03.02.2013
Stille Reserven

„Ohne ein neues Gesetz zahlt große Mehrheit der Kunden drauf“

Einige Medien berichten derzeit über die geplante Neuregelung der Bewertungsreservenbeteiligung bei Lebensversicherungen und die Auswirkungen für die Verträge, die jetzt auslaufen. Nicht im Fokus der Berichterstattung stehen dagegen die Kunden, deren Verträge erst später fällig werden. Sie stellen aber die Mehrheit der Lebensversicherungskunden und sie würden benachteiligt, wenn es nicht zu einer Neuregelung kommt.

Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), stellt hierzu fest:

Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth „Es ist absolut unverständlich und bedauerlich, dass die Interessen der Mehrheit der Versicherten in der aktuellen Debatte so gut wie keine Rolle spielen. Was viele Kritiker übersehen: Kommt kein neues Gesetz, nützt das nur wenigen Kunden. Das Nachsehen hat die große Mehrheit der Versicherten, die in der Zukunft weniger Leistungen aus ihrer Lebensversicherung erhalten werden.

Fakt ist: Die aktuelle gesetzliche Lage zwingt die Lebensversicherer dazu, hoch verzinste Papiere vorzeitig zu verkaufen – um nur auf dem Papier bestehende Buchgewinne an die jetzt ausscheidenden Lebensversicherungskunden hälftig auszuzahlen. Die nicht ausgeschütteten Gelder können wegen der niedrigen Zinsen am Markt nur zu deutlich schlechteren Konditionen neu angelegt werden. Das ist angesichts der anhalten Niedrigzinsphase ökonomischer Irrsinn – für den alle Kunden zahlen, deren Policen erst in Zukunft fällig werden.“

„Es ist absolut unverständlich und bedauerlich, dass die Interessen der Mehrheit der Versicherten in der aktuellen Debatte so gut wie keine Rolle spielen“

 

Zum Hintergrund der aktuellen Berichterstattung

Neuregelung schafft fairen Interessenausgleich

Der Bundesrat hat im Dezember 2012 beschlossen, zum SEPA-Begleitgesetz den Vermittlungsausschuss einzuberufen, und eine Überarbeitung der darin integrierten Neuregelung zur Beteiligung an Bewertungsreserven aus festverzinslichen Wertpapieren gefordert. Das Ziel des Vermittlungsverfahrens – so der Beschluss des Bundesrates – ist es, die Unternehmen bei der Bewältigung der aktuellen Niedrigzinsphase zu unterstützen und die Abwälzung der Belastungen auf die Versicherten zu verhindern.

Nach Auffassung der deutschen Versicherungswirtschaft entspricht die vorgeschlagene Anpassung der Bewertungsreservenbeteiligung bereits diesen Anforderungen. Die Gesetzesänderung ist aufgrund der extremen, lang anhaltenden Niedrigzinsphase notwendig geworden, die infolge der Rettungsmaßnahmen für den Bankensektor und für verschuldete Euro-Staaten entstand.

Mit der Neuregelung sollten

  • ein fairer Interessenausgleich zwischen den ausscheidenden und im Bestand verbleibenden Versicherungsnehmern geschaffen und
  • die langfristige Erfüllbarkeit der Garantiezusagen sichergestellt werden.

Es handelt sich um die Modifizierung der in 2008 eingeführten Regelung, die unter den aktuellen, außerordentlich schwierigen Kapitalmarktbedingungen zu massiven Verzerrungen im Versichertenbestand führt und die Fähigkeit zur Bereitstellung von langfristigen Garantien belastet.

Die Anpassung der Bewertungsreservenbeteiligung sollte die bestehenden Missstände beseitigen und langfristig zur Stabilisierung der Gesamtleistung beitragen. Eine Abwälzung auf die Versicherten findet nicht statt. Die durch die Neuregelung gewonnenen Mittel stehen ausschließlich der Gesamtheit der Versicherungsnehmer zur Verfügung. Den Versicherungsunternehmen selbst kommt aus den Neuregelungen kein Euro zugute.

Die deutsche Versicherungswirtschaft hält die geplanten Maßnahmen zur Stärkung der Risikotragfähigkeit der Lebensversicherer für unverzichtbar und spricht sich für das zeitnahe Inkrafttreten der neuen Regelungen aus.

Die vollständige Stellungnahme finden Sie im Download-Bereich.

Mehr zum Thema:

>> “Kompromiss für ein neues Bewertungsreserven-Gesetz ist möglich”

>> Was sind Bewertungsreserven?

>> Weitere Artikel zum Thema „Bewertungsreserven“ auf GDV.DE

 

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Stellungnahme

zu den Verhandlungen im Vermittlungsausschuss zum SEPA-Begleitgesetz

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