29.08.2013
Mindestzuführungsverordnung

Berichterstattung zur Lebensversicherung entpuppt sich als Ente

Die Information der Süddeutschen Zeitung, nach der zehn Gesellschaften bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen Antrag auf Aussetzung der Mindestzuführungsverordnung gestellt hätten, war und ist falsch.

Der GDV stellt fest, dass kein am deutschen Markt tätiger Lebensversicherer die Möglichkeit zur Aussetzung der Mindestzuführungsverordnung in Anspruch nimmt. „Diese Verunsicherung von Millionen Altersvorsorgesparern verurteilen wir auf das Schärfste“, betont Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).“

Dr. Alexander Erdland Dr. Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV):

„Diese Verunsicherung von Millionen Altersvorsorgesparern verurteilen wir auf das Schärfste.”

 
Ein routinemäßiger Antrag der freiwilligen Sicherungseinrichtung entspricht den Aufgaben der Sicherungseinrichtung, stellt einen vergleichbaren Rechtszustand zum gesetzlichen Sicherungsfonds her und führt daher zu keiner anderen Bewertung.

Update 03.09.2013

Hintergrund: Mindestzuführungsverordnung

Die Überschüsse eines Lebensversicherers speisen sich in der Regel aus drei Quellen:

  • Kapitalanlageergebnis
  • Risikoergebnis
  • Sonstiges Ergebnis

Die 2008 in Kraft getretene Mindestzuführungsverordnung regelt, dass für jede Gewinnquelle getrennt ermittelt werden muss, wie die Versicherten daran zu beteiligen sind. So sind aus den Kapitalerträgen mindestens 90 %, aus den Risikogewinnen mindestens 75 % und aus den Kostengewinnen mindestens 50 % an die Kunden weiterzugeben.

Es sind aber grundsätzlich auch Jahre denkbar, in denen eine Gewinnquelle vorrübergehend negativ wird. Dann wäre es durch die getrennte Betrachtung der Töpfe möglich, dass mehr an Überschüssen ausgeschüttet wird, als tatsächlich unter dem Strich erwirtschaftet wurde. Diese Mehrausschüttung ginge dann zu Lasten der Substanz des Versicherers.

Aus diesem Grund können die Unternehmen bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragen, zunächst ihre Gewinne und Verluste zu verrechnen, bevor die Gewinnausschüttung erfolgt. Bis 2008 war dies auch ohne gesonderten Antrag möglich.

Für die Kunden wird also sichergestellt ist, dass sie vollständig am tatsächlichen Gewinn beteiligt werden. Gleichzeitig wird – im Interesse der Gesamtheit aller Kunden – jedoch vermieden, dass zu Lasten der Substanz mehr als 100 % des Gewinns ausgeschüttet werden muss.

Die Möglichkeit, im Ausnahmefall die verschiedenen Gewinn- und Risikoquellen gegeneinander auszugleichen, begründet die besondere Stärke der Versicherungsunternehmen. Neben dem Ausgleich der verschiedenen Risikoarten sind der Risikoausgleich innerhalb der Versichertengemeinschaft und über die Zeit wesentliche Stabilisatoren der Risikotragfähigkeit der Gesellschaft.

Sollten in einem Bilanzjahr die Kapitalerträge nicht ausreichen, um die garantierten Zinsen, die Ausschüttung von Bewertungsreserven und die Stellung einer Zinszusatzreserve zu finanzieren, wird das Kapitalanlageergebnis nach Verwendung der Erträge für diese Zwecke negativ. Auf Antrag bei der BaFin kann nun das negative Kapitalanlageergebnis zunächst durch das Risikoergebnis und das sonstige Ergebnis ausgeglichen werden, bevor der tatsächlich erwirtschaftete Gewinn ausgeschüttet wird.