29.08.2013
Interview

„Viele Frauen vertrauen darauf, dass es schon irgendwie gut gehen wird“

35 Millionen Deutsche sind zwischen 30 und 59 Jahre alt und gehören damit der sogenannten „Generation Mitte“ an. Wie zufrieden die mit ihrem Leben ist und welche Sorgen, Wünsche und Hoffnungen sie hat, zeigt eine Studie im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Erstellt hat die das Meinungsforschungsinstitut Allensbach – und mit deren Chefin Renate Köcher sprechen wir jetzt über die wichtigsten Ergebnisse

Frau Professor Köcher, Sie haben die Lebenssituation, Hoffnungen und Sorgen der „Generation Mitte“ untersucht. Was ist dieser Generation denn besonders wichtig?
Renate Köcher: „Man kann sagen, ihr ist besonders wichtig: Sicherheit. Sie will kalkulierbare Rahmenbedingungen haben, sie will in einem stabilen Umfeld leben, einen sicheren Arbeitsplatz haben und, was ihr auch ganz wichtig ist, unabhängig sein, finanziell unabhängig sein – in feste Gemeinschaften eingebettet und gleichzeitig aber unabhängig in finanzieller Hinsicht.“

Und wovor hat diese Generation Angst?
„Die Sorgen und Ängste sind eigentlich alles, was die Stabilität der eigenen Lebensbedingungen bedrohen könnte – also gesundheitliche Probleme, eigene oder die von Angehörigen. Was die Generation auch umtreibt, ist die Sorge, dass die eigenen Eltern pflegebedürftig werden könnten. Aber natürlich auch, dass man den eigenen Lebensstandard langfristig nicht halten kann. Viele – über vierzig Prozent – machen sich sogar Sorgen, dass ihr Einkommen in den nächsten Jahren nicht ausreichen könnte.“



Interview_Renate-Koecher_Generation_Mitte.mp3
Dauer: 4:46


 
Was ist für Sie die wichtigste Erkenntnis der Studie?
„Was mich überrascht hat: Obwohl die Leute sagen, ich mache mir Sorgen, ob ich langfristig meinen Lebensstandard halten kann, wie wenig systematisch sie sich mit dieser Frage beschäftigen. Und vor allem, wie sehr Frauen darauf vertrauen, dass es schon irgendwie gut gehen wird, obwohl in Deutschland ja die große Mehrheit der Frauen in der Familienphase ganz stark zurücksteckt oder sogar ausscheidet und oft danach nicht mehr in eine Vollzeittätigkeit zurückkehrt. Die Frauen laufen hier beträchtliche Risiken. Und ich glaube, gerade Frauen müssten sich wesentlich intensiver mit diesen Risiken beschäftigen.“

Frau Professor Köcher, vielen Dank für das Gespräch!
„Gerne.“

Mehr zum Thema: Ansprechpartnerin:
>> Umfrage „Generation Mitte“: Nachholbedarf bei der Altersvorsorge
>> Allensbach-Umfrage: Generation Mitte – Die Studienergebnisse in Kürze
Una Großmann
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