24.04.2013
GDV-Pressekolloquium 2013

Versicherer behaupten sich mit stabiler Geschäftsentwicklung

Die deutschen Versicherer verzeichneten 2012 ein Beitragsvolumen von 181,7 Mrd. Euro. Das entspricht einem Anstieg von 2 Prozent. Mit Blick auf das aktuelle gesamtwirtschaftliche Umfeld erzielte die deutsche Versicherungswirtschaft damit ein stabiles Beitragswachstum. Auch im Vergleich zu wichtigen europäischen Versicherungsmärkten, in denen die Beitragsentwicklungen teilweise deutlich rückläufig waren, zeigt sich der deutsche Markt insgesamt robust.

Die Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung wuchsen um 0,6 Prozent auf 87,3 Mrd. Euro. Die privaten Krankenversicherer erzielten 2012 einen Beitragszuwachs von 2,9 Prozent. Die Schaden- und Unfallversicherung erzielte mit einem Anstieg der Beitragseinnahmen von 3,7 Prozent das stärkste Wachstum seit 17 Jahren.

„Mit der Beitragsentwicklung sind wir nicht zuletzt vor dem Hintergrund der andauernden Euroschuldenkrise zufrieden“, sagte Alexander Erdland Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Auch für 2013 rechnen wir mit einem Beitragsplus in ähnlicher Höhe.“

Versicherer warnen vor Rolle rückwärts in der Rentenpolitik
Mit Sorge sehen die Versicherer die geplanten Leistungsausweitungen in der gesetzlichen Rentenversicherung, mit denen einige Parteien im Wahljahr werben. „Deutschland hat heute ein stabiles Rentensystem. Das ist ganz wesentlich Ergebnis unbequemer Entscheidungen, die die Politik in den vergangenen 20 Jahren getroffen hat. Ich kann nur davor warnen, diese Erfolge vergangener Reformen leichtfertig aufs Spiel zu setzen und in der Rentenpolitik den Rückwärtsgang einzulegen“, so Erdland.

Dr. Alexander Erdland Dr. Alexander Erdland, Präsident des GDV:

„Ich kann nur davor warnen, die Erfolge vergangener Reformen leichtfertig aufs Spiel zu setzen und in der Rentenpolitik den Rückwärtsgang einzulegen.”

 
Der Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge bleibe auch in Zeiten niedriger Zinsen alternativlos. „Aber dafür brauchen die Lebensversicherer einen Aufsichtsrahmen, der es ihnen ermöglicht, allen Kunden unter länger anhaltenden Niedrigzinsen attraktive Vorsorgeprodukte anzubieten“, forderte Erdland. Dabei verwies er insbesondere auf notwendige Anpassungen für die Lebensversicherung bei der Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven sowie beim künftigen europäischen Aufsichtssystem Solvency II.

Erdland sprach sich nachdrücklich dafür aus, die private und betriebliche Altersvorsorge von der geplanten Finanztransaktionssteuer auszunehmen. Eine solche Steuer würde die Altersvorsorgeförderung ad absurdum führen.

Geschäftsentwicklung: Die Versicherungssparten im Überblick
Lebensversicherer: Niedrigste Stornoquote seit 20 Jahren
Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds konnten 2012 über 6,3 Mio. neue Verträge abschließen. Die laufenden Beiträge stiegen 2012 einschließlich Pensionskassen und Pensionsfonds um 1,1 Prozent auf 64,6 Mrd. Euro. Die Einmalbeiträge dagegen gingen geringfügig um 0,7 Prozent auf 22,7 Mrd. Euro zurück.
 
Besonders erfreulich ist die Entwicklung der Stornoquote, die mit 3,48 Prozent den niedrigsten Wert seit über 20 Jahren aufweist (Vorjahr: 3,49 Prozent). Die Entwicklung zeigt, dass die Kunden trotz oder gerade wegen des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds hohes Vertrauen in die Lebensversicherung setzen.
 
Die betriebliche Altersversorgung konnte deutlich zulegen. Das Neugeschäft wuchs mit 1,2 Mio. Verträgen um 9,3 Prozent. Damit macht allein die betriebliche Altersversorgung einen Anteil von 19,6 Prozent bei den neu abgeschlossenen Verträgen der Lebensversicherung insgesamt aus. Der Bestand stieg um 4,8 Prozent auf 14,5 Mio. Verträge. Insgesamt entfallen 15,5 Prozent aller bestehenden Verträge in der Lebensversicherung auf die betriebliche Altersvorsorge.
 
Der Gesamtbestand der Lebensversicherungen einschließlich Pensionskassen und Pensionsfonds bleibt mit 93,2 Mio. Verträgen auf hohem Niveau (2011: 93,6 Mio.). Erwartungsgemäß sind die Leistungen der Lebensversicherer nach dem Ausnahmejahr 2011 von gut 85 Mrd. auf 76,5 Mrd. Euro in 2012 gesunken (-10,7 Prozent). Pro Tag zahlten die Lebensversicherer 2012 damit etwa 209,5 Mio. Euro an ihre Kunden aus. Die hohen Leistungen in 2011 waren im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass 1999, im Vorgriff auf eine erwartete Verschlechterung der steuerlichen Behandlung der Lebensversicherung, viele Verträge über 12 Jahre abgeschlossen wurden, die 2011 zur Auszahlung kamen.
 
Unbefriedigend ist die Entwicklung der geförderten Altersvorsorge: Die Zahl der neu abgeschlossenen Riester-Verträge sank um fast 36 Prozent auf 610.000 Verträge und auch die Basisrenten-Verträge gingen im Neugeschäft auf 178.000 Verträge (-16 Prozent) zurück. Damit stieg der Bestand auf 10,9 Mio. Riester-Verträge und 1,7 Mio. Basisrenten-Verträge. Beide Produkte bleiben damit weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.
 
Im Neugeschäft insgesamt verzeichnen die Lebensversicherer einen leichten Rückgang. Das Annual Premium Equivalent (APE), mit dem Lebensversicherer bereits seit einigen Jahren das Neugeschäft ausweisen, sank um 2,6 Prozent auf 8,4 Mrd. Euro, was auch auf die Entwicklung der geförderten Altersvorsorge zurückzuführen ist. Das APE ist eine Zusammensetzung aus den Neubeiträgen des laufenden Geschäftsjahres (6,1 Mrd. Euro) und einem Zehntel der Einmalbeiträge (2,3 Mrd. Euro).
Private Krankenversicherer: stabile Entwicklung
Die privaten Krankenversicherer erzielten 2012 Beitragseinnahmen von insgesamt 35,7 Mrd. Euro. Das sind 2,9 Prozent mehr als 2011. Davon entfallen auf die Krankenversicherung rund 33,7 Mrd. Euro (+3,4 Prozent). In der Pflegeversicherung nahmen die Einnahmen dank einer Beitragssenkung auf 2,0 Mrd. Euro ab (-5,0 Prozent) – eine gute Nachricht für die Versicherten.
 
Die ausgezahlten Versicherungsleistungen erreichten 2012 eine Höhe von 23,3 Mrd. Euro. Das sind 2,3 Prozent mehr als 2011, wobei auf die Krankenversicherung 22,5 Mrd. Euro (+2,1 Prozent) und auf die Pflegeversicherung 0,8 Mrd. Euro (+8,3 Prozent) entfallen.
Schaden- und Unfallversicherer: deutliches Wachstum der Beitragseinnahmen, Leistungen auf neuer Höchstmarke
In der Schaden- und Unfallversicherung stiegen die Beitragseinnahmen laut vorläufigem Ergebnis auf 58,7 Mrd. Euro (+3,7 Prozent). Alle Versicherungszweige sind in 2012 gewachsen. Am stärksten war der Zuwachs der Beitragseinnahmen in der Kraftfahrtversicherung (+5,4 Prozent auf 22,0 Mrd. Euro) und in der Sachversicherung (+3,9 Prozent auf 16,1 Mrd. Euro). Insgesamt haben die Kompositversicherer zwei Mio. Verträge mehr abgeschlossen (+0,7 Prozent). Der Bestand lag 2012 bei insgesamt 298 Mio. Verträgen.
 
Eine neue Höchstmarke erreichten aber auch die Leistungen der Schaden- und Unfallversicherer, obwohl sie 2012 von schadenträchtigen Naturgefahren verschont blieben: Sie stiegen auf insgesamt 44,4 Mrd. Euro (+1,4 Prozent). Den größten Leistungsanstieg verzeichneten die Sachversicherer im Bereich Gewerbe/Industrie/Landwirtschaft (+8,0 Prozent), die Hausratversicherer (+4,0 Prozent), die Transport- und Luftfahrtversicherer (+5,0 Prozent) sowie die Kreditversicherer (+40,0 Prozent).
 
Insgesamt erzielten die Schaden- und Unfallversicherer ein stabiles Ergebnis. Der versicherungstechnische Gewinn stieg um rund 800 Mio. Euro auf etwa 1,9 Mrd. Euro. Die Schaden-Kosten-Quote – die Einnahmen abzüglich der Ausgaben für Schäden und Verwaltung wiedergibt – verbesserte sich um einen Prozentpunkt auf 97 Prozent.

 

Infopaket zum Pressekolloquium am 24. April 2013
Dr. Alexander Erdland
Statement von
Dr. Alexander Erdland
GDV-Präsident

Dr. Markus Faulhaber
Statement von
Dr. Markus Faulhaber
Vorsitzender des GDV-Hauptausschusses Lebensversicherung / Pensionsfonds

Dr. Norbert Rollinger
Statement von
Dr. Norbert Rollinger
Vorsitzender des GDV-Hauptausschusses Schaden- und Unfallversicherung

Reinhold Schulte
Statement von
Reinhold Schulte
Vorsitzender des Vorstands des Verbandes der Privaten Krankenversicherung

Beitragseinnahmen der Versicherungswirtschaft
Leistungen der Versicherungswirtschaft
Schaden- und Unfallversicherung 2012
Vorläufiges Ergebnis des inländischen Direktgeschäfts
Kennzahlen zur Kapitalanlage der Lebensversicherer
Schaden- und Unfallversicherung
Combined Ratio Kraftfahrtversicherung
Schaden- und Unfallversicherung
Versicherungstechnische Ergebnisse 2011 und 2012

 

Ansprechpartner
für Schaden- und Unfallversicherung:
Stephan Schweda
Tel.: 030/ 2020 – 5114
Mail: s.schweda@gdv.de

für Lebensversicherung:
Una Großmann
Tel.: 030/ 2020 – 5185
Mail: u.grossmann@gdv.de

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GDV-Präsident

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Vorsitzender des GDV-Hauptauschusses Lebensversicherung/Pensionsfonds

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Dr. Norbert Rollinger

Vorsitzender des GDV-Hauptauschusses Schaden- und Unfallversicherung

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Reinhold Schulte

Vorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e. V. (PKV)

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