10.09.2012
Rentendebatte

Versicherer warnen vor Rolle rückwärts in der Rentenpolitik

Anlässlich der aktuellen Diskussionen um die richtigen Maßnahmen unter anderem zur Bekämpfung von Altersarmut erklärt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV):

Altersarmut ist derzeit noch kein Problem in Deutschland. Geringer Lohn, unterbrochene Erwerbsbiografien durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen können aufgrund des sinkenden Rentenniveaus jedoch dazu führen, dass künftig eine steigende Zahl von Rentnern eine gesetzliche Rente unterhalb der Grundsicherung erhält. Deshalb begrüßt der GDV, dass derzeit politisch die Frage breit diskutiert wird, ob hier renten-politische Nachbesserungen erforderlich sind. Festzuhalten ist dabei allerdings:

“Ein wirksamer Ansatz zur Vermeidung von Altersarmut für künftige Rentnergenerationen geht nur in einem vernünftigen Zusammenspiel von gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge. Vordringliches Ziel jeder Reform muss es daher sein, für die Menschen heute angemessene Anreize
zur Eigenvorsorge zu schaffen.”
Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung

Als rentenpolitische Rolle rückwärts klar abzulehnen ist vor diesem Hintergrund der sowohl bei SPD als auch bei Bundesministerin von der Leyen enthaltene Vorschlag, anstelle einer Zusatzvorsorge über betriebliche oder private Altersvorsorge zusätzliche Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung als eine Form der Eigenvorsorge zuzulassen. Denn damit wird das Ziel sämtlicher Reformen der letzten Jahre konterkariert, die umlagefinanzierte Rentenversicherung hinsichtlich der absehbar wachsenden demografischen Lasten durch die zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge in der zweiten und dritten Säule zu entlasten. Im Gegenteil wird dadurch die Last für die künftigen Generationen noch vergrößert.

Zweifelhaft ist es auch, wenn künftig – wie von der SPD vorgeschlagen – die betriebliche Vorsorge den Riester-Produkten vorgezogen werden solle. Dies würde diejenigen benachteiligen, die keinen Zugang zur betrieblichen Altersvorsorge haben oder die häufig den Arbeitsplatz wechseln und deshalb lieber privat vorsorgen. Wichtiger wäre es dagegen, die Chance zu nutzen und die Attraktivität der Riester-Rente zu erhöhen: 10 Jahre nach ihrer Einführung sollte die Riester-Förderung dynamisiert und der Kreis der förderfähigen Personen ausgedehnt werden.

Ansprechpartner:

Hasso Suliak
Tel.: 030 / 20 20 – 5183
h.suliak@gdv.de
 

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