27.07.2012
Altersvorsorge

Warum der Sparstrumpf nicht taugt

Im Handelsblatt-Interview hat Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten, die Produkte zur privaten Altersvorsorge kritisiert. Diese Aussagen sind wenig differenziert und vielfach unzutreffend. Das Interview zeichnet ein Bild der Versicherungsbranche, das an der Realität vorbeigeht. Hier finden Sie die Fakten zur privaten Altersvorsorge.

     

  • Stichwort Sparstrumpf

    Der Vergleich einer Rentenversicherung mit einem Sparstrumpf entspricht dem Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Im Gegensatz zu einem Sparstrumpf erhalten die Versicherten derzeit nicht nur rund vier Prozent Zinsen, sondern auch eine Absicherung der zentralen Lebensrisiken. Der Hauptvorteil ist jedoch, dass sich die Versicherten auf eine monatliche Rentenzahlung verlassen können – so lange sie leben.
  • Stichwort Sterbetafeln

    Aussagen zu den Sterbetafeln sind prädestiniert, um Stimmung gegen die Lebensversicherung zu machen. Tatsächlich weiß niemand, wie lange er leben wird. Natürlich ist es schwer vorstellbar, dass man selbst oder die Kinder über 100 Jahre alt werden können. Betrachtet man jedoch die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten, so steigt die Lebenserwartung mit jedem Geburtsjahrgang um zwei bis drei Monate. Dennoch gehen die meisten Menschen allerdings nicht von der im Einzelfall möglichen Lebensdauer aus, sondern orientieren sich an dem erreichten Alter früherer Generationen. Dadurch wird die Lebenserwartung massiv unterschätzt.
     
    Die Versicherungsunternehmen übernehmen jedoch mit jeder Lebensversicherung die Verantwortung und die Verpflichtung für lebenslange Rentenzahlungen – und das statistisch gesehen für nahezu jeden Deutschen. Im Sinne der Kunden werden deshalb bei der Prämienberechnung realistische Trends zur steigenden Lebenserwartung berücksichtigt. Schließlich gilt es auch, gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen.
     
    Im Übrigen sind bei Rentenversicherungen noch nie Risikoüberschüsse angefallen. Im Gegenteil, die Kalkulationsgrundlagen mussten in der Vergangenheit mehrfach an die tatsächliche Entwicklung angepasst werden und Risikoverluste waren durch Nachreservierungen auszugleichen.
     
    Der medizinische Fortschritt wirkt sich positiv auf die Lebensdauer aus. Folglich muss für die Hochrechnung der Lebenserwartung heute Neugeborener auch die Weiterentwicklung medizinischer Fähigkeiten in den kommenden Jahrzehnten antizipiert werden. Wer dies als eine Überschätzung der Lebenserwartung bezeichnet, verkennt die Realität.
     
    Die Lebensversicherer sind davon überzeugt, dass sich ihre Vorsicht im Sinne aller Versicherten bewährt hat und weiter bewähren wird.
  • Stichwort niedrige Renditen

    Der Vorwurf, die Lebensversicherung bringe nicht genug Rendite, ist angesichts des Kapitalmarktumfeldes weltfremd. Im nunmehr fünften Jahr der Finanzkrise sind die Bedingungen für die Kapitalanlage weiter sehr herausfordernd; extrem niedrige Zinsen und hohe Marktvolatilitäten dauern an. Die Lebensversicherung bietet dennoch selbst in diesem Umfeld eine im Vergleich zu anderen sicheren Vorsorgeformen deutlich stabilere Verzinsung (2011: 4,08%; 2012: 3,94%). In Relation zu der gewährten Sicherheit gibt es keine bessere Alternative zum Aufbau der Altersvorsorge.
     
    Das ist einerseits auf die langfristige, gut diversifizierte und auf Sicherheit orientierte Kapitalanlage der Lebensversicherer zurückzuführen. Zum anderen kommt gerade in diesen Zeiten das Sicherheitssystem der Lebensversicherung besonders zum Tragen. So werden in guten Kapitalmarktzeiten Sicherheitspuffer aufbaut, die in unruhigen Zeiten zur Glättung der Überschüsse der Versicherten verwendet werden.
  • Stichwort Vertrieb

    In Deutschland tätige Vermittler sind verpflichtet, die Produktempfehlung am Bedarf des Kunden auszurichten. Ein Vermittler, der eine Versicherung nur nach der Höhe der Provision verkauft, begeht einen Beratungsfehler, für den er haften muss.
     
    Ein guter Vermittler hat ohnehin Interesse an einer langfristigen und vertrauensvollen Kundenbeziehung, denn sie ist Voraussetzung für einen stabilen Kundenbestand. Das Vertrauen der Kunden gewinnt man durch eine kontinuierlich gute Beratung und Betreuung – und nicht durch schnelle Abschlüsse aus Provisionsinteresse.
     
    Der im Interview skizzierte Zwiespalt zwischen Vertrieb und Unternehmen ist realitätsfremd: Einerseits gehen viele Neuentwicklungen von Produkten auf Anregungen von Vermittlern zurück, die vom Kunden im Beratungsgespräch geäußerte Wünsche an die Unternehmen weitergeben. Andererseits gehört zu einer erfolgreichen Produkteinführung natürlich auch die ausführliche interne Schulung des Vertriebs.
  • Stichwort Umlageverfahren

    Es ist allgemein – auch in Wissenschaft und Politik – unstrittig, dass nur eine Kombination aus Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren geeignet ist, den Herausforderungen des demographischen Wandels bzw. der drohenden Altersarmut zu begegnen. Der Realität kann man sich nicht verschließen: Wenn die Geburtenstarken Jahrgänge in Pension gehen, kommt für zwei Neurentner nur ein Beitragszahler auf den Arbeitsmarkt. Diese Lasten kann die junge Generation nicht schultern.
     
    Es ist eine Tatsache, dass das Rentenniveau deutlich sinken wird. Ohne zusätzliche kapitalgedeckte Vorsorge lässt sich der Lebensstandard im Alter nicht halten. Das galt bei der Rentenreform – und es gilt unverändert auch heute.
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    Der inszenierte “Riester-Skandal” (GDV-Artikel vom 18.05.2012)
    Hatte der GDV die Öffentlichkeit falsch informiert, als er methodische Tricks in der DIW-Studie kritisierte, die den Riester-Produkten ein katastrophales Zeugnis ausstellte? Der Chef des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, der noch in seiner vorherigen Tätigkeit als Versicherungsmathematiker die Berechnungen für das DIW fertigte, drohte dem GDV sogar rechtliche Schritte an. Weiter…
    10 Jahre Riester-Rente: Und sie lohnt sich doch! (GDV-Artikel vom 06.12.2011)
    Für die Allermeisten rechnet sich die Riester-Rente so gut wie keine andere Vorsorge. Dazu hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heute Berechnungen für typische Muster-Biografien vorgelegt. Diese belegen, dass für Geringverdiener und Familien die Riester-Rente eine besonders rentable Altersvorsorge ist. Weiter…
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