04.09.2012
Gegenpositionen

Optimaler Service

Mit „Billigpolicen“ locken Versicherer ihre Kunden in der Kraftfahrt- und Rechtsschutzversicherung, schreibt Anne-Christin Gröger in Capital. Im Schadenfall könnten diese sich angeblich als „teures Blendwerk“ erweisen. Eine grobe Fehleinschätzung.

Billigangebot“, „Schnäppchen“ – Begriffe aus Discounter-Märkten suggerieren mangelnde Qualität. Im Magazin Capital wird damit vor Versicherungsverträgen gewarnt, die die Versicherten an Partnerwerkstätten oder Anwaltsnetzwerke als Vertragspartner der Kfz- und Rechtsschutzversicherer binden. Diese könnten sich als „teures Blendwerk“ erweisen. Teuer für wen?

Der versicherte Kunde erhält genau das, was er erwartet: Bei der Vollkaskoversicherung bedeutet das, der Wagen steht binnen kürzester Zeit tadellos – in einer Meisterwerkstatt repariert – vor der Tür. Alles andere regelt der Versicherer mit der Partnerwerkstatt. Auch Versicherer und Partnerwerkstätten profitieren: Die Versicherer erleben bei den Kosten keine böse Überraschung und die Werkstätten erweitern im Zweifel ihren Kundenkreis – durch die Versicherten ihres Partners. Von Dumpingtarifen, unter denen die Werkstätten zu leiden hätten, kann keine Rede sein.

„Viele Kunden wissen jedoch gar nicht, welche Leistungen ihnen überhaupt zustehen“, heißt es im Artikel in diesem Zusammenhang. Leistungen wie etwa der Haushaltführungsschaden werden aufgezählt, der beansprucht werden kann, wenn der nach einem Unfall Geschädigte sich nicht um seinen Haushalt kümmern kann und eine Hilfskraft bräuchte. Nur: Der Geschädigte ist kein Kunde des Versicherers, sondern er macht Schadenersatzanspruch gegenüber dem Kfz-Haftpflichtversicherer des Unfallgegners geltend. Die Kraftfahrthaftpflichtversicherung muss dem Unfallopfer den erlittenen Schaden ersetzen. Der Geschädigte soll nach der Regulierung so gestellt werden, als wäre der Unfall nicht passiert. Und genau das geschieht. Hier hat der Versicherer keinerlei Einfluss darauf, in welcher Werkstatt er das Fahrzeug reparieren lässt, ob ein Anwalt ihn berät und vertritt.

Die Rechtsschutzversicherer beschränken nicht die freie Anwaltswahl
Auch Rechtsschutzversicherer treffen Vereinbarungen mit Expertennetzen und Partneranwälten. Anwaltskammern, so Gröger, sehen die Wahlfreiheit gefährdet. Von einer Beschränkung der freien Anwaltswahl durch die Rechtsschutzversicherer kann jedoch keine Rede sein. Viele Versicherungsnehmer wenden sich ohnehin an den Anwalt ihrer Wahl oder ihres Vertrauens, der ihnen möglicherweise schon in anderen Streitfällen erfolgreich helfen konnte. Diese Kunden werden sich auch durch einen wirtschaftlichen Anreiz nicht von ihrer Wahl abbringen lassen, steht bei einem Rechtsstreit doch viel mehr in Rede als eine maßvolle Ersparnis. Besteht jedoch noch kein Kontakt zu einem Anwalt, empfinden die meisten Kunden eine Empfehlung des Rechtsschutzversicherers als eine wichtige Unterstützung bei der Auswahl. Übrigens: Die Versicherten erwarten dies auch von ihrem Versicherer. Sie haben bei deutschlandweit knapp 159.000 Anwälten schließlich die Qual der Wahl.

Rechtsschutzversicherer können Anwälte empfehlen
Wem nutzen Vereinbarungen zwischen Rechtsschutzversicherern und Rechtsanwälten? Zuerst den Versicherten. Denn diese können sich bei Bedarf von Rechtsschutzversicherern einen Anwalt empfehlen lassen. Die Kanzleien müssen bestimmte Anforderungen erfüllen, um in das Empfehlungsnetzwerk eines Versicherers aufgenommen zu werden. Es wird dabei auf die Berufserfahrung und Fachqualifikationen der Anwälte ebenso geachtet wie auf die Servicestandards, nach denen in der Kanzlei gearbeitet wird. Wird der Rechtsschutzversicherer von seinem Kunden um eine Empfehlung gebeten, kann er einen qualifizierten und spezialisierten Anwalt nennen – einen, der auch den eventuellen Prozess für den Kunden möglichst gewinnt. Genau das will der Versicherte – und der Versicherer. Denn ist der Kunde später nicht mit der anwaltlichen Betreuung zufrieden, fällt dies in der Regel auf den Rechtsschutzversicherer zurück.

„Kunden sollten sich im Klaren darüber sein, dass die Juristen aus den Netzwerken vom Versicherer bezahlt werden und auch dessen Interesse vertreten“, wird Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg in Capital zitiert. Eine Behauptung, mit der unter dem Mantel des Verbraucherschutzes nicht weniger als die Integrität des Berufsstandes der Rechtsanwälte in Frage gestellt wird. Als Organ der Rechtspflege ist für den Rechtsanwalt die Verpflichtung für die alleinige Interessenvertretung des Mandanten unantastbar. Der Anwalt unterliegt berufsständischen, sanktionierten Regeln. Auch für die Gebühren des Rechtsanwaltes enthält das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz einen klaren Rechtsrahmen.

Ansprechpartnerin:
Katrin Rüter
Tel. 030/20 20-51 19
E-Mail: k.rueter@gdv.de

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