10.07.2012
Renteninformation

Überblick per Mausklick

Mit einer IT-Renteninformationsplattform wie in Schweden könnten sich Bürger in Deutschland bald bequem per Computer über ihre Ansprüche in allen drei Altersvorsorgesäulen informieren und eventuell auftretende Lücken ausbessern. Doch noch gibt es ein paar Hürden zu überwinden.

Knäckebrot und Ikea sind aus dem deutschen Alltag nicht mehr wegzudenken. Bald könnte auch „minpension“ (meine Rente) den Sprung von Schweden nach Deutschland schaffen. Dabei handelt es sich um eine Renteninformationsplattform, bei der die Bürger online und mit wenigen Klicks ihre Ansprüche in allen drei Altersvorsorgesäulen aufrufen und gleichzeitig überprüfen können, ob ihre Alterssicherung ausreicht oder sie zusätzlich vorsorgen sollten.

GDV POSITION
Mit einem breiten politischen Konsens, mehr Transparenz und einer sorgfältigen Analyse datenschutzrechtlicher Bedenken kann die Bevölkerung von einer säulenübergreifenden Renteninformationsplattform überzeugt werden.

In Schweden gibt es minpension schon seit 2004, auch Dänemark bietet eine ähnliche Informationsplattform an. Thomas Lueg, Referent für Sozialpolitik beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wünscht sich eine solche IT-Plattform auch für Deutschland: „Mich beeindruckt, was sie alles kann.“ Anstatt mühsam in mehreren Ordnern kramen zu müssen, um die verschiedenen Ansprüche aus gesetzlicher Rentenversicherung, betrieblicher Altersvorsorge und privaten Verträgen zu finden, und sie dann zu addieren, übernimmt das die Plattform in Sekundenschnelle. Außerdem kann sie die einzelnen Rentenansprüche grafisch sehr übersichtlich und gut verständlich darstellen, sodass sie diejenigen, die sich ungern mit finanziellen Dingen beschäftigen, nicht von vorneherein abstößt. „Die Plattform kann dazu führen, dass sich die Leute mehr um eine vernünftige, säulenübergreifende Altersvorsorge kümmern“, hofft Lueg.

Einfaches Einloggen mit der Bürgernummer
In Dänemark und Schweden loggen sich die Bürger mit einer speziellen Nummer, der Bürger- oder Personennummer, in die Plattform ein. „Bei seiner Geburt bekommt jeder Schwede eine solche Personennummer, die er für die Steuererklärung, die Krankenversicherung, aber auch für die Rente braucht“, erklärt Marlene Haupt vom Munich Center for the Economics of Aging (MEA) des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik. In Deutschland wäre es denkbar, dafür die Steuer- oder Sozialversicherungsnummer zu verwenden.

Anbieter von betrieblichen oder privaten Altersvorsorgeverträgen können in Dänemark sogar Informationen über ihre Produkte in die Plattform einspeisen. Wenn also jemand feststellt, dass er über seine bisherige Alterssicherung hinaus noch privat zusätzlich vorsorgen muss, kann er sich über die verschiedenen Produkte informieren und danach per E-Mail mit einem Anbieter in Kontakt treten. „Die Versicherer dürfen aber nicht von sich aus aktiv auf den eingeloggten Bürger zugehen“, erklärt Thomas Lueg vom GDV.

Alle Anbieter müssten sich an der Plattform beteiligen – für vollständige Informationen
Bevor so eine säulenübergreifende Informationsplattform auch in Deutschland eingeführt werden kann, müssen noch einige Hürden genommen werden. Die Informationen, die die Versicherer auf die Plattform stellen, sollten möglichst vollständig und aktuell sein, gleichzeitig müssten sich möglichst viele Anbieter aus allen drei Säulen daran beteiligen. Denn blieben etwa wichtige Institutionen der betrieblichen Altersversorgung außen vor, könnten sich die Bürger nicht in allen drei Säulen lückenlos informieren. Außerdem müssten die Rechnungsmodelle für die künftigen Rentenansprüche transparent und unkompliziert sein, meint Thomas Lueg.

Problematisch sind auch datenschutzrechtliche Fragen. In Deutschland ist die Furcht weit verbreitet, dass unbekannte Unternehmen an die persönlichen Daten kommen und mit ihnen machen, was sie wollen. In Schweden und Dänemark ist dies völlig anders. „Schweden gehen viel offener mit den eigenen Daten um“, sagt Marlene Haupt. „Jeder kann dort im Internet nachschauen, wie viele Steuern der Nachbar gezahlt hat.“

In Deutschland ließe sich die Angst vor einem Datenmissbrauch nehmen, etwa indem die Informationen der Altersvorsorgeanbieter und die individuellen Berechnungen für den einzelnen Bürger nach jedem Log-Out gelöscht werden. „Insgesamt könnten ein breiter politischer Konsens, eine transparente Umsetzung und eine sorgfältige Analyse der datenschutzrechtlichen Bedenken helfen, die Bevölkerung von der Plattform zu überzeugen“, meint Thomas Lueg. Die Einberufung eines Dialogkreises Renteninformationsplattform durch die Bundesregierung wäre dabei ein erster, wichtiger Schritt.

Mauritius Much ist freier Journalist in München.

Ansprechpartnerin:
Katrin Rüter
Tel. 030/20 20-51 19
k.rueter@gdv.de

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