04.06.2013
Umfrage

Aus Angst vor den Kosten eines Rechtsstreits würden zwei Drittel der Deutschen auf ihr Recht verzichten

  • Finanzielle Absicherung eines Rechtsstreit wird immer wichtiger
  • Verbraucher brauchen Orientierung bei Rechtsangelegenheiten
  • Menschen wollen Rechtsschutzversicherung als Lotsen bei der Lösung rechtlicher Probleme

Mehr als zwei Drittel der Deutschen (71 Prozent) haben Angst vor den Kosten einen Rechtsstreits. Deshalb würden sie darauf verzichten einen Anwalt einzuschalten. Dies zeigt eine aktuelle forsa-Studie im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), die heute in Berlin vorgestellt wurde. In der Studie wurde untersucht, wie Verbraucher sich im Falle eines Rechtsstreits fühlen und was sie von ihren Vertragspartnern wie Anwälten oder Rechtsschutzversicherern erwarten.

Gerhard Horrion Gerhard Horrion, Vorsitzender der Kommission Rechtsschutzversicherung im GDV:

„Der Zugang zum Recht darf keine Frage der wirtschaftlichen Stärke des Einzelnen sein.“

 
„Der Zugang zum Recht darf keine Frage der wirtschaftlichen Stärke des Einzelnen sein“, sagte Gerhard Horrion, Vorsitzender der Kommission Rechtsschutzversicherung im GDV. „Der Jahresbeitrag für eine Rechtsschutzversicherung liegt häufig schon unter dem Stundenhonorar eines Anwaltes.“ Für über 70 Prozent der Befragten ist die finanzielle Absicherung bei einem Rechtsstreit durch eine Rechtsschutzversicherung besonders wichtig. Sie gaben an, dass sie aufgrund finanzieller Zwänge nicht auf ihr Recht verzichten wollen.

Orientierung bei rechtlichen Auseinandersetzungen
Rund 60 Prozent der Deutschen hatten schon einmal eine rechtliche Auseinandersetzung. Jeder Zweite fühlt sich von einer solchen Situation überfordert und weiß zunächst nicht, was er eigentlich tun soll. Bei der Lösung ihres rechtlichen Problems erwarten die Menschen Unterstützung und Orientierung von Freunden und Bekannten, von Anwälten und gerade auch von einer Rechtschutzversicherung. „Rechtsschutzversicherer tragen den Wünschen der Kunden Rechnung. Sie übernehmen immer stärker auch die Lotsenfunktion bei rechtlichen Angelegenheiten“, so Horrion.

Den richtigen Anwalt finden: Rechtsschutzversicherung ist wichtige OrientierungDen richtigen Anwalt finden: Rechtsschutzversicherung ist wichtige Orientierung

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Große Furcht vor den Kosten eines RechtsstreitGroße Furcht vor den Kosten eines Rechtsstreit

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Rechenbeispiele: Recht soll künftig teurer werdenRechenbeispiele: Recht soll künftig teurer werden

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GDV-Präsentation: Ängste und Erwartungen von Verbrauchern bei rechtlichen Auseinandersetzungen
GDV-Präsentation: Ängste und Erwartungen von Verbrauchern bei rechtlichen Auseinandersetzungen

Rechtsschutzversicherung: Anzahl der VerträgeRechtsschutzversicherung – die Nachfrage steigt

Leistungen der Rechtsschutzversicherer
So viel leisten Rechtsschutzversicherer Jahr für Jahr

Gemeldete Schäden in der RechtsschutzversicherungGemeldete Schäden nach Rechtsgebieten 2012

Anzahl der bearbeiteten Fälle in der RechtsschutzversicherungRechtsschutzversicherung – Anzahl der bearbeiteten Fälle

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Rechtsschutzversicherung

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Hilfe bei der Anwaltssuche
Bei der Suche nach einem Anwalt verlässt sich die Mehrheit der Befragten (74 Prozent) nach wie vor auf den Rat von Freunden und Bekannten. Das Internet als Informationsquelle spielt bei der Anwaltssuche eine untergeordnete Rolle (28 Prozent). 40 Prozent holen sich Hilfe bei einer Rechtsschutzversicherung. 80 Prozent der Befragten, die von ihrer Rechtsschutzversicherung bereits einmal einen Anwalt empfohlen bekommen haben, würden dieses Angebot erneut wahrnehmen.

„Der Rechtssuchende steht vor dem Problem, unter rund 160.000 zugelassenen Anwälten den für sein spezifisches Anliegen qualifiziertesten Anwalt zu finden. Die Verbraucher vertrauen deshalb immer mehr auf die Erfahrungen der Rechtsschutzversicherer bei der Anwaltssuche“, sagt Horrion.

Erwartungen an Anwälte
Nach den persönlichen Erfahrungen mit einem Anwalt gefragt, zeigt sich, dass die Zufriedenheit mit Anwälten hoch ist (79 Prozent). Allerdings kritisierten über 30 Prozent der Befragten, dass Anwälte nicht vollständig über alle zur Verfügung stehen Möglichkeiten informieren würden, sondern vor allem vor Gericht gingen. Ein weiterer Vorwurf: Anwälte würden vor allem Geld verdienen wollen und das Wohl der Mandanten eher hinten anstellen.

Eine hohe Erfolgsquote eines Anwaltes bei Streitfällen war den Befragten nicht so wichtig (26 Prozent). Entscheidender sind hingegen die Fachkompetenz und eine realistische Aufklärung über Risiken und Kosten, die auf den Mandanten zukommen können. „Wir unterstützen unsere Kunden, indem wir ihnen Anwälte empfehlen deren Fachqualifikation und Arbeitsweise wir kennen, sodass der Kunde eine gute Entscheidungsbasis erhält“, betont Horrion.

Erwartungen an die Rechtsschutzversicherer
Von einer Rechtsschutzversicherung erwarten die Verbraucher heute weit mehr als das Übernehmen der Kosten des Rechtsstreits. „Neben der Empfehlung von qualifizierten Anwälten in der Nähe bieten Rechtsschutzversicherer weitere Serviceleistungen an. So erhalten die Kunden sofort eine Einschätzung ihres rechtlichen Problems und sie bekommen auch alternative Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, wie etwa Mediation“, sagt Horrion. Für rund 90 Prozent der Befragten waren diese Leistungen der Rechtsschutzversicherung am wichtigsten.

Rechenbeispiele
Der Gang vor Gericht wird künftig teurer. Der Grund: Im Juli 2013 soll das 2. Kostenrechtsmodernisierungsgesetz in Kraft treten. Mit dem Gesetz wird das Gebühren- und Kostenwesen umfassend überarbeitet und zugleich der wirtschaftlichen Entwicklung angepasst. Neben Anwalts- und Gerichtskosten werden auch die Abrechnungsentgelte für Notare, Sachverständige, Dolmetscher und Übersetzer erhöht.
 
Fazit: Auf Verbraucher kommen dadurch höhere Kosten zu, wie die Rechenbeispiele zum Miet- und Arbeitsrecht belegen.

Mietrecht – Streit mit dem Vermieter
Als Ulrike W. und ihr Mann Klaus nach über zehn Jahren plötzlich eine Kündigung ihres Vermieters wegen Eigenbedarfs erhalten, verstehen sie die Welt nicht mehr. Sie glauben, das Haus solle ohne Mieter teurer verkauft werden und wenden sich an ihren Anwalt.
 
Das Gericht setzt den Streitwert auf 7.200 Euro fest. Im Prozess kann der Vermieter den Eigenbedarf aber nachweisen; die Klage wird abgewiesen.

 

1. Kosten nach Rechtsanwaltsvergütungsgesetz und Gerichtskostengesetz (RVG und GKG ab 2004) in Euro
Eigene Anwaltskosten (1. Instanz) 1.591,98
Gegnerische Anwaltskosten (1. Instanz) 1.249,50
Gerichtskosten (1. Instanz) 498,00
Gesamtkostenrisiko (1. Instanz) 3.339,48
2. Kosten nach Rechtsanwaltsvergütungsgesetz und Gerichtskostengesetz (RVG und GKG nach 1. Juli 2013) in Euro
Eigene Anwaltskosten (1. Instanz) 1.756,91
Gegnerische Anwaltskosten (1. Instanz) 1.380,40
Gerichtskosten (1. Instanz) 600,00
Gesamtkostenrisiko (1. Instanz) 3.737,31
Arbeitsrecht – unberechtigte fristlose Kündigung
Birgit M. arbeitet seit 8 Jahren in einer Computerfirma. Sie verdient 3.300 Euro im Monat. Dann kommt es plötzlich zu einer fristlosen Kündigung – ihr Chef behauptet, sie habe mehrfach wichtige Rechnungen nicht bezahlt und daraufhin hätten zwei Kunden große Verträge storniert.
 
Frau M. erhebt Kündigungsschutzklage. Als Streitwert setzt das Gericht 10.000 Euro fest (Drei Brutto-Monatsgehälter sind der übliche Streitwert bei Kündigungen im Arbeitsrecht).
 
Ihr Kostenrisiko über zwei gerichtliche Instanzen steigt mit dem Kostenrechtsmodernisierungsgesetz deutlich an.
 

1. Kosten nach Rechtsanwaltsvergütungsgesetz und Gerichtskostengesetz (RVG und GKG ab 2004) in Euro
Eigene Anwaltskosten in erster Instanz 1.469,69
Eigene Anwaltskosten in zweiter Instanz 1.643,15
Gerichtskosten über zwei Instanzen 1.019,20
Bei Arbeitsrechtsprozessen zahlt jede Partei in erster Instanz die eigenen Anwaltskosten – egal wer den Prozess gewinnt. In zweiter Instanz trägt der Unterlegene die Kosten der obsiegenden Partei. 1.643.15
Gesamtkostenrisiko über zwei Instanzen 5.775,19
2. Kosten nach dem 2. Kostenrechtsmodernisierungsgesetz
(RVG und GKG ab 2013)
in Euro
Eigene Anwaltskosten in erster Instanz 1.683,85
Eigene Anwaltskosten in zweiter Instanz 1.883,05
Gerichtskosten über zwei Instanzen 1.237,60
Bei Arbeitsrechtsprozessen zahlt jeder Partei in erster Instanz die eigenen Anwaltskosten – egal wer den Prozess gewinnt. In zweiter Instanz trägt der Unterlegene die Kosten der obsiegenden Partei. 1.883,05
Gesamtkostenrisiko über zwei Instanzen 6.687,55
Mehr zum Thema Ansprechpartner
>> Neues Kostenrecht tritt in Kraft: Die Kosten für Anwälte und Gerichte steigen
>> Interview von Fürstenwerth: “Wer sein Recht vor Gericht durchsetzen will, muss künftig tiefer in die Tasche greifen”
>> Weiteres Pressematerial zur Rechtsschutzversicherung
Stephan Schweda
Tel.: 030/ 2020 – 5114
Mail: s.schweda@gdv.de

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Aus Angst vor den Kosten eines Rechtsstreits würden zwei Drittel der Deutschen auf ihr Recht verzichten

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