14.12.2012
Beteiligung Stille Reserven

GDV zur Anrufung des Vermittlungsausschusses

Zum heutigen Beschluss des Bundesrates, im Gesetzgebungsverfahren zum SEPA-Begleitgesetz (Änderung der Beteiligung der Lebensversicherungskunden an den Bewertungsreserven ab dem 21. Dezember 2012) den Vermittlungsausschuss anzurufen, erklärt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV):

Eine Korrektur der heute geltenden Beteiligungsregelung an den Bewertungsreserven von Zinspapieren ist unverzichtbar. Die jetzige Regelung führt aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase zu einer Bevorteilung der aktuell ausscheidenden Versicherungsverträge zu Lasten aller anderen Verträge.

Die Entscheidung des Bundesrats schadet der Versichertengemeinschaft: Denn die in diesem Jahr aufgrund der Niedrigzinsphase anstehenden Sonderausschüttungen gehen unmittelbar zu ihren Lasten. Schätzungsweise über 95 Prozent der Lebens- und Rentenversicherungsverträge sind davon betroffen.

Über Bewertungsreserven
Wie entstehen Bewertungsreserven (stille Reserven)?
Die Kapitalanlagen der Lebensversicherer sind im Wesentlichen in festverzinsliche Wertpapiere investiert, weitere Anlageklassen sind Immobilien, Aktien und Beteiligungen. Für den Großteil dieser Wertpapiere wird an jedem Handelstag an der Börse ein Kurs ermittelt. Bewertungsreserven entstehen, wenn der Zeitwert oberhalb des Buchwertes liegt; liegt der Zeitwert unterhalb des Buchwertes, entstehen wiederum stille Lasten.

Fazit: Die Höhe der Bewertungsreserven verändert sich mitunter täglich. Sie werden erst bei einem Verkauf der Wertpapiere realisiert, sodass aus Buchgewinnen Erträge werden.

Wie berechnen die Lebensversicherer den Betrag, mit welchem ein einzelner Kunde an den Bewertungsreserven beteiligt wird?
Es ist gesetzlich festgelegt, dass die Unternehmen einmal im Jahr die Höhe der gesamten Bewertungsreserven ermitteln und veröffentlichen müssen (Bilanz). Ausgehend von diesem Gesamtwert wird der Anteil, mit welchem jeder einzelne Vertrag an den Bewertungsreserven beteiligt wird, ermittelt. Versicherungsverträge enden in der Regel zum Monats- oder Quartalsende. Deshalb ist es durchaus gängige Praxis, diese Werte monatlich zu berechnen.

Die Versicherten können der Jahresmitteilung den aktuellen Stand der Bewertungsreservenbeteiligung entnehmen. Die konkrete Aufschlüsselung der (prognostizierten) Auszahlung ist unternehmensindividuell gestaltet. Weiterführende, detaillierte Informationen können bei den Unternehmen erfragt werden.

Mehr zum Thema:

>> “Kompromiss für ein neues Bewertungsreserven-Gesetz ist möglich” (Interview mit GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland vom 05.2.2013)
Aus der Regierungskoalition mehren sich in dieser Woche die Stimmen, dass die vorgesehene Neuregelung zur Beteiligung an den Bewertungsreserven vor der Bundestagswahl nicht mehr kommen soll. Im Interview erklärt Dr. Alexander Erdland, Präsident des GDV, warum das neue Gesetz im Interesse aller Versicherten notwendig ist und dass ein vernünftiger Kompromiss gefunden werden kann. Weiter…

>> “Ohne ein neues Gesetz zahlt große Mehrheit der Kunden drauf” (GDV-Stellungnahme 03.2.2013)
Einige Medien berichten derzeit über die geplante Neuregelung der Bewertungsreservenbeteiligung bei Lebensversicherungen und die Auswirkungen für die Verträge, die jetzt auslaufen. Nicht im Fokus der Berichterstattung stehen dagegen die Kunden, deren Verträge erst später fällig werden. Sie stellen aber die Mehrheit der Lebensversicherungskunden und sie würden benachteiligt, wenn es nicht zu einer Neuregelung kommt. Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), stellt hierzu fest: Weiter…

>> Stille Reserven: Neuregelung schafft fairen Interessenausgleich (GDV-Stellungnahme 28.1.2013)
Der Bundesrat hat im Dezember 2012 beschlossen, zum SEPA-Begleitgesetz den Vermittlungsausschuss einzuberufen, und eine Überarbeitung der darin integrierten Neuregelung zur Beteiligung an Bewertungsreserven aus festverzinslichen Wertpapieren gefordert. Das Ziel des Vermittlungsverfahrens ist es, die Unternehmen bei der Bewältigung der aktuellen Niedrigzinsphase zu unterstützen und die Abwälzung der Belastungen auf die Versicherten zu verhindern. Weiter…

>> Stille Reserven: Neuregelung zur Lebensversicherung korrigiert schwerwiegende Fehlregulierung
Mit der kürzlich vom Bundestag verabschiedeten Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes soll für Lebensversicherungskunden ab dem 21. Dezember 2012 eine neue Beteiligungsregelung an den Bewertungsreserven gelten – warum diese Neuregelung richtig ist. Weiter…

>> Lebensversicherung: Neuregelung zu Bewertungsreserven bringt mehr Gerechtigkeit (GDV-Pressemitteilung)
Mit der kürzlich vom Bundestag verabschiedeten Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes soll für Lebensversicherungskunden ab dem 21. Dezember 2012 eine neue Beteiligungsregelung an den Bewertungsreserven gelten. Nachfolgend werden die grundsätzlichen Auswirkungen der Neuregelung für die Versicherten erläutert. Weiter…

für Journalisten:
Simone Schuchert
Tel. 030 / 20 20 – 51 82
s.schuchert@gdv.de

Daniela Röben
Tel. 030 / 20 20 – 51 81
d.roeben@gdv.de

für Verbraucher:
Mathias Zunk
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