10.07.2012
Gegenpositionen

Jetzt wird’s kritisch

Der Zentralruf, das Service-Center der Autoversicherer, ist rund um die Uhr erreichbar und hilft bei Unfällen schnell und unbürokratisch: Ob bei der Klärung der Schadenübernahme, der Wahl einer Werkstatt oder des Abschleppdienstes. Ein Bericht auf der Internetseite des Senders n-tv sieht das „kritisch“. Warum?

Kontakt zur Versicherung – ein folgenschwerer Fehler“, schreibt der Nachrichtensender n-tv auf seiner Website. Tatsächlich konstatiert Autorin Isabell Noé in der Rubrik Ratgeber zum Verhalten nach einem unverschuldeten Crash: „Wer sich jetzt an die Versicherung des Unfallgegners wendet, macht einen folgenschweren Fehler.“ Ja, an wen denn sonst, mag sich der arglose Leser fragen, schließlich muss der Schadenersatzanspruch beim gegnerischen Versicherer geltend gemacht werden.

Besonders dumm handelt laut Noé, wer gleich nach einem Unfall den Zentralruf der Autoversicherer anruft. Diese Hotline dient der Branche, folgt man der Argumentation des n-tv-Berichts, um gegen die Interessen des Unfallopfers die Leistungen so gering wie möglich zu halten. Kritisch wird es, so Noé, „wenn man sich gleich in die Schadensabteilung der Versicherung durchstellen lässt“. Dort wird dann womöglich die Kostenübernahme geklärt, eine Werkstatt und ein Abschleppdienst vermittelt, der Schaden zügig und unbürokratisch abgewickelt. Aber die Frage sei erlaubt: Was soll daran kritisch sein? Der Wagen steht nach kürzester Zeit wiederhergestellt bereit.

Auskunftsstelle gesetzlich vorgeschrieben
Der Zentralruf ist auch keine verzichtbare Erfindung der Autoversicherer. Das Pflichtversicherungsgesetz schreibt in § 8a Absatz 3 eine solche Auskunftsstelle vor – zum Wohle der Geschädigten. Jeder, der einmal in einen Unfall verwickelt war, wird bestätigen: So ein Crash ist eine unangenehme Stresssituation. Auch, wenn nur Blechschaden entstanden ist. Man fragt sich: Was tun? Wie geht es weiter, wie bekomme ich mein Auto wiederhergestellt?

Der Zentralruf der Autoversicherer vermittelt dem Anrufer den Kontakt zur gegnerischen Versicherung und beschleunigt so die Schadenregulierung. Liegt das etwa nicht im Interesse des Geschädigten? Es ist dem Betroffenen unbenommen, sich durch einen Rechtsanwalt vertreten zu lassen. Auch steht es ihm frei, den Schaden fiktiv, also nach Gutachten abzurechnen.

Der Geschädigte kommt schneller an sein Geld – mit Hilfe des Zentralrufs
Mehr als 1,8 Millionen Anfragen pro Jahr werden beim Zentralruf der Autoversicherer zu Unfällen im In- und Ausland fachkundig bearbeitet. Das Service-Center steht an 365 Tagen rund um die Uhr zur Verfügung. Bei Unfällen in Deutschland kann bereits nach wenigen Minuten eine Auskunft über die gegnerische Versicherung mitgeteilt werden. Wer will, kann sich häufig gleich mit dem Versicherer verbinden lassen. Der Geschädigte muss also nicht warten, bis der Unfallgegner sich bei seiner Versicherung meldet und den Schaden anzeigt, sondern kann selbst aktiv werden und kommt so häufig auch schneller an sein Geld.

Frau Noé unterstellt weiter, der Sachbearbeiter, mit dem der Geschädigte über den Zentralruf verbunden wurde, nehme persönliche Daten auf, „mit denen der Geschädigte in der Uniwagnis-Datei überprüft werden kann“. Frau Noé meint wohl das Hinweis- und Informationssystem der Versicherer (HIS), das früher mit einer Software, Uniwagnis genannt, betrieben wurde. Dieses System gibt es so längst nicht mehr – das HIS wird seit 2011 als eine transparente Auskunftei nach den Maßgaben des aktuellen Datenschutzgesetzes von einem externen Dienstleister betrieben. Überprüft wird nicht, wer über den Zentralruf mit dem Versicherer Kontakt aufnimmt, sondern wer, unabhängig vom Zugang zum Versicherer, klar definierte Kriterien erfüllt, die dem Versicherer eine genauere Prüfung nahelegen.

Kfz-Prämien auf dem Niveau der Achzigerjahre
Gleich zu Beginn stellt die Autorin fest: „Die Kfz-Haftpflicht ist teuer“, für die Autofahrer und die Versicherer. Für die Autobesitzer stimmt dies jedenfalls nicht: Noch immer zahlen sie für ihre Kfz-Versicherung im Durchschnitt Prämien auf dem Niveau der Achtzigerjahre. Der strenge Markt der Kfz-Versicherer lässt eine spürbare Anhebung der Prämien kaum zu. Jeder Geschädigte bekommt genau die Leistung, die im zusteht. Ein vernünftiges Schadenmanagement, nicht zu Lasten der Geschädigten, aber zu Gunsten der Versicherungsnehmer und ihrer Prämien, ist nicht nur legitim, sondern wirtschaftlich sinnvoll und notwendig.

Ansprechpartnerin:
Katrin Rüter
Tel. 030/20 20-51 19
E-Mail: k.rueter@gdv.de

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