23.11.2012
Lebensversicherung

Neuregelung zu Bewertungsreserven bringt mehr Gerechtigkeit

– Bewertungsreserven verbleiben vollständig in der Versichertengemeinschaft.
– Alle vertraglichen Leistungen der Versicherten bleiben von der Neuregelung unberührt.
– Gesetzesänderung schafft mehr Gerechtigkeit innerhalb der Versichertengemeinschaft.

Mit der kürzlich vom Bundestag verabschiedeten Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes soll für Lebensversicherungskunden ab dem 21. Dezember 2012 eine neue Beteiligungsregelung an den Bewertungsreserven gelten. Dies führte bei Kunden verstärkt zu Fragen. Nachfolgend werden die grundsätzlichen Auswirkungen der Neuregelung für die Versicherten erläutert:

  • Auch gemäß der neuen Regelung stehen die Bewertungsreserven unverändert der Versichertengemeinschaft zur Verfügung. Anders als zum Teil in der Presse berichtet, geht für die Gesamtheit der Versicherten durch die Neuregelung kein Euro verloren.
  • Alle den Kunden vertraglich zugesicherten Leistungen bleiben durch die Neuregelung unberührt. Das gilt für die Garantieverzinsung und die bisher erreichte garantierte Überschussbeteiligung. Auch die Regelung zur Schlussüberschussbeteiligung bleibt unverändert.
  • Durch die Neuregelung wird die in 2008 eingeführte hälftige Beteiligung von auslaufenden oder gekündigten Verträgen an den Bewertungsreserven von Zinspapieren korrigiert. Die bisherige Regelung führt aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase zu einer Bevorteilung der aktuell ausscheidenden Versicherungsverträge zu Lasten aller anderen Verträge. Deshalb erhöht die Neuregelung die Gerechtigkeit zwischen den Vertragsgenerationen.
  • Durch die derzeitige Beteiligung der Versicherten an den Bewertungsreserven beschleunigt sich für die Gesamtheit der Versicherungsnehmer der Zinsrückgang im Kapitalanlagenbestand. Die Neuregelung verhindert so, dass die Erfüllung der garantierten Leistungen an die Kunden langfristig gefährdet wird.
  • Ob und wie sich die gesetzliche Änderung der Bewertungsreservebeteiligung konkret auf einzelne Lebensversicherungsverträge auswirkt, hängt von vielen individuellen Faktoren ab und kann deshalb nicht pauschal beantwortet werden. Versicherte, die hierzu Fragen haben – zum Beispiel, weil ihre Police in den kommenden Monaten fällig wird – sollten sich an ihren jeweiligen Versicherer wenden. Grundsätzlich ist die vorzeitige Kündigung einer Lebensversicherung häufig mit Nachteilen verbunden und muss deshalb genau abgewogen werden. Dies gilt insbesondere aufgrund der attraktiven Gesamtverzinsung, die die Lebensversicherung nach wie vor bietet.

Fazit:
Die Neuregelung bedeutet mehr Gerechtigkeit für die Versichertengemeinschaft und den Erhalt garantiesichernder Bewertungsreserven. Dies dient der Sicherheit des wichtigsten privaten Altersvorsorgeprodukts der Deutschen. Langfristige Sicherheit ist eine wichtige Voraussetzung, um späterer Altersarmut entgegenzuwirken.

Über Bewertungsreserven
Wie entstehen Bewertungsreserven (stille Reserven)?
Die Kapitalanlagen der Lebensversicherer sind im Wesentlichen in festverzinsliche Wertpapiere investiert, weitere Anlageklassen sind Immobilien, Aktien und Beteiligungen. Für den Großteil dieser Wertpapiere wird an jedem Handelstag an der Börse ein Kurs ermittelt. Bewertungsreserven entstehen, wenn der Zeitwert oberhalb des Buchwertes liegt; liegt der Zeitwert unterhalb des Buchwertes, entstehen wiederum stille Lasten.
 
Fazit: Die Höhe der Bewertungsreserven verändert sich mitunter täglich. Sie werden erst bei einem Verkauf der Wertpapiere realisiert, sodass aus Buchgewinnen Erträge werden.
Wie berechnen die Lebensversicherer den Betrag, mit welchem ein einzelner Kunde an den Bewertungsreserven beteiligt wird?
Es ist gesetzlich festgelegt, dass die Unternehmen einmal im Jahr die Höhe der gesamten Bewertungsreserven ermitteln und veröffentlichen müssen (Bilanz). Ausgehend von diesem Gesamtwert wird der Anteil, mit welchem jeder einzelne Vertrag an den Bewertungsreserven beteiligt wird, ermittelt. Versicherungsverträge enden in der Regel zum Monats- oder Quartalsende. Deshalb ist es durchaus gängige Praxis, diese Werte monatlich zu berechnen.
 
Die Versicherten können der Jahresmitteilung den aktuellen Stand der Bewertungsreservenbeteiligung entnehmen. Die konkrete Aufschlüsselung der (prognostizierten) Auszahlung ist unternehmensindividuell gestaltet. Weiterführende, detaillierte Informationen können bei den Unternehmen erfragt werden.

 
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>> Stille Reserven: Neuregelung zur Lebensversicherung korrigiert schwerwiegende Fehlregulierung
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