22.08.2013
GDV-Präsident Erdland zur Debatte um Vertriebskosten

„Keine Denkverbote“

GDV-Präsident Alexander Erdland fordert eine offene Debatte über die Höhe von Vertriebskosten. Das Provisionsmodell an sich stehe aber nicht zur Diskussion.

In der Diskussion über eine Begrenzung von Vermittlungsprovisionen bei Lebensversicherungen hat sich Alexander Erdland für eine offene Debatte in der Branche ausgesprochen. Die Kosten für Altersvorsorgeprodukte stünden mehr denn je im Fokus der Politiker, Kunden und Verbraucherschützer. „Deshalb darf es bei uns keine Denkverbote geben – auch nicht in solch zentralen Punkten wie den Vertriebskosten“, sagte der Präsident des GDV in einem Interview mit dem Branchenportal „Versicherungswirtschaft-Heute“.

Inhaltliche Auseinandersetzung am Anfang ohne Vorfestlegungen
Anfang der Woche war bekannt geworden, dass sich der GDV mit einer möglichen Begrenzung von Vertriebsprovisionen in der Lebensversicherung befasst. Erdland betonte, dass die inhaltliche Auseinandersetzung noch am Anfang stehe und es keine Vorfestlegungen gebe. „Die Diskussion wird gründlich und mit allen Beteiligten geführt. Das braucht Zeit.“ Eine Abschaffung des provisionsbasierten Modells steht aus Sicht des GDV-Präsidenten jedoch nicht zur Debatte: „Wir sind von der Stärke des Provisionsvertriebs überzeugt.“

Gemeinsame Position der Branche finden
Erdland wies zugleich den Vorwurf zurück, der Vorstoß diene nur dazu, einer zu strengen Regulierung zuvorzukommen. Stattdessen gehe es darum, als Branche eine gemeinsame Position zu finden für den kommenden Dialog mit der Politik, die das Thema Provisionen längst auf die Tagesordnung gesetzt habe und in verschiedenen Initiativen anginge.

Als Beispiel nannte Erdland eine Studie im Auftrag des Bundesfinanzministeriums, die sich mit der Kostenbegrenzung bei Riester-Produkten befasst. „Wenn wir uns hierauf nicht vorbereiten würden, hätten wir als Branchenverband unseren Auftrag verfehlt“, betonte Erdland.

Eine Begrenzung von Abschlusskosten bzw. der Abschlussvergütung in der Lebensversicherung hat es bereits in der Vergangenheit gegeben. Eine entsprechende aufsichtsrechtliche Begrenzung wurde von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) 2008 jedoch aufgehoben, gegen das ausdrückliche Petitum der Branche.

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