06.12.2012
Geschäftsjahr

Kreditversicherer zeigen sich 2012 leistungsstark

  • Deckungsvolumen und Leistungsausgaben auf Rekordhöhe

Für die deutschen Kreditversicherer geht ein außergewöhnliches Geschäftsjahr zu Ende. Inmitten der schwachen deutschen Konjunktur stiegen ihre Einnahmen: Laut Hochrechnung für das Gesamtjahr konnten sie in der Kredit-, Kautions- und Vertrauensschadenversicherung insgesamt zehn Prozent mehr Verträge abschließen (rund 318.000) und ihre Bruttobeiträge um zwei Prozent auf knapp 1,6 Mrd. Euro erhöhen. Der Markt nimmt heute deutlich mehr Kreditversicherungsschutz in Anspruch als zu Beginn der Euro- und Staatsschuldenkrise.

Gleichzeitig erreichten die Leistungsausgaben der Kreditversicherer einen historischen Höchststand: Sie steigen voraussichtlich um 80 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 727 Mio. Euro). Nie haben die Kreditversicherer mehr an ihre Kunden gezahlt als in diesem Jahr. Ursache hierfür sind vor allem Großinsolvenzen, von denen einige Schlagzeilen machten, wie beispielsweise die der Drogeriekette Schlecker, der Ölraffinerie Petroplus oder des Versandhauses Neckermann. Mit ihrer Leistungsstärke beweisen die Kreditversicherer einmal mehr ihre hohe Bedeutung für die deutsche Wirtschaft – besonders in wirtschaftlich schwachen Zeiten.

Die Schadenquote in 2012 wird voraussichtlich 83 Prozent (Vorjahr: 47,5 Prozent) betragen, die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) 98 Prozent (Vorjahr: 67,3 Prozent).

Zahl der Verträge:
Beitragseinnahmen:
Leistungen:
Schaden-Kosten-Quote (Combined ratio):
318.000
1,6 Mrd. Euro
1,3 Mrd. Euro
98 Prozent

 
Deckungsvolumen auf neuem Höchststand
Trotz der Schadensituation steigerten die Kreditversicherer 2012 das Deckungsvolumen in der Delkredereversicherung nochmals um 3,5 Prozent bzw. 12 Mrd. Euro auf 358 Mrd. Euro, obwohl es schon im letzten Jahr seine bisherige Rekordhöhe erreichte.

„Dass die Kreditversicherer inmitten der Staatsschulden- und Eurokrise und hoher Leistungsauszahlungen ihre Limite nicht nur gehalten, sondern weiter erhöht haben, ist ein überzeugendes Indiz für ihre Zuverlässigkeit“, resümiert Ralf Meurer, der Vorsitzende der Kommission Kreditversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), am Donnerstag in Köln.

Ralf MeurerRalf Meurer, 53, ist Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der Diplom-Betriebswirt übt das Ehrenamt seit 2011 aus. Als Vorstandsvorsitzender der Euler Hermes Deutschland AG arbeitet Meurer hauptberuflich in Hamburg. Zu seinen Verantwortlichkeiten zählen unter anderem die Bereiche Internationale Beziehungen, Strategie und Risikocontrolling.

Präsentation zur Pressekonferenz der Kreditversicherer 2012

Pressestatement von Ralf Meurer auf der Pressekonferenz der privaten Kreditversicherer, 6.12.2012

 
Insolvenzentwicklung: Leichter Anstieg in 2013
Das Wachstum in Deutschland hat sich im aktuellen Jahr zwar deutlich gegenüber dem Vorjahr abgeschwächt, Deutschlands Wirtschaft hat sich 2012 aber im europäischen Vergleich ausgesprochen gut behauptet. Für die Zahl der Insolvenzen in Deutschland erwarten die Kreditversicherer 2012 einen Rückgang um 1,3 Prozent auf 29.700. Die zu den Firmeninsolvenzen angemeldeten Forderungsausfälle dürften sich 2012 hingegen mit rund 40 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr verdoppeln und liegen damit wiederum deutlich über dem Vorkrisenniveau. Weltweit sehen die Kreditversicherer für das zu Ende gehende Jahr einen Anstieg der Insolvenzen um vier Prozent – nachdem sie zuvor zwei Jahre in Folge rückläufig waren. Während die Insolvenzzahlen in Amerika weiter sinken, werden sie in Europa steigen, in der Eurozone nach bisherigen Prognosen sogar um 17 Prozent.

2013 dürfte die deutsche Konjunktur aus Sicht der Kreditversicherer nur geringe Dynamik entfalten. Der Konsum und in schwächerem Maße auch der Export werden das geringe Wachstum weiter stützen. Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland wird aus Sicht der Kreditversicherer im Jahr 2013 voraussichtlich wieder leicht um ein Prozent auf 30.000 steigen. Ursächlich ist hierfür vor allem die Zunahme der Insolvenzen in der Industrie und im Dienstleistungsbereich. Weiterhin besteht die Gefahr für erneute Großinsolvenzen. Die Forderungsausfälle dürften jedoch nach dem massiven Anstieg in diesem Jahr nicht nochmals steigen. Weltweit wird die Zahl der Insolvenzen 2013 um voraussichtlich drei Prozent steigen, maßgeblich dafür ist die Entwicklung in Europa.

„Im Auf und Ab der Konjunktur begleiten die privaten Kreditversicherer deutsche Unternehmen als stabile Partner und tragen damit zum Wachstum Deutschlands bei“, so Meurer.

Geschäftsmodell der Kreditversicherung
Das Geschäftsmodell
Eine Kreditversicherung ist ein Versicherungsschutz für Kaufleute, um sich unter anderem vor den finanziellen Folgen durch nicht erfolgte Zahlungen für Warenlieferungen oder Dienstleistungen zu schützen. Der Name Kreditversicherung steht als Oberbegriff für die Versicherungszweige Delkredereversicherung, Kautionsversicherung und Vertrauensschadenversicherung. Die Leistungen der Kreditversicherer sind dabei sehr umfangreich.

 

Glossar: Die Zweige der Kreditversicherung
Delkredereversicherung
Das Kerngeschäft der Kreditversicherer ist die Delkredereversicherung, die gut 55 Prozent der Beitragseinnahmen umfasst. Sie bietet Unternehmen Schutz vor Forderungsausfällen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen in das In- und Ausland (Warenkredit- und Ausfuhrkreditversicherung), ferner Schutz für Risiken, die aus Verkäufen von Maschinen und Anlagen im In- und Ausland mit Kreditlaufzeiten bis zu fünf Jahren resultieren (Investitionsgüterkreditversicherung). Sie sichert den Lieferanten also dagegen ab, dass sein Kunde die gelieferte Ware nicht bezahlt, und gibt ihm auf diese Weise Planungssicherheit.
 
Bei Insolvenz des Abnehmers kann der Versicherungsnehmer den Kreditversicherer in Anspruch nehmen. Der Versicherer verfügt dabei über umfangreiches Know-how in der Bonitätsprüfung, das er dem Versicherungsnehmer vor und während des Versicherungsverhältnisses zur Verfügung stellt: So prüft er die Abnehmer des Versicherungskunden nicht nur bei Vertragsabschluss auf ihre derzeitige und künftige Zahlungsfähigkeit, sondern überwacht deren Bonität kontinuierlich auch während der Laufzeit der Delkredereversicherung und leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zur Schadenverhütung.
Kautionsversicherung
In der Kautionsversicherung werden Bürgschaften, Garantien oder Bonds im Auftrag des Versicherungsnehmers übernommen zu Gunsten der in- und ausländischen Gläubiger zur Sicherung vertraglicher oder gesetzlicher Verpflichtungen, deren Schuldner der Versicherungsnehmer ist. Der Begünstigte kann den Versicherer in Anspruch nehmen, wenn der Versicherungsnehmer insolvent wird.
 
Insbesondere in der Bauwirtschaft sowie im Maschinen- und Anlagenbau sind Kautionsversicherungen weit verbreitet, etwa in Form von Anzahlungs-, Vertragserfüllungs- und Mängelgewährleistungsbürgschaften. Bürgschaften eines Kautionsversicherers bieten sich als Alternative zur Bankbürgschaft an und entlasten die Kreditlinie bei der Hausbank. Unternehmen greifen neben der Finanzierung mit Bankbürgschaften zunehmend auf die Kautionsversicherer zu. Die Kautionsversicherung ist inzwischen bei vielen Unternehmen ein wesentlicher Finanzierungsfaktor.
Vertrauensschadenversicherung
Die Vertrauensschadenversicherung bietet dem Unternehmen Schutz vor finanziellen Schäden aus unerlaubten Handlungen, wie Unterschlagung, Diebstahl, Veruntreuung und Betrug einschließlich Computermissbrauch. Versichert sind Schäden durch vorsätzliche Handlungen eigener Mitarbeiter, von Fremdpersonal und Zeitarbeitskräften, von Geschäftsführern und Vorständen sowie von so genannten Hackern.

 
Mehr zum Thema:

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Tel.: 030 / 20 20 – 5111
k.zeidler@gdv.de

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Tel.: 030 / 20 20 – 5114
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