05.02.2013
Überblick

Was sind Bewertungsreserven?

Der Vermittlungsausschuss des Bundesrats muss derzeit klären, wie Kunden mit Lebensversicherungen zukünftig an den Bewertungsreserven beteiligt werden sollen. Hier erfahren Sie, was Bewertungsreserven sind, wie sie entstehen und warum die gesetzliche Neuregelung notwendig ist.

Was sind Bewertungsreserven?

Bewertungsreserven sind bilanzielle Buchgewinne von Wertpapieren. Sie entstehen, wenn der aktuelle Marktwert eines Wertpapiers oberhalb des ehemaligen Kaufwertes liegt. Wegen des anhaltenden Niedrigzinsniveaus bestehen derzeit sehr hohe Bewertungsreserven für festverzinsliche Papiere. Da die Versicherer ihre Papiere in der Regel bis zum Ende halten, sind dies jedoch keine tatsächlichen Erträge, sondern Scheinreserven, die sich am Ende wieder auflösen. Der tatsächliche Wert der Zinspapiere besteht in der regulären Ausschüttung der Zinsen von Jahr zu Jahr.

Bewertungsreserven entstehen, wenn der Marktwert oberhalb des ehemaligen Kaufwertes der Staatsanleihe liegt

Bewertungsreserven entstehen, wenn der Marktwert oberhalb des ehemaligen Kaufwertes der Staatsanleihe liegt.

 

Wie werden Kunden an den Bewertungsreserven beteiligt?

>> Es ist gesetzlich festgelegt, dass die Unternehmen einmal im Jahr die Höhe der gesamten Bewertungsreserven ermitteln und im Anhang des Geschäftsberichts veröffentlichen müssen. Ausgehend von diesem Gesamtwert wird der Anteil, mit welchem jeder einzelne Vertrag an den Bewertungsreserven beteiligt wird, ermittelt.

Die Versicherten können der Jahresmitteilung den aktuellen Stand der Bewertungsreserven-Beteiligung entnehmen. Die konkrete Aufschlüsselung der (prognostizierten) Auszahlung ist unternehmensindividuell gestaltet.

Worum geht es in der aktuellen Diskussion?

>> Aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsniveaus bestehen momentan sehr hohe Bewertungsreserven für festverzinsliche Papiere. In der aktuellen Diskussion werden Bewertungsreserven häufig als Gewinne der Versicherer bezeichnet. Das ist falsch. Bewertungsreserven sind keine Gewinne, sondern reine „Scheinreserven“, die sich am Ende der Laufzeit der Wertpapiere wieder auflösen, da Versicherer Zinspapiere in der Regel bis zum Ende halten. Der erzielte „Gewinn“ der Zinspapiere besteht in der regulären Ausschüttung der Zinsen von Jahr zu Jahr.

Bewertungsreserven sind keine tatsächlichen Erträge, sondern Buchwerte, die am Ende der Laufzeit der festverzinslichen Papiere wieder Null betragen.

Bewertungsreserven sind keine tatsächlichen Erträge, sondern Buchwerte, die am Ende der Laufzeit der festverzinslichen Papiere wieder Null betragen.

 

Warum sollte das Gesetz zu den Bewertungsreserven neu geregelt werden?

>> Die aktuelle gesetzliche Lage zwingt die Lebensversicherer dazu, hoch verzinste Papiere vorzeitig zu verkaufen – um nur auf dem Papier bestehende Buchgewinne an die jetzt ausscheidenden Lebensversicherungskunden hälftig auszuzahlen. Die nicht ausgeschütteten Gelder können wegen der niedrigen Zinsen am Markt nur zu deutlich schlechteren Konditionen neu angelegt werden. Das ist angesichts der anhalten Niedrigzinsphase ökonomisch kaum zu vertreten, denn alle Kunden, deren Policen erst in Zukunft fällig werden zahlen dafür die Zeche. Schätzungsweise mehr als 95 Prozent der Lebens- und Rentenversicherungsverträge wären davon betroffen.

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