01.08.2013
Altersvorsorge

Warum der staatliche Vorsorgefonds keine gute Alternative ist

Es klingt alles so schön und einfach: Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bringt heute in der Süddeutschen Zeitung den sogenannten Vorsorgefonds als Alternative zur Riester-Rente ins Spiel. „Kostengünstig, transparent und einfach“ soll er sein. Doch so einfach, wie Niels Nauhauser sich das ausmalt, ist es leider nicht, denn eine bessere finanzielle Absicherung im Alter würde mit dem Vorsorgefonds nicht erreicht.

Die Forderung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nach einem angeblich kostengünstigeren Vorsorgefonds etwa wie in Schweden oder Norwegen geht an der Wirklichkeit vorbei. Nach Ansicht des GDV verbessert der vorgeschlagene Vorsorgefonds aus mehreren Gründen die finanzielle Vorsorge der Bevölkerung nicht:

  • Der Vorsorgefonds bietet weder lebenslange Renten noch eine Mindestgarantie für die Leistungen. Es ist alles andere als einfach, den Vermögensabbau im Alter zu steuern, noch dazu, wenn der Fonds in volatilen Anlagen investiert ist. Die Gefahr der Altersarmut wird dadurch erhöht.
  • Reicht das Geld bei Menschen im hohen Lebensalter dann nicht aus, muss der Steuerzahler in Form der Grundsicherung einspringen.
  • Die Kapitalerträge des staatlichen Vorsorgefonds würden stark schwanken. Für die Vorsorgesparer bedeutet das: Eine Planungssicherheit ist nicht möglich.
  • Der Staat könnte in Krisenzeiten auf den Vorsorgefonds zugreifen wollen. Eine „Quasienteignung“ des Kapitals ist daher möglich, wie es in Irland und in Spanien geschehen ist.

Der staatliche Vorsorgefonds, der vergleichbar zu den Modellen in skandinavischen Ländern ist, hat deutliche Schwächen. In Schweden ist die kapitalgedeckte Zusatzvorsorge obligatorisch, in Deutschland ist sie freiwillig. In Norwegen werden hohe Überschüsse aus der Förderung staatseigener Ölvorkommen in eine Generationenrücklage eingebracht, die weltweit in Aktien anlegt. Einen individuellen Anspruch auf Leistungen gibt es nicht. Die Erfahrung zeigt: Ohne individuelle Beratung zum Vorsorgebedarf und ohne individuell anpasste Lösungen sorgen die meisten Bürger nicht vor.

Gerade staatliche Banken haben in der Finanzkrise besonders viel Geld verspekuliert
„Das billigste Produkt nützt nichts, wenn es nicht zum Kunden kommt”, sagt Alexander Erdland, Präsident des GDV. Der Ruf nach dem Staat übersehe zudem, dass „es gerade staatliche Banken waren, die in der Finanzmarktkrise besonders viel Geld verspekuliert haben.“ Dass der Staat bei der Altersvorsorge alles prinzipiell besser machen würde, wie der Vorschlag zum Vorsorgefonds aus Baden-Württemberg suggeriert, ist damit widerlegt.

Statt der Riester-Rente untaugliche Modelle wie ein Vorsorgekonto entgegenzusetzen, sind vielmehr konstruktive Verbesserungen gefragt. Die Riester-Rente ist noch relativ jung und selbstverständlich gibt es Aspekte, die weiter verbessert werden können.

Wie die Riester-Rente verbessert werden sollte
Zur sinnvollen Optimierung zählen Maßnahmen wie die Dynamisierung des Fördervolumens und eine Erhöhung der Grundzulage. Damit können die mit der Einkommens- und Inflationsentwicklung wachsenden Versorgungslücken geschlossen werden. Dazu sollten künftig Beiträge einschließlich Zulagen von bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze förderfähig sein. Dies bedeutet bezogen auf 2013 eine Anhebung von derzeit 2.100 Euro auf 2.784 Euro. Außerdem muss das Problem der Anrechnung von freiwilliger Eigenvorsorge bei der Grundsicherung zum Beispiel durch Freibeträge gelöst werden. Wer vorsorgt, muss im Alter mehr haben, als derjenige, der dies nicht tut.

Darüber hinaus gibt es Verbesserungsmöglichkeiten, die die Altersvorsorge insgesamt betreffen – Stichworte Übersichtlichkeit und Transparenz. Ein gut gemachtes, einheitliches Informationsblatt für geförderte Altersvorsorgeprodukte erhöht deren Transparenz und erleichtert Verbrauchern vor Vertragsabschluss die Entscheidung. Der GDV hatte hier bereits frühzeitig Vorschläge gemacht.

Säulenübergreifende Renteninformation schafft Transparenz
Und auch nach dem Abschluss von Vorsorgeverträgen sollten die Verbraucher einen Überblick behalten können. Derzeit ist es jedoch noch nicht möglich, eine Gesamtübersicht über alle Rentenansprüche zu erhalten. Eine säulenübergreifende Renteninformation würde Transparenz schaffen, mit welchen Leistungen aus den verschiedenen Quellen im Alter insgesamt zu rechnen ist. Um mögliche Versorgungslücken bedarfsgerecht identifizieren zu können, setzen wir uns dafür ein, eine entsprechende Plattform zu schaffen.

Mehr zum Thema:
>> Altersvorsorge: Welche Alternativen zur Riester-Rente bieten andere Länder?
>> Politische Position des GDV zur Altersvorsorge
>> Rentendebatte: Drei Säulen, ein Ziel