05.07.2013
trendbrief altersvorsorge

Eine gute Rente für alle Generationen

Nicht nur das Leben, auch die Altersvorsorge ist für viele unübersichtlich und komplex geworden. Wer in unsicheren Zeiten wie diesen für sein Alter vorsorgen will, muss mehr Geld, Zeit und Ausdauer einsetzen als früher. Dies ist eines der Themen aus dem neuen trendbrief altersvorsorge, der zukünftig regelmäßig über Trends, Perspektiven und Analysen rund um die Themen Demografie, Altersarmut, Renten und Altersvorsorge berichten wird.

Höhere Lebenserwartung = nachlassende Gesundheit?
Auch in Deutschland steigt die Lebenserwartung seit Jahrzehnten kontinuierlich an. In den letzten 50 Jahren hat sie sich für beide Geschlechter um etwa 11 Jahre erhöht. Bis zum Jahr 2050 rechnet das Statistische Bundesamt (2009) mit einem weiteren Anstieg der Lebenserwartung auf 87,2 (Männer) bzw. 90,9 Jahren (Frauen). Damit würde sich die Lebenserwartung in Zukunft um rund zwei Jahre pro Dekade erhöhen.

Umfragen zeigen, dass sich die Menschen heute immer jünger fühlen.

Eine höhere Lebenserwartung muss nicht mit einem schlechter werdenden Gesundheitszustand einhergehen. Umfragen zeigen, dass sich die Menschen immer jünger fühlen – und zwar zwischen 10 und 20 Jahren weniger als ihr tatsächliches Alter. Die gesunden Lebensjahre ab dem Alter 65 nehmen kontinuierlich zu.

Kompensation der Rentenlücke durch steigende Produktivität?
Die Bevölkerung wird dagegen aufgrund geringer Geburtenraten bis 2030 auf etwa 79 Millionen und bis 2050 auf etwa 73,6 Millionen abnehmen. Der Anteil der über 65-Jährigen wird sich im selben Zeitraum im Verhältnis zu den 20- bis 64-Jährigen von heute 34 Prozent auf rund 53 Prozent (2030) bzw. auf rund 64,4 Prozent (2050) erhöhen. Mehr als jeder vierte Deutsche ist dann 65 Jahre oder älter. Können demografischer Wandel und der Rückgang der Arbeitskräfte durch eine steigende Produktivität ausgeglichen werden?

In Folge geringerer Geburtenraten wird die Bevölkerung bis 2050 auf etwa 73,6 Millionen abnehmen.

Natürlich ist es gut, wenn die Wirtschaft und damit auch der Verteilungsspielraum für Erwerbstätige und Rentner wachsen. Produktivitätssteigerungen genügen aber alleine nicht als Antwort auf die Frage nach dem richtigen Rentenniveau, also dem Verhältnis von Renten zu den Löhnen. Eine gute Rentenpolitik muss die Lasten zwischen den Generationen, zwischen Erwerbstätigen und Rentnern fair verteilen. Dazu gehören die Anhebung des Renteneintrittsalters, moderat steigende Beitragssätze und ein sinkendes Rentenniveau.

Führt ein sinkendes Rentenniveau zu Altersarmut?
Die Politik hat sich aus Gründen der Generationengerechtigkeit Zielwerte für den Beitragssatz und das Rentenniveau gegeben. Der Beitragssatz soll bis zum Jahr 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent der Löhne steigen. Die Renten sollen im Verhältnis zu den Löhnen auf 46 Prozent bis zum Jahr 2020 bzw. 42 Prozent bis zum Jahr 2030 sinken. Daraus eine millionenfache Altersarmut für die Zukunft abzuleiten, ist dennoch ein Irrtum. Die gesetzliche Rente ist zwar eine wichtige, aber bei weitem nicht die einzige Quelle für Einkommen im Alter. Und der Staat fördert den Aufbau zusätzlicher Alterseinkommen in der privaten und betrieblichen Vorsorge.

Tatsächliche Anzahl und Prognose der Entwicklung der Hundertjährigen in Deutschland

Die steigende Lebenserwartung bei steigender Gesundheit bietet zudem die Chance, länger zu arbeiten. Aus der Rente mit 67 ergibt sich also ein günstiger Effekt, der an der Entwicklung des Standardrentenniveaus mit einer normierten Zahl von Beitragsjahren gar nicht ablesbar ist. Eine längere Erwerbstätigkeit bedeutet höhere Rentenansprüche insbesondere dann, wenn zusätzlich privat vorgesorgt wird. Werden die Leistungen etwa aus einer Riester-Rente berücksichtigt, bleibt das Versorgungsniveau vor Steuern nahezu konstant. Für Versicherte mit Kindern wird das Niveau sogar höher ausfallen. Altersarmut ist somit gerade keine zwangsläufige Folge der Reformen.

Auch heute beziehen zahlreiche Rentner z.B. aufgrund unterbrochener Erwerbsbiografien eine relativ schmale gesetzliche Rente. Sie sind aber deshalb nicht arm, weil sie über den Partner abgesichert sind oder neben der Rente über Einnahmen aus Mieten etc. verfügen.

Lohnt sich Riester nur für 100-Jährige?
Studien wie die des DIW , die der Riester-Rente eine geringe Rendite attestieren bzw. zu dem Schluss kommen, der Sparer müsse sehr alt werden, um in den Genuss einer bestimmten Rendite zu kommen, erliegen einem methodischen Irrtum: Sie rechnen den Rendite erhöhenden Effekt der staatlichen Förderung heraus. Zudem bringt Riester durch die Überschussbeteiligung deutlich mehr als nur die garantierten Leistungen. Gerade für Geringverdiener und Familien ist die Riester-Rente eine besonders rentable Altersvorsorge. Die Rahmenbedingungen für die geförderte Altersvorsorge werden durch das Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz weiter verbessert. Die Attraktivität der Riester-Rente wird so auch für die Zukunft gestärkt.

Riester-Rente lohnt sich

Die Riester-Rente lohnt sich – gerade für Geringverdiener und Familien ist sie eine besonders rentable Altersvorsorge.


 
Der Blick ins Ausland: Das deutsche Drei-Säulen-Modell hat sich bewährt, bedarf aber einer verständlichen und transparenten Information
Als Alternative zur deutschen Riester-Rente wird vor allem das schwedische Modell genannt. Hier gilt ein Mischsystem der staatlichen Alterssicherung: eine umlagenfinanzierte, einkommensbezogene Altersrente und eine obligatorische kapitalgedeckte Prämienrente. Da letztere eine Pflichtversicherung ist, fallen keine Vertriebs- bzw. Abschlusskosten an. Es gibt aber auch Nachteile: Eine staatliche Förderung fehlt insbesondere für Geringverdiener und Familien. Der Versicherte trägt allein das Kapitalmarktrisiko, da eine garantierte Mindestrente wie bei der Riester-Rente nicht existiert.

Das deutsche Drei-Säulen-Modell hat sich bewährt. Entscheidend für die finanzielle Situation im Alter ist das Einkommen aus allen drei Säulen der Alterssicherung. So kommt auch eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zu dem Fazit: „Aufgrund der zu erwartenden Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung wird zur Erhaltung des Lebensstandards die staatliche organisierte Alterssicherung nicht ausreichen, sodass sowohl die private als auch die betriebliche Vorsorge verstärkt werden muss.“

Das Bewusstsein für eine zusätzliche Altersvorsorge erhöhen würde eine säulenübergreifende Renteninformation nach dänischem Vorbild. In Deutschland informiert bislang jede der drei Säulen für sich: gesetzliche Rente, betriebliche und private Altersvorsorge.

Eine säulenübergreifende Informationsplattform macht für jeden Bürger transparent, mit welchen Leistungen er im Alter rechnen kann. So kann in Dänemark jeder Bürger den Stand seiner Vorsorge über eine Internetplattform jederzeit einsehen.

Perspektive 2050 – Herausforderung demografischer Wandel
Juni 2013
 
 
Inhalt:

– Zahlen, Daten, Fakten
– 5 Fragen an Dr. Alexander Erdland, GDV-Präsident
– Schwerpunkt: Eine gute Rente für alle Generationen
– Interview mit Prof. Dr. Jochen Ruß, ifa Ulm
 
 
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Mehr zum Thema: Ansprechpartnerin für Presseanfragen:
>> Artikel auf GDV.DE zum Thema „Demografischer Wandel“
>> Die 10 häufigsten Fragen zur Riester-Rente
>> 10 Jahre Riester-Rente: Und sie lohnt sich doch!
Una Großmann
Tel.: 030/ 2020 – 5185
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