29.08.2013
Ausbildungsstart

Welche Versicherungen für Azubis wichtig sind

Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Kfz-Mechatroniker: Das sind die beliebtesten Ausbildungsberufe bei deutschen Jugendlichen, die mittlerweile unter rund 350 Ausbildungsjobs wählen können. Im September beginnt traditionell für viele Schulabgänger das neue Ausbildungsjahr und damit auch ein neuer Lebensabschnitt. GDV.DE erklärt, welche Versicherungen für Auszubildende jetzt wichtig sind.

Eine neue Aufgabe, neue Kollegen, und, ganz klar, auch das erste eigene Geld: Der Ausbildungsbeginn bringt für viele junge Menschen grundlegende Veränderungen im täglichen Leben mit sich. Mit der eigenen Arbeitskraft können sie nun auch ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten.

Absicherung bereits am Anfang des Berufslebens
Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie nicht etwa durch einen Unfall oder eine Krankheit berufsunfähig werden. „Am Anfang des Berufslebens ist es deshalb sehr wichtig, dass Auszubildende sich absichern, falls sie mal nicht mehr arbeiten können”, empfiehlt Mathias Zunk vom GDV-Verbraucherservice.

Auszubildende können sich nicht darauf verlassen, in Falle der Berufsunfähigkeit vom Staat ausreichend finanzielle Unterstützung zu bekommen. Für Menschen, die nach dem 1. Januar 1961 geboren wurden, gibt es nur noch die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Deshalb ist eine private Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit umso wichtiger, um den Lebensstandard halten zu können.

Berufsunfähigkeit: Je jünger, desto weniger Beitrag
Die private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente,  so lange der Versicherte nicht mehr arbeiten kann. Maximal wird die Rente bis zum vereinbarten Vertragsablauf bezahlt. Für Auszubildende gibt es zudem noch einen weiteren Vorteil, sagt Mathias Zunk: „Junge Menschen bezahlen in der Regel weniger an monatlichen Beiträgen als ältere Arbeitnehmer.”

  • Ausreichende Höhe:
    Wie hoch soll die monatliche Rente sein? Die Summe sollte eine ausreichende Höhe haben, um den gewohnten Lebensstandard halten zu können.
  • Wahrheitsgemäße Angaben bei der Risikoprüfung:
    Werden bei der Risikoprüfung falsche Angaben gemacht oder etwa Vorerkrankungen verschwiegen, ist der Versicherer berechtigt, von seiner Leistungspflicht zurückzutreten. Das heißt, im Falle der Berufsunfähigkeit besteht dann kein Leistungsanspruch.
  • Laufzeit:
    Der Versicherungsvertrag sollte bis kurz vor dem geplantem Rentenbeginn laufen. Grund: Das Risiko, im Alter berufsunfähig zu werden, ist deutlich höher als in jungen Jahren.
  • Nachversicherungsgarantie:
    Wenn der Azubi fertig ist mit der Lehre und das Gehalt steigt, sollte auch der Berufsunfähigkeitsschutz angepasst werden. Wurde eine entsprechende Nachversicherungsgarantie vereinbart, kann diese Anpassung ohne erneute Gesundheitsprüfung vorgenommen werden.
  • Ausschlussklauseln: 
    Bestehen bestimmte Vorerkrankungen oder Unfallfolgen, ist das Risiko erhöht, dass die versicherte Person berufsunfähig wird. Da der Beitrag vom Risiko abhängt, muss sich das in Kalkulation niederschlagen.
     
    Nicht immer kann man das höhere Risiko durch einen höheren Beitrag ausgleichen. Um trotzdem Versicherungsschutz zu erhalten, können diese Vorerkrankungen vertraglich ausgeschlossen werden. Das heißt: Führen die Vorerkrankungen zur Berufsunfähigkeit, besteht kein Leistungsanspruch.

 
Altersvorsorge: Je früher, desto besser
Auch wenn das Gehalt für viele Auszubildende noch schmal ist, lohnt sich die Riester-Rente – gerade für Geringverdiener. Da Auszubildende gesetzlich rentenversichert sind, bekommen sie auch die staatliche Riester-Förderung. Mathias Zunk vom GDV-Verbraucherservice: „Als Faustformel gilt hier: Je früher man mit der Altersvorsorge beginnt, desto mehr hat man im Alter davon.”

Haftpflichtversicherung: Nach der Ausbildung eigener Schutz notwendig
Wer einen Schaden verursacht, sei es an Gegenständen oder anderen Personen, muss dafür haften. Das gilt natürlich auch für Auszubildende. Vor Schadenersatzansprüchen schützt da eine private Haftpflichtversicherung, die für jeden ein Muss ist. Während der Ausbildung sind die Jugendlichen über die Eltern mit versichert. Sind Studium oder Ausbildung hingegen beendet, benötigen sie einen eigenen Schutz.

Krankenversicherung vorher suchen
Wenn die Ausbildung beginnt, sind die Jugendlichen nicht mehr über über ihre Eltern krankenversichert. Sinnvoll ist es, wenn sich Auszubildende noch vor dem Arbeitsbeginn für ihre bevorzugte Krankenkasse entschieden. Andernfalls wird der Arbeitgeber eine Krankenkasse für den neuen Mitarbeiter festlegen. Fast immer sind Auszubildende in der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert.

Eigene Hausratversicherung bei eigenem Hausstand
In vielen Fällen sind Auszubildende weiterhin über die Hausratversicherung der Eltern geschützt; denn hier gilt der sogenannte Außenversicherung der Hausratversicherung. Die Police greift, wenn das eigene Hab und Gut durch Einbrecher gestohlen wird oder wenn zum Beispiel Sturm, Feuer oder Leitungswasser den Besitz zerstören. Einzige Ausnahme: Der Azubi lässt sein altes Jugendzimmer bei den Eltern und richtet sich neu ein („eigener Hausstand“), dann benötigt er eine eigene Hausratversicherung. Im Zweifel sollten Azubis den Versicherer der Eltern fragen.

Mathias Zunk Mathias Zunk
Versicherungsexperte beim Verbraucherservice des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft

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