24.09.2012
Rentendebatte

Drei Säulen, ein Ziel

In Deutschland gibt es drei Säulen der Alterssicherung, die sich ergänzen: die gesetzliche Rente, die betriebliche Altersversorgung und die private Vorsorge. Über die Finanzierung künftiger Renten wird regelmäßig intensiv diskutiert. Dabei sind die drei Säulen auf ein gemeinsames Ziel gerichtet: Dass Menschen auch im Alter finanziell ausreichend abgesichert sind.

Zur Vermeidung der drohenden Altersarmut werden derzeit die Pläne des Bundesarbeitsministeriums und der Opposition zur Stärkung der Alterssicherungssysteme diskutiert. Die vorgelegten Konzepte gehen in weiten Teilen in die richtige Richtung. Sie folgen der Erkenntnis, dass die gesetzliche Rente um Leistungen aus privater und betrieblicher Altersvorsorge ergänzt werden muss.

    • Streitpunkt: Generationengerechte Finanzierung der Renten

      Die Finanzierung der Alterssicherungssysteme in Deutschland basiert zum größten Teil auf dem staatlich getragenen Umlageverfahren – der Rentenkasse. Die privat oder betrieblich finanzierte Kapitaldeckung trägt rund 15 Prozent der Renteneinkünfte. Die Leistungsstärke beider Systeme hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Das liegt in erster Linie daran, dass sie zeitversetzt und in unterschiedlicher Intensität auf makroökonomische Entwicklungen reagieren.
    • Das Umlageverfahren

      Das Umlageverfahren ist zum einen auf funktionsfähige Arbeitsmärkte angewiesen. Demnach ist die nachhaltige Finanzierung der gesetzlichen Rente nur dann möglich, wenn die Erwerbsbevölkerung die Chance hat, ihre produktiven Fähigkeiten auf Arbeitsmärkten zu verwerten. Gerät die Beitragsbasis – also die sozialversicherungspflichtigen Einkommen – ins Wanken, dann gerät auch die Finanzierung des Umlageverfahrens ins Wanken.
       
      Darüber hinaus hängt die Zahlungsfähigkeit der Rentenkasse von einer ausreichenden Zahl Beitragspflichtiger ab. Angesichts der demographischen Entwicklung und dem Ziel, die Kosten der Bevölkerungsalterung gerecht zwischen den Generationen zu verteilen, ist es nur vorausschauend und angemessen, dass das Niveau der gesetzlichen Rente in den kommenden Jahren weiter abgesenkt wird. Überdies geht mit der stetigen Abnahme der Beitragszahler einher, dass die Lebenserwartung der Rentenempfänger steigt. So lag die durchschnittliche Rentenbezugsdauer 1960 noch bei 9,9 Jahren, aktuell werden Renten im Schnitt 18,5 Jahre ausgezahlt.
       
      Um die Auswirkungen des demographischen Wandels zu mildern, werden Möglichkeiten diskutiert, die die Einnahmeseite der Rentenkasse verbessern: beispielsweise die arbeitsmarktpolitischen Überlegungen zu Mindestlöhnen oder die Aufnahme von Selbständigen in die gesetzliche Rentenversicherung.
       
      Natürlich ist auch die kapitalgedeckte Altersvorsorge nicht völlig immun gegen demographische Veränderungen. Doch in der privaten Alterssicherung sorgt jede Generation für sich vor. Das jeweilige Verhältnis von Beitragszahlern und Rentenempfängern in einem Jahr betrifft die private Versicherungswirtschaft daher weniger, denn die Versicherer bilden einen Kapitalstock, mit dessen Mitteln die Leistungen in Zukunft finanziert werden. Ferner ist die Entwicklung, dass Menschen immer älter werden, bei privaten Versicherungsleistungen einkalkuliert.
    • Die Kapitaldeckung

      Die Kapitaldeckung ist in erster Linie auf funktionsfähige Kapitalmärkte angewiesen. Demzufolge ist das Geschäftsmodell der Lebensversicherung von Grund auf darauf ausgerichtet, die Schwankungen an den Kapitalmärkten abzufedern und einen konstanten Aufbau von Altersvorsorgevermögen zu ermöglichen. Dabei steht die Sicherheit der Kapitalanlage an erster Stelle. Um die Sicherheit zu gewährleisten und darüber hinaus für die Altersvorsorgesparer eine attraktive Rendite zu erwirtschaften, haben sich einzelne Strategien als sehr zielführend erwiesen.
       

      • Glättungsmechanismus: In besonders ertragreichen Jahren werden erwirtschaftete Erträge nicht sofort und komplett ausgeschüttet, sondern über mehrere Jahre geglättet zugeteilt. Dadurch erfolgt ein Ausgleich über die Zeit, der für eine möglichst stetige Gesamtverzinsung sorgt.
      • Buy-and-hold-Strategie: Lebensversicherer sind langfristige Investoren. Erworbene Zinspapiere werden in der Regel bis zur Fälligkeit gehalten. Dadurch wirken sich kurzfristige Kursschwankungen kaum auf die Rendite von Lebensversicherungen aus.
      • Mischung und Streuung (Diversifikation): Die Kapitalanlagen der deutschen Lebensversicherer liegen zum größten Teil (ca. 90 Prozent) in Zinspapieren. Mehr als in Staatsanleihen investieren Versicherer aber zum Beispiel in besicherte Pfandbriefe und Darlehen. Weitere Anlagefelder sind Unternehmensanleihen, Hypotheken oder erneuerbare Energien. Mit diesen Neuanlagen können auch im aktuellen Niedrigzinsumfeld noch die notwendigen Erträge – mit vertretbarem Risiko – erwirtschaftet werden.

      Mit diesen Strategien konnten die Auswirkungen der Finanzmarkt- und Schuldenkrise für die Altersvorsorgesparer weitestgehend abgefedert werden. Zwar ging die Gesamtverzinsung der Lebensversicherung in Folge der Krise(n) zurück. Doch mit etwa vier Prozent für 2012 ist die Gesamtverzinsung der Kundenansprüche auch auf diesem reduzierten Niveau ein sehr guter Wert. Kein vergleichbar sicheres Produkt schafft im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld ein derart gutes Ergebnis.
       
      Klar ist aber auch: Die aktuelle Niedrigzinspolitik der Zentralbanken darf nicht zum Dauerzustand werden. Vorsorgesparer werden durch künstlich niedrig gehaltene Zinsen massiv beim Aufbau ihrer privaten Altersversorgung behindert. Gerade in Zeiten, in denen private Vorsorge wichtiger denn je ist, dürfen diese Bemühungen nicht durch politisch gewollte Niedrigzinsen konterkariert werden. Daher appellierte die Versicherungswirtschaft bereits mehrfach, dass Zentralbanken ihre expansive Geldpolitik zurückfahren, die aufgebaute Liquidität wieder abbauen und monetäre Rahmenbedingungen für eine vernünftige Entwicklung langfristiger Zinsen schaffen. Im Ergebnis muss eine Wende in der Zinspolitik gelingen, ohne dass die Konjunktur abgewürgt und die Banken bzw. Staaten destabilisiert werden.

    • Fazit

      Die Erfahrung zeigt, dass sich Arbeitsmärkte und Kapitalmärkte nicht im Gleichschritt bewegen; während sich die Kurse an den Finanzmärkten schon wieder erholen, kann sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter zuspitzen. Werden die beiden Finanzierungsverfahren der Alterssicherung – also Umlageverfahren und Kapitaldeckung – kombiniert, dann tariert sich ein Teil der makroökonomischen Schwankungen gegeneinander aus. Die Risiken werden neutralisiert – das Alterssicherungssystem wird insgesamt stabiler.

Zur aktuellen Rentenreform: Stärkung der Alterssicherungssysteme mit Weitsicht
Zur wirksamen Vermeidung der drohenden Altersarmut sind die Grundgedanken der Rentenreform von 2001 weiterzuentwickeln. Im Kern der Rentenpolitik steht der konsequente Ausbau betrieblicher und privater Vorsorge – als Ergänzung zur gesetzlichen Rente.

Die Anreize zur Eigenvorsorge sollten derart gestaltet werden, dass alle Einkommensgruppen von staatlicher Förderung profitieren können. Zielführend – und schließlich auch motivierend – ist dabei auch, dass Renten aus zusätzlicher Vorsorge im Alter nicht voll mit staatlichen Sozialleistungen verrechnet werden. Dass parallel eigene Anstrengungen zum Aufbau einer betrieblichen oder privaten Zusatzvorsorge nachgewiesen werden sollen, um eine – wie auch immer geartete – „Zuschussrente“ zu erhalten, ist sachgerecht. Denn Solidarität und Eigenverantwortung sind zwei Seiten derselben Medaille.

Weiterhin sollten bei der anstehenden Reform die beiden Finanzierungssysteme eigenständig weiterentwickelt werden. Eine Zuführung von Mitteln der Eigenvorsorge in die gesetzliche Rentenkasse (etwa durch freiwillige Zusatzbeiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur gesetzlichen Rentenversicherung) ist hinsichtlich der damit verbundenen Erhöhung demographischer Lasten in unserer Gesellschaft kontraproduktiv.

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