  • Zahlungsdiensterichtlinie: EU-Kommission stößt Überarbeitung an
  • eCall: Verstärkte Forderungen nach offener Standard-Schnittstelle
  • Marktmissbrauchs-Verordnung: Parlamentsbeschluss nach langem Ringen
  • Pauschalreise-Richtlinie: Keine Haftung für höhere Gewalt
  • Haftung im Nuklearbereich: Konsultation der EU-Kommission gestartet