18.07.2013
Grünbuch der EU-Kommission

Deutsche Versicherer fordern verbesserte Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen

Für die Finanzierung der Wirtschaft und Schaffung nachhaltigen Wachstums braucht Europa langfristige Investitionen. Durch die Finanzkrise und zunehmende Regulierung institutioneller Investoren könnte langfristig zur Verfügung gestelltes Kapital aber in Zukunft knapper werden. Mit diesen Fragen setzt sich die Europäische Kommission in ihrem Grünbuch Long Term Financing of the European Economy auseinander, zu dem der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) umfassend Stellung genommen hat.

Die Finanzkrise hat gezeigt, dass kurzfristiges und opportunistisches Verhalten von Marktteilnehmern die Finanzstabilität gefährdet und Wohlstand vernichtet. Versicherer können in langfristige, sichere Anlagen investieren, weil sie gegenüber ihren Kunden langfristige Verpflichtungen eingehen. Deshalb sind Versicherer bereits heute verlässliche Kapitalgeber für Immobilien, Unternehmen, Banken und die öffentliche Hand. Damit sich die Assekuranz bei der Finanzierung der europäischen Wirtschaft auch in Zukunft engagieren kann, müssen die Rahmenbedingungen zu Versicherern passen: Regeln, die nicht zu einer auf Sicherheit und Langfristigkeit ausgerichteten Kapitalanlage passen, setzen falsche Investitionsanreize.

Die deutschen Versicherer gehören mit einem Kapitalanlagenbestand von 1,35 Billionen Euro zu den größten Investoren in Europa. In seiner Stellungnahme nennt der GDV wesentliche Rahmenbedingungen für eine langfristige Kapitalanlage. Die vier Hauptkriterien:

  • Als langfristige Investoren brauchen Versicherer ein stabiles Investitionsumfeld. Versicherer sind langfristige und sicherheitsorientierte Investoren. Dauerhaft stabile Rahmenbedingungen und hohe Planungssicherheit sind wesentliche Voraussetzungen für Investitionen mit zehn- oder zwanzigjährigen Laufzeiten. Vor allem müssen für bestehende Anlagen nachträgliche oder rückwirkende Änderungen der Investitionsbedingungen vermieden werden.
  • Aufsichtsregelungen dürfen Versicherer nicht zur Kurzfristperspektive zwingen: Versicherer sind keine Banken. Aufgrund ihres langfristigen Geschäftsmodells und ihrer gesicherten Liquiditätsplanung können sie ihr Kapital langfristiger anlegen als alle anderen Investoren und gehen – anders als Banken – dadurch keine zusätzlichen Risiken ein. Diese Langfristperspektive muss sich auch in den Aufsichtsregeln niederschlagen.
  • Eigenmittelanforderungen für risikoarme langfristige Kapitalanlagen müssen gesenkt werden: Unter Solvency II sollen langfristige Investitionen in Energie- und Infrastruk­turprojekte mit riskanten Kapitalanlagen wie Hedgefonds gleich­gestellt und mit bis zu 59 Prozent Eigenmitteln unterlegt werden – obwohl sie aufgrund gut planbarer Einnahmen deutlich sicherer sind. Das gilt es zu korrigieren. Auch die Eigenmittelanforderungen für die Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen sowie von Immobilien müssen gesenkt werden.
  • Rechnungslegungsstandards müssen Vorteile des langfristigen Geschäfts honorieren: Die Bilanzierungsregeln für Versicherer sollten auf ihr Geschäftsmodell abgestimmt werden, um negative Auswirkungen auf langfristige Investitionsstrategien zu vermeiden. Insbesondere eine reine Marktbewertung der versicherungstechnischen Rück­stellungen und Kapitalanlagen wird dem langfristigen Charakter des Geschäftsmodells der deutschen Versicherer nicht gerecht und würde Kurzfristanreize setzen.

Die vollständige GDV-Stellungnahme (engl.) steht Ihnen auf dieser Seite im Download-Service zur Verfügung.

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Stellungnahme

GDV-Comments on the Green Paper “Long-Term Financing of the European Economy” of the EU-Commission of 25 March 2013

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